Brennen von Lehmziegeln in früheren Zeiten

In den 70er und 80er Jahren des 19 Jahrhunderts war die allgemeine Wirtschaftslage in Österreich sehr gut, auch die Landwirtschaft florierte, es gab gute Erträge und es setzte ein allgemeiner Bauboom in der Landwirtschaft ein. Viele der Höfe in Oberösterreich wurden neu errichtet oder ausgebaut.  So wurde auch damals noch das vorhandene Material verwendet. Transporte im Umfang wie sie heute geschehen, gab es in den ländlichen Gegenden noch nicht. Vorhandene Resourcen wurden genutzt.

Unmengen an Ziegeln wurden direkt Vorort gebrannt, dazu gab es Facharbeiter welche von Hof zu Hof zogen und dort die Leute in der Arbeit unterwiesen die Ziegel zu fertigen und das Brennen der Ziegel vornahmen. Noch heute findet man in der näheren Umgebung von Bauernhäusern Senken, wo der Lehm abgebaut, die Ziegel geschlagen, getrocknet und gebrannt wurden. Diese Abbaustätten  erkennt man noch heute, meist sind sie mit Bäumen bewachsen, Wasser hat sich gesammelt oder man hat sie teilweise wieder mit Bauschutt und Müll aufgefüllt.  Manchmal findet man auch noch ausgeschiedene, verbrannte oder gebrochene Ziegel an diesen Orten.

Den Ablauf der Erzeugung der Ziegel kann man sich folgender Maßen vorstellen:

Die Humusschicht wird abgetragen, die Lehmschicht freigelegt.
Der freigelegte Lehm wird in Holztrögen gesammelt und gereinigt.
Mit der Beigabe von geringen Mengen an Wasser wird der Lehm zu einer homogenen Masse verarbeitet.
Flinke Hände formen gleich große Laibe, welche auf einem mit Sand bestreuten Brett leicht gerollt werden.
Die Rohlinge werden in eine Holzform gepresst, überschüssiges Material wird mit einem mit Draht bespannten Bogen abgezogen.

Die Holzform hat überstehende Enden, so wird durch die Wucht des Aufpralls beim Schlagen der Form auf ein Holzbrett, der rohe Ziegel aus der Form auf das Brett geschleudert.
Je nach Witterung werden die so hergestellten Ziegel mindestens eine Woche an der Luft getrocknet. Die Ziegel sind gut getrocknet und ein wenig geschrumpft, sie werden jetzt im Verbund zu einem Tonnengewölbe geschlichtet, zum Wind hin bleiben sie offen, nach oben werden mehrere Abzüge eingebaut. Drei Schichten Ziegel werden so übereinander angeordnet, das mehrere Züge entstehen, mit Reisig und Erdreich abgedeckt.
Zwei Wochen hindurch wird der so entstandene Meiler mit Feuerholz beschickt, nebenan werden weitere Ziegel geschlagen , getrocknet und gebrannt.

Die gebrannten Ziegel wurden auch in der Reihenfolge verwendet wie sie gebrannt wurden. Unten die Ziegel aus der inneren Schicht, diese sind hart gebrannt, man kann sie leicht von den anderen an der Farbe unterscheiden, sie sind beinahe schwarz und schimmern an Bruchstellen teilweise violett. Sie wurden meist bis Fensteroberkante des Erdgeschosses verwendet. Die nächste Qualität wurde bis unters Dach verwendet, teilweise findet man Muster mit schwarzen Ziegeln gelegt. Die äußere Schicht an Ziegeln im Meiler wurde für die geschützten Stellen im Haus, wie Innenwände und die Ziegelböden unter dem Dach verwendet.

Teilweise wurde Ziegelwände auch mit runden Flusssteinen gemischt, zwei Reihen Ziegel und zwei Reihen Flusssteine, diese Art der Mauer bezeichnet man als Römische Mauer. Für das Fundament verwendete man Konglomeratgestein oder auch Granit bis Fensterunterkante. War jedoch kein Gestein zur Verwendung da, hinderte man das Wasser mit dünnen Schichten aus Holzkohle am Aufsteigen im Mauerwerk.

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