Arbeiten mit saftfrischen Hölzern auf der Wippdrechselbank

Michael Stallmann mit seiner Wippdrechselbank
Michael Stallmann mit seiner Wippdrechselbank

Ein Bericht von Michael Stallmann, Tischler und Permakultur-Designer aus Deutschland

Die Geschichte der Wippdrechselbank
Die älteste Darstellung einer Drehbank stammt aus einem ägyptischen Grab des dritten vorchristlichen Jahrhunderts. Dabei handelt es sich um eine Schnurzugdrehbank, die von zwei Personen bedient werden musste. Das Prinzip der Drehbank hat sich seither nicht verändert, doch findet man in der Geschichte viele unterschiedliche Möglichkeiten die Drehbank anzutreiben, zum Beispiel die Fidelbogendrehbank, welche man auch alleine bedienen kann. Erste Hinweise für die Nutzung einer Wippdrehbank, stammen (für den europäischen Raum) aus der Zeit des hohen Mittelalters. In spätmittelalterlichen Handschriften findet man auch vermehrt Abbildungen von Wippdrehbänken.

Während sich mit der Zeit in allen Handwerken gleichdrehende Drehbänke durchsetzen konnten, hat die wechseldrehende Wippdrechselbank, besonders im Holzhandwerk noch bis ins 19. Jahrhundert Verwendung gefunden. So wurden noch in der Zeit der Napoleonischen Befreiungskriege 1813-1815 für Landwehreinheiten Holzteller in Auftrag gegeben, die von Bauern auf der Wippdrehbank gefertigt wurden. In England gab es sogar bis in die 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts noch Familien, die mitsamt ihrem Werkzeug in den Wald zogen und auf vor Ort errichteten Wippdrehbänken, die Stuhlbeine für die Industrie vorzufertigen. Ganz ist die Wippdrechselbank zum Glück jedoch nie verschwunden. Auch heute arbeiten einige Handwerker mit dieser einfachen aber effektiven Konstruktion. Sogar Kurse über den Bau einer Wippdrechselbank kann man heute besuchen.

Wippdrechselbank
Wippdrechselbank

Besonderheiten einer Wippdrechselbank
Es mag vielleicht anfangs kompliziert erscheinen an einer Drechselbank zu arbeiten, die ihre Drehrichtung dauernd wechselt, aber man wird schnell feststellen, dass es kinderleicht ist und obendrein noch viel Spaß macht. Der größte Vorteil einer Wippdrechselbank im Gegensatz zu einer motorgetriebenen Drehbank ist für mich die Sicherheit. Eine Maschine dreht konstant mit hoher Geschwindigkeit und quittiert jeden Fehler des Drechslers mit einem starken Rückschlag. Auch kann das Werkstück in Stücke zerspringen oder das Werkzeug zum gefährlichen Geschoss werden. All das ist bei einer Wippdrechselbank nicht zu erwarten. Frisst sich das Werkzeug bei fehlerhafter Haltung fest, so stoppt die Wippdrechselbank fast augenblicklich. Da man selbst der Antrieb ist, hat man die volle Kontrolle über die Geschwindigkeit und kann quasi stufenlos die Geschwindigkeit an die jeweilige Arbeit anpassen. Dadurch eignet sich die Wippdrechselbank besonders für Anfänger. Ein weiterer großer Unterschied zu einer motorgetriebenen Drehbank ist, dass man saftfrische Hölzer verarbeitet. Frisches Holz ist viel weicher und lässt sich leichter bearbeiten. Deshalb entstehen beim Arbeiten auch weder Staub noch Splitter und das tragen von Atemschutz und Schutzbrille ist unnötig.

Meine Wippdrechselbank und die Permakultur
Ich selber besitze seit einigen Monaten eine Wippdrechselbank, die ich bei einem Workshop in der deutschen Altmark selbst gebaut habe und bin begeistert. Ich bin unabhängig vom Strom und kann bei schönem Wetter draußen im Garten drechseln. Will man drinnen arbeiten so ist das auch möglich, erfordert aber eine andere Wippe wenn Platzmangel besteht. Zum Beispiel kann man auch ein Gummiband an der Decke befestigen und so seine Drechselbank antreiben. Im Grunde genommen sind der Phantasie da keine Grenzen gesetzt und man muss einfach ausprobieren wie es einem am Besten gefällt.
Aus der Sicht der Permakultur ist die Wippdrechselbank ein gutes Beispiel für nachhaltige Technologie. Die Konstruktion ist einfach und mit etwas handwerklichem Geschick ist jeder in der Lage sich selbst eine Wippdrechselbank zu bauen und jede Reparatur, wenn es denn nötig ist, zu meistern. Der Antrieb erfolgt ohne Strom und ist unabhängig vom Standort. Man könnte also wie es früher die Stuhlmacher getan haben vor Ort im Wald arbeiten. Es entsteht kein Lärm und kein Abfall. Lediglich ein rhythmisches Schneidgeräusch und 1a Mulchmaterial. Und die Wippdrechselbank an sich ist zu 99% biologisch abbaubar. Das allein sind ihre äußeren Qualitäten. Hinzukommen die persönliche Befriedigung und der Spaß an einer solchen Drechselbank zu arbeiten. Wer auf seinem ersten Hocker sitz dessen Beine selbst gedrechselt wurden wird verstehen was ich meine. Und wem das noch nicht reicht, der kann Mike Abotts (1) Anregung folgen und versuchen den Wipprhytmus mit dem Herzschlag in Einklang zu bringen.

(1)Mike Abott ist Grünholzwerker und Wippdrechsler. Sein Buch „Grünholz“ ist quasi ein Muss für jeden der mit frischem Holz arbeiten will.

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Aktivtag und Treffen beim Weberhäusl in Wels / Oö

Vorbereitend für den 72h Permakultur-Zertifikatskurs mit Joe Polaischer, im Juli 2007 in Wels, bauten wir gemeinsam bei unserem Aktivtag eine Komposttoilette aus Paletten und Abbruchholz. Im Anschluss führte Hans Hermann Gruber durch seinen Waldgarten.

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Exkursion Mischkulturbetrieb Langerhorst in Waizenkirchen / OÖ

Zu Besuch bei Familie Langerhorst in Waizenkirchen, welche seit den fühen 1970er Jahren ihre Landwirtschaft mit Mischkultur bewirtschaften. Margarete und Jakobus sind in der deutschsprachigen Gartenbauscene durch ihre jahrzehntelange Erfahrung geschätzt und auch durch Publikationen bekannt.

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Aktivtag und Treffen am Rabenleitenhof in Pettenbach / OÖ

Beim erster Aktivtag mit Treffen in der Vereinsgeschichte von Perma-Norikum, bepflanzten wir einen bestehenden Teich, legten eine große kreisrunde Mulchfläche an und bauten eine Weidenhalbschale. Dieses Treffen fand bei den Gündungsmitgliedern Eva Juran und Matthias Weber, in ihrer damaligen Biogärtnerei am Rabenleitenhof in Pettenbach statt.

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Treffen Ökodorfprojekt Augendobl in Dorf an der Pram / OÖ

Das Vereinstreffen im März 2007 führte uns zum Ökodorfprojekt Augendobl. Ernst Junger, Mitglied bei Perma-Norikum wollte auf dem Gelände seiner Landwirtschaft und Bio-Baumschule ein Ökodorf errichten. Erste Schritte zur Realisierung wurden gesetzt, leider hat eine Gemeinschaft nicht zusammen gefunden.

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Mit Permakultur gemeinsam Zukunft gestalten

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