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Praktikumsplatz Permakullturhofprojekt Chuderboden Malters / Schweiz

Praktikumsplatz am Permakultur-Hofprojekt Chuderboden
Praktikumsplatz am Permakultur-Hofprojekt Chuderboden

Praktikumsplatz Permakullturhofprojekt Chuderboden Malters / Schweiz

Auf Chuderboden steht im April bis ca. 10. Mai das grosse Pflanzen an. Gepflanzt wird ein Wildobstwaldgarten und ein Rebberg. Weit über 1000 Pflanzen sollen gesetzt werden. Zuerst müssen noch vorbereitende Arbeiten wie Häckseln erledigt werden.

Wir brauchen dringend Mithilfe und suchen PraktikantInnen ab zwei Tagen, bis mehrere Wochen. Geboten wir eine bescheidene Bezahlung.

Beat Rölli ist einer der bekanntesten Permakultur-Berater in der Schweiz
Beat Rölli ist einer der bekanntesten Permakultur-Berater in der Schweiz

Bewerbung direkt bei Beat Rölli
Unter-Grundhof 20
CH-6032 Emmen
Tel. 041 210 92 91  oder 077 481 48 89

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Newsletter 1/10

Liebe Permakultur-Freunde,

der Winter ist ins Land gezogen und überall liegt mehr oder weniger
Schnee und wahrscheinlich genießt ihr auch wie ich gerade die Ruhe nach
den Feiertagen. Rückblickend können wir sagen, dass wir auch 2009 wieder
viel zur Verbreitung der Ideen der Permakultur beitragen konnten.

Es gab wieder mehrere Vereinstreffen im Raum Oberösterreich. Wir
veranstalteten den zweiten 72h Permakultur-Zertifikatskurs. Mit
finanziellen Überschüssen konnten wir zwei afrikanischen Frauen die
Teilnahme an einem Permakultur-Zertifikatskurs in Malawi ermöglichen. Zu
guter Letzt waren wir zur 25 Jahrfeier des deutschen Permakultur-Vereins
eingeladen.

Infos in diesem Newsletter:
1. Rückblick Aktivtag Perma-Norikum mit Gewächshausbau
2. Bergbauernhof Hoiser: Ökologie und Ökonomie im Einklang
3. Treffpunkte für Aktivtage Perma-Norikum 2010 noch gesucht
4. Zu besuch bei den Homegarden der Chagga am Kilimanjaro
5. Aktuelle Termine

Permakulturelle Grüße

Bernhard Gruber
Schriftführer Perma-Norikum
http://www.perma-norikum.net

1. Rückblick Aktivtag Perma-Norikum mit Gewächshausbau

Am 10. Oktober veranstaltete der Verein Perma-Norikum sein letztes
Treffen im Jahr 2009 in Neuhofen an der Krems. Gemeinsam mit einigen
fleißigen Helfern startete ich mein Anlehngewächshaus. Einerseits möchte
ich ab kommendem Frühling hier in Hochbeeten Salat und Gemüse ziehen,
das Gewächshaus soll aber auch noch ein Wärmepuffer für mein
Arbeitszimmer sein, weiters sollen die Pflanzen im Gewächshaus mein
Arbeitszimmer im Sommer beschatten.

Das Anlehngewächshaus wurde bisher zu 90% aus Abfallstoffen gebaut, aus
Dachstuhlholz vom Nachbarn und aus gebrauchten aber noch sehr guten
Balkontüren und Fenstern. Die Kunststoffplatten am Dach konnte ich bei
einem anderen Nachbarn entsorgen. Als Fundament wurden alte Betonplatten
verlegt. Bei einem gemütlichen Plausch auf unserer Terrasse ließen wir
diesen sonnigen Herbsttag ausklingen.

Fotos dazu unter:
http://perma-norikum.ning.com/photo/albums/anlehngewaechshaus-1

2. Bergbauernhof Hoiser: Ökologie und Ökonomie im Einklang

Ein Bericht von Beat Rölli, dipl. Biologe und dipl. Permakultur
Designer, Co-Präsident von Permakultur Schweiz

1996 kauft der junge Frankfurter Bänker Eric Beißwenger in Unterjoch,
Allgäu den heruntergekommenen, 8 Hektare grossen Bergbauernhof Hoiser
und beginnt diesen nach den Richtlinien des Naturlandbaus und
Permakulturprinzipien zu bewirtschaften. Nur 12 Jahre später sind die
Gebäude saniert, der Bauer schuldenfrei. Auf dem Hof gedeihen viele alte
Tierrassen und 65 Obstbäume. Die Erfolgsgeschichte des Hofes hat dazu
geführt, dass der Bauer 2008 eine 40 Hektaren-Alp dazukaufen konnte und
viele Bauern in der Region ebenfalls auf Ökolandbau umgestellt haben.

Was ist das Geheimnis des Erfolgs? Nun, Eric Beißwenger lässt die Tiere
für sich arbeiten anstatt Maschinen zu kaufen und vermarktet seine
Produkte und seinen Hof clever mit Tourismus.

… hier weiterlesen:
http://www.perma-norikum.net/2009/12/30/bergbauernhof-hoiser/

3. Treffpunkte für Aktivtage Perma-Norikum 2010 noch gesucht

Für das kommende Gartenjahr 2010 suchen wir noch mehrere
Veranstaltungsorte für unsere Aktivtage mit Treffen im Raum
Oberösterreich. Veranstaltungsort ist grundsätzlich immer bei
Vereinsmitgliedern, die Teilnahme ist für alle Interessierten kostenlos.
Es werden einfache, überschaubare Halbtagesprojekte erledigt, wobei der
Gastgeber für die Verpflegung aufkommt und Werkzeug und benötigtes
Material zur Verfügung stellt. Es gilt sinnvolle und lehrreiche
Tagesprojekte zu starten.

Beginn um 8 oder 9 Uhr, ab 15 Uhr allgemeines Treffen mit Führung,
Besichtigung Tagesprojekt, gemütliches Beisammensein, Pflanzentausch,
Information und auch Bücher aus der Vereinsbibliothek können entlehnt
werden. Terminvorschläge bitte per email: perma-norikum@gmx.at weitere
Infos zur Mitgliedschaft im Verein:
http://www.perma-norikum.net/der-verein/mitgliedschaft/

4. Zu besuch bei den Homegarden der Chagga am Kilimanjaro

Im Rahmen einer gemeinsamen Studienreise besuchten Bernhard Gruber und
der Tansania-Experte Franz Hörmannseder die Homegarden der Chagga am
Kilimanjaro und zwei Permakultur-Projekte am Lake Viktoria

… hier weiterlesen:
http://www.permakultur.biz/beratung/projektreise-homegarden-kilimanjaro/

5. Aktuelle Termine

11. Jänner 2010 | Permakultur einzeln/zusammen in der Stadt umsetzen,
Gemeinschaftliches Permakulturhof-Projekt nahe Luzern

19 Uhr | Hotel Alpha, Zähringerstrasse 24, Luzern | Eintritt frei
Verantastalter: LuzernerTauschnetz

Vortrag mit Beat Rölli dipl. Biologe und dipl. Permakultur Designer,
Co-Präsident von Permakultur Schweiz und Film von Sepp Holzer (40 min)
Alle Interessierten sind eingeladen. Keine Anmeldung nötig.

13. Jänner 2010 | Permakultur als Teil der °Neuen Arbeit
Weg in eine dauerhafte, ökologische und soziale Zukunft

20 Uhr | Gasthof zur Post Ottensheim | Eintritt frei
Veranstalter: LA21 Projekt °Neue Arbeit uwe/Ottensheim

Der Permakultur-Designer Bernhard Gruber gibt Einblick in die Ethik der
Permakultur und stellt sie als Teil der °Neuen Arbeit vor. Anhand von
einfachen Beispielen und zahlreichen Bildern wird er Ansätze für lokale
Netzwerke (z.B.: Gemeinschaftsgärten) erläutern.

9. Februar 2010 | Die Homegarden – Permakultur am Kilimanjaro
19.30 Uhr | beim Wirt in Trosselsdorf
Trosselsdorf 9 | A-4212 Neumarkt im Mühlkreis

Der Permakultur-Designer Bernhard Gruber besuchte mit dem
Tansania-Experten Franz Hörmannseder in einer Studienreise einige dieser
Waldgartensysteme am Kilimanjaro. Ihre gemeinsame Reise führte sie auch
zu zwei Permakultur-Projekten an den Viktoria See.

In seinem Vortrag stellt Bernhard Gruber mit ansprechenden Bildern die
Homegarden des Chagga Volkes vor und berichtet von den
Permakultur-Projekten am Viktoria See. Er berichtet auch, wie man mit
einfachen Ideen der Permakultur bestmögliche Resultate erzielt und geht
gerne auf Ihre Fragen ein.

Impressum/Offenlegung gem. § 24f Mediengesetz (BGBl. Nr. 49/2005):
Medieninhaber und Herausgeber ist der Verein Perma-Norikum
(www.perma-norikum.net) mit Sitz in A-4600 Wels, Stadlhof 25
Redaktion: Schriftführer Perma-Norikum Bernhard Gruber
(www.permakultur.biz)
Dieses Medium dient zur Information und gegenseitigen Unterstützung im
Sinne der Permakultur

Bergbauernhof Hoiser: Ökologie und Ökonomie im Einklang

Bergbauernhof Hoiser: Ökologie und Ökonomie im Einklang

Ein Bericht von Beat Rölli, dipl. Biologe und dipl.
Permakultur Designer, Co-Präsident von
Permakultur Schweiz

1996 kauft der junge Frankfurter Bänker Eric Beißwenger in Unterjoch, Allgäu den heruntergekommenen, 8 Hektare grossen Bergbauernhof Hoiser und beginnt diesen nach den Richtlinien des Naturlandbaus und Permakulturprinzipien zu bewirtschaften. Nur 12 Jahre später sind die Gebäude saniert, der Bauer schuldenfrei. Auf dem Hof gedeihen viele alte Tierrassen und 65 Obstbäume. Die Erfolgsgeschichte des Hofes hat dazu geführt, dass der Bauer 2008 eine 40 Hektaren-Alp dazukaufen konnte und viele Bauern in der Region ebenfalls auf Ökolandbau umgestellt haben.
Was ist das Geheimnis des Erfolgs? Nun, Eric Beißwenger lässt die Tiere für sich arbeiten anstatt Maschinen zu kaufen und vermarktet seine Produkte und seinen Hof clever mit Tourismus.

Die Familie Beißwenger haben den Bergbauernhof Hoiser rasant entwickelt. Ab 1997 wurde der Hof ökologisch bewirtschaftet und seit 2000 gehört er dem Naturland-Verband an. Seit 2002 ist es auch ein „Arche-Hof“. Das heißt auf dem Hof leben alte, seltene Haustierrassen und tragen so zum Erhalt der Vielfalt bei. Schon 1985 hat Eric Beißwenger über Permakultur gelesen und wendet Permakultur auf dem Hof in verschiedenen Bereichen an.
Bauer ohne Maschinenpark
Eric Beißwenger hat selbst keinerlei Landwirtschaftsmaschinen. Erstens arbeitet er nicht gern mit Maschinen. Zweitens erspart er sich damit viele Ausgaben, denn Maschinen kaufen und unterhalten sowie die benötigten Einstellhallen kosten viel Geld. Laut Kaspanaze Simma geben im Vorarlberg Bauern im Durchschnitt zu 80% ihrer Bruttoeinnahmen für Maschinen und Gebäude aus. Dies ist ein Hauptgrund, wieso viele Landwirtschaftsbetriebe ohne staatliche Unterstützung nicht existieren können. Vor 80 Jahren lagen diese Kosten bei 15-20% und Landwirtschaft war einträglich auch ohne Staatshilfe. Wenn Eric Beißwenger einen Traktor oder andere große Maschinen braucht, leiht er diese bei Nachbarn oder lässt die Arbeit von Nachbarn machen. Die komplette Heuarbeit, Mist und Gülle ausbringen und Schnee räumen macht ein Nachbar für ihn. Den Nachbar freut’s, weil er einen Zusatzverdienst hat.

Tiere erledigen viel Arbeit für den Bauer – Damhirsche regulieren den Ampfer

Als Eric Beißwenger den Hof übernahm wucherten auf gewissen Parzellen des Hofes der Ampfer massenhaft. Anstatt den Ampfer mechanisch zu bekämpfen, was sehr aufwendig ist, erkundigte sich Eric Beißwenger, welche Tiere diese Pflanzen fressen und wurde mit Damhirschen fündig. Damhirsche lösten nicht nur das Ampfer-Problem, sondern Damhirsche erfordern wenig Arbeit.

Schweine pflügen den Garten und mähen die Wiesen

Sein Garten liegt direkt neben dem Haus an einem leicht abfallenden Südhang. Steinmauern dienen als Wärmespeicher. Dies ist auf 1100 Meter über Meer wichtig. Eric Beißwenger hat seine eigene Methode den Garten zu bestellen. Im Herbst, wenn alles Gemüse geerntet und die Begleitflora reif ist, lässt Beißwenger einige Schwäbisch-Hällische Schweine zwei Wochen in den Garten. Diese Rasse eignet sich nicht nur zum Weiden von Wiesen sondern sie pflügen den Garten und düngen ihn auch. Der Bauer profitiert gleich mehrfach. Die Tiere sind verpflegt. Jäten wird minimiert. Mühsames Umstechen und Schnecken bekämpfen ist nicht notwendig. Kräuter und andere Pflanzen, die erhalten bleiben sollen, schützt er mit einem Zaun. Diese Methode funktioniert auf dem Hoiserhof sehr gut.

Im folgenden Frühling zieht er Setzlinge und pflanzt sie anfangs Mai in den Garten. Gejätet wird sehr wenig, nur so lange, bis das Gemüse einen Vorsprung auf die „Unkräuter“ hat. Die Begleitflora besteht aus Pflanzen die sich selber aussäen: Ringelblumen,  Topinambur,  Beinwell, Tagetes, Kapuzinerkresse uvm.

Haflinger ziehen Pferdekutschen und Schlitten

Die Familie Beißwenger liebt Pferde. So bieten sie ganzjährig Kutsch- und Schlittenfahren mit ihren Haflingern an. Dies bringt 20’000 € Umsatz pro Jahr. Auf dem Hof hat es drei Haflinger, zwei Ponys und drei Pensionspferde.

Hühner heizen das Gewächshaus

Der Hühnerstall ist direkt an das Gewächshaus gebaut, somit heizen die Hühner mit ihrer Abwärme das Gewächshaus. Konkret wird Frost ab März vermieden und das Wachstum der Pflanzen beschleunigt. Das funktioniert gut. Ab März werden im Gewächshaus Setzlinge für den eigenen Garten gezogen.

Naturnahe Bienenhaltung

In den ersten Jahren hielt Eric Beißwenger über 100 Bienenvölker. Dies war eine Möglichkeit in den ersten Jahren Geld zu verdienen. Zurzeit sind es am Hof insgesamt ca.60 Völker. Für die Einwinterung wird Zucker zugefüttert.
Dem Bienenstock entnimmt er nicht nur den Honig, den er in seiner Brotzeitstube verkauft, sondern auch sämtliches Bienenwachs. Dadurch reduziert sich der Befall der gefürchteten Varoa Milbe. Zudem ist Bienenwachs mit Bioqualität für Wachsauflagen sehr gefragt.
Die artenreichen Wiesen tragen zur Gesundheit der Bienenvölker und einem gesunden Naturprodukt bei.

Drohnenmaden als Futter für die Forellen

Der Hoiserhof liegt direkt an der Grenze zu Österreich. Die Fischzuchtanlage ist auf Tiroler Boden, denn dort sind die Auflagen für Fischzucht viel geringer? als im Freistaat Bayern. Ein grosser Teil der Nahrung für die Forellenzucht sind Drohnenmaden aus den eigenen Bienenstöcken. Der Rest der Nahrung ist zugekauftes Fischfutter.

Weitere alte Haustierrassen auf dem Hof

Auf dem Hof werden braune Bergschafe, Schwäbisch-Hällische Schweine und Bayerische Landgänse gezüchtet. Ausserdem gibt es auf dem Hof Bronzeputen Flugenten und Kaninchen. Rund um den Hof stehen Obstbäumen. Sie tragen nicht nur Früchte, sondern schützen die Hühner vor Raubvögeln.

Wie ökonomisch ist der Hoiserhof?

Ferienwohnung und Brotzeitstube gut belegt dank attraktivem Hof
Eric Beißwenger’s Hof hat eine tolle Lage in der touristischen Gegend Unterjoch. Er nutzt dies und die Ressourcen seines Hofes geschickt, um seine Dienstleistungen zu vermarkten. Sein 400 jähriges, im Originalzustand erhaltenes Haus ist sehenswert. Darin hat er drei Ferienwohnungen eingebaut. Diese sind viel besser belegt als bei die durchschnittliche Belegung im Ort und spielen jährlich 40’000€ in die Kasse. Die freundliche und sympathische Art der Familie sowie die vielen alten Tierrassen steigern die Attraktivität und somit die Auslastung der Betten und der Brotzeitstube. Der Umsatz in der Brotzeitstube eine Art Besenbeiz (Gastronmie) mit integrierten Hofladen beläuft sich auf sagenhafte 100’000 € pro Jahr. Hier werden jährlich die verarbeiteten Produkte von 15 Damhirschen, 40 Drei-Zentner Schweinen und 400 Forellen, eine Tonne Honig, drei Tonnen Käse, viel Butter und Milch verkauft. Alle diese Produkte stammen vom eignen Hof respektive der Alp. Brot und Getränke, Kaffee werden zugekauft. Eric Beißwenger beschäftigt Vollzeit eine Angestellte, die sich hauptsächlich um die Brotzeitstube  kümmert.

Nebeneinkommen

Die Einnahmen aus der Landwirtschaft, die nicht über Brotzeitstube vermarktet werden, belaufen sich zusammen mit Hofführungen, Seminaren und Beratungen auf 20’000€. 200 kg Bienenwachs, Ferkel und andere Jungtiere werden als Zuchttiere veräussert. Zudem leben auf dem Hof drei Pensionspferde und über das Internet werden Produkte verkauft. Weiters erhält Bauer Beißwenger staatliche Zuschüsse im Rahmen des Bergbauern- und Kulturlandschaftsprogramms.

Wie ökologisch ist der Hoiserhof?

Ökolandbau hat strenge Auflagen im Bereich von Ökologie. Dazu gehören im Besondern Vorschriften für Nährstoffbilanzen, striktes Verbot für Hybridsaaten und -rassen, restriktive Tierbesatz und vieles mehr. Somit gehört der Hoiserhof auch in diesem Bereich zu den Besten.
Trotzdem wollen wir die beiden Hauptstandbeine des Hofes nämlich Tourismus und Fleischproduktion genauer anschauen, denn weltweit sind beide für riesige ökologische Katastrophen verantwortlich.
Zum Tourismus: Im Falle des Hoiserhofes handelt es sich um sanften Tourismus. Das heißt die Eingriffe in die Natur für den Tourismus sind vergleichsweise klein. Vorhandenes Gebäudevolumen in Ferienwohnungen auszubauen und Schlittenfahrten anbieten sind ökologisch sehr gut vertretbar. Die Ökobilanz bezüglich Tourismus auf dem Hof fällt somit gut aus. Die Ökobilanz der Hofbesucher weniger, denn obwohl die meisten Touristen vorwiegend aus Süddeutschland stammen, legen sie zusammen jährlich abertausenden von Autokilometern zurück, um auf den Hof zu gelangen.
Zu der Fleischproduktion: Die Tiere auf seinem Hof sind glückliche Tiere. Das heißt, sie haben das Glück naturnahe gehalten zu werden. Sie sind viel draußen und können die Nahrung auf Wiesen suchen. Sie haben ausgiebig Bewegung und leben in angemessenen Gruppen. Zudem trägt die Tierhaltung zum Erhalt von seltenen Haustierrassen bei. Dies ist sehr, sehr wichtig und wertvoll für kommende Generationen. (ökologisch Vielfalt, altbewährte angepasste Züchtungen für Extreme, …)
Es ist klar, dass extensive Tierhaltung rentabel betrieben werden kann. Sie liegt im Trend und es gibt Überproduktion. Es ist ebenso klar, dass wir als Gesellschaft zuviel Fleisch essen, was gesundheitlich schädlich ist und viel Land braucht. So wird im Besonderen auch auf Schweizer Biohöfen Soja aus dem Amazonasbecken verfüttert, was ökologisch sehr bedenklich ist. Das Futter für Beißwengers Tiere kommt zu 80% von seinem Hof. Trotzdem wäre es ökologisch wünschenswert, wenn der Hof neben Milch- und Fleischprodukten vermehrt pflanzliche Produkte anbauen und in der Brotzeitstube vermarkten würde.

Was können wir von Erich Beißwenger lernen?

Das Potential des Hofes erkennen und entwickeln. Eric Beißwenger ist gelernter Bänker und ein gewiefter Unternehmer. Er hat das Potential seines Hofes und erkannt und dieses optimal entwickelt. Zudem hat einen sehr vielfältigen Job, der ihm sehr zu gefallen scheint. Er kümmert sich um Tiere, Bienen, Fische. Er bestellt einen großen Garten, macht Führungen und Beratungen, gibt Seminare, ist Gastwirt, Gemeinderat und vieles mehr.
Die größte Wertschöpfung macht Bauer Beißwenger mit Brotgeberei. Besenbeiz mit Hofladen kombinieren ist ein gutes Modell, weil der Umsatz pro Kunde sich somit stark erhöht. Die meisten Kunden der Familien Beißwenger konsumieren nicht nur, sondern sie kaufen auch Produkte zum Mitnehmen ein und einige bestellen später im hofeigenen Onlineshop.
Viele Bauernhöfe in der Schweiz liegen in der Nähe von Dörfern, Städten oder touristischen Gebieten und hätten somit auch die Möglichkeit mit einer cleveren Direktvermarktung gutes Geld zu verdienen.
Es gibt aber auch viele Bergbauern, die leben in einem nicht-touristischen Gebiet und können somit nicht so leicht Produkte und Dienstleistungen direkt verkaufen.
Vermietung von (Ferien)wohnungen lohnt sich im Fall Beißwenger sehr. Viele Bauern dürfen, können oder wollen nicht eine zusätzliche Wohnung bauen. Andere haben das schon längst umgesetzt und erzielen damit ein wertvolles Nebeneinkommen.

Hof als „Gewerbezentrum“ betreiben

Interessant ist, dass Beißwenger Hof nicht einfach ein einzelner Betrieb ist, sondern auf dem Hof werden neben eigentlicher Landwirtschaft verschiedene Gewerbe  namentlich Kutschfahrten, Vermietung, Hofladen, Brotzeistube, Seminare und Vorträge betrieben. Das ist ein hervorragender Ansatz für die wirtschaftliche Entwicklung von ländlichen Gegenden. Wir brauchen viel mehr solche Höfe mit „Gewebezentren“ anstatt diese schrecklichen Industriezonen.

Maschinenpark minimieren und Tiere für uns arbeiten lassen

Konsequente Minimierung von Kosten für Maschinen und Gebäude würden viele Bauern finanziell stark entlasten. Tiere für sich arbeiten lassen lohnt sich, wenn der Einsatz gut gemanagt ist.

Ökolandbau lohnender als konventioneller Landbau

Der Bergbauernhof steht finanziell hervorragend da. 200’000€ Einnahmen pro Jahr sind für einen Bergbauern enorm viel. Das hat auch damit zu tun, dass Erich Beißwenger dank Ökolandbau für seine Produkte einen wesentlich höheren Preis bekommt als Produkte aus dem konventionellen Anbau.
Der Hof zeigt eindrücklich, dass ökologischer Landbau ökologischer und ökonomischer als intensive, konventionelle Landwirtschaft sein kann. Damit empfiehlt sich der ökologische Landbau als bessere Alternative zur verfehlten Industrialisierung der Landwirtschaft. Es ist sehr wertvoll, dass viele BesucherInnen anlässlich von Führungen dies erleben  und begreifen können und somit in der Gesellschaft das Bewusstsein dafür wächst. Auf dem Hof werden Führungen angeboten. Sie beginnen jeweils um 11°° Uhr und dauern ca. 2 Stunden. Das Thema der Führungen ist: „Permakultur in den Alpen und das Wirtschaften mit aussterbenden Haustierarten.“

Ökonomie stützt Ökologie und Soziales

Der Hoiserhof ist schuldenfrei und rentabel. Dies ermöglichte es Bauer Beißwenger 2008 eine Alp zu kaufen. Zudem ist der ehemalige Bänker nicht den Banken ausgeliefert und könnte auch ohne staatliche Zuschüsse überleben. Die gute finanzielle Lage erlaubt es, dass die Familie Beißwenger Angestellten einen fairen Lohn bezahlen kann. Somit nimmt Eric Beißwenger die soziale Verantwortung als Unternehmen wahr. Zudem kann er der Familie einen angenehmen Lebensstandard bieten. Die Famlie Beißwenger kann es sich leisten, einen Archehof mit vielen alten Haustierrassen zu betreiben und ökologische Aufwertungen auf dem Hof zu umzusetzen. Hier rechnet sich der Aufwand nicht direkt. Allerdings tragen diese beiden Aspekte entscheidend zur Attraktivität und somit zum Erfolg der touristischen Vermarktung des Hofes bei. Erfolg inspiriert und findet Nachahmer. 18 von 20 Bauern in Unterjoch betreiben heute Biolandbau. Bevor Beißwenger gab es  einen einzigen Biolandbau-Hof. Der Hoiserhof ist nicht ein isolierter Einzelbetrieb. Im Jahre 2008 bewirtschafteten in Deutschland über 2000 Naturland Betriebe eine Fläche von über 148.000 Hektar.  Dies gibt Anlass zur Hoffnung.

Mehr Infos finden sie unter http://www.hoiser.de, http://www.naturland.de

Ben Law – leben im Wald, von den Überschüssen der Natur

Innovativer Permakulturist geht neue Wege und entwickelt für sich eine nachhaltige Wirtschaftsweise und einen wahrhaft ökologischen Lebensstil
Beat Rölli (dipl. Biologe und dipl. Permakulturdesigner)
berichtet über seinen Besuch in Prickly Nut, England Juli 2009

Der Begriff der Nachhaltigkeit stammt in seinem Ursprung aus der Forstwirtschaft, es wurde nie mehr Holz entnommen als nachwachsen konnte. So ist der Wald ein wunderbares System welches in vielen Kulturen als Vorbild für einen Lebensstil diente. Der Wald in sich produziert mehr als er selbst verbrauchen kann, obwohl er kein exponentielles Wachstum kennt und sich einem Klimax annähert.

Das Haus von Ben Law
Das Haus von Ben Law

Der ehemalige Schafhirte und Entwicklungshelfer Ben Law kaufte 1992 ein kleines Stück Wald im englischen West Sussex, wo er lebt und woraus er auch seinen und den Lebensunterhalt seiner Familie bestreitet. Diese scheinbare Utopie in einem Land, in welchem zur gleichen Zeit Grossbauern trotz Eu-Förderungen um ihre Existenz kämpfen. Doch 17 Jahre später hat Ben Law nicht nur seinen kühn anmutenden Traum, von einem ehrlichen, nachhaltigen Lebensstil verwirklicht, er hat sich auch wirtschaftlich etabliert und kann als Alleinverdiener seine Familie ernähren. So wurde Ben in den vergangenen Jahren bekannt, als eine herausragende Persönlichkeit in einer wachsenden Bewegung, welche wie er im Wald leben und die reichlichen Überschüsse der Natur konsumieren. Durch sein beachtenswertes Ökohaus und die von ihm verfassten Bücher, wurde er auch weit über die Grenzen von England hinaus bekannt. Dieser erste von zwei Artikeln soll einenen Überblick über sein Tun und Wirken im Wald von Lodworth, im englischen West Sussex geben.

Wie alles begann

1992 erwirbt Ben Law, ein ehemaliger Schafhirte und Entwicklungshelfer für 12’000 Pfund 3.2 ha Wald im Dorf Lodsworth im Englischen West Sussex, südlich von London. Da Ben Law über wenig Geld verfügt, zahlt er den Wald in Arbeitsleistung ab. Während der ersten 11 Jahre lebt Ben Law in einem Wohnwagen und unter einem Zeltdach, wo er unter den einfachsten Bedingungen lebt, arbeitet, kocht und schläft. Als Woodman (Waldmann) belebt Ben die uralte englische Tradition der Niederwald-Bewirtschaftung und verknüpft diese mit Permakultur Knowhow. Erst um 2001 erhält er eine Baubewilligung für ein Haus im Wald, was auch in England sehr schwierig und aussergewöhnlich ist. Das entscheidende Argument ist die Tatsache, dass er Holzkohle produziert und ein Köhler zur Holzkohleproduktion vor Ort leben muss.

Niederwald, eine uralte Waldwirtschaftsform mit Zukunft

1980 waren in England noch knapp 20’000 Hektaren Edelkastanien-Niederwald ausgewiesen. Dies zeigt, dass in England Niederwald noch im 20. Jahrhundert verbreitet war. Die von Ben Law bewirtschafteten Waldparzellen sind zu einem grossen Teil Niederwald, welcher vor über hundertfünfzig Jahren angelegt und seit dem zweiten Weltkrieg nicht mehr bewirtschaftet wurde. Durch den starken Bewuchs mit Rhododendron viel in den ersten Jahren viel „minderwertiges“ Holz an, dieses verarbeitet Ben zu Holzkohle. Köhlern ist zwar schmutzige Arbeit, doch können so Abfall- oder Brennholz veredelt und für gutes Geld verkauft werden. Die Holzkohleproduktion war in den ersten Jahren ein wichtiger Teil seines Einkommens.

Zur Zeit bewirtschaftet Ben Law gut 40 ha Wald, nicht weil er soviel Wald zum Leben brauchen würde, sondern weil es ihm ein Anliegen ist, den Niederwald in seiner Gegend aufzuwerten, da er seit Generationen nicht mehr fachmännisch unterhalten wurde. Diese vernachlässigten Niederwaldflächen will er kommenden Generationen als wertvollen Niederwald hinterlassen.

Der Niederwald hat im Vergleich zum Hochwald viele Vorteile:

Beim Niederwald werdenschnell wachsende Sträucher oder Bäume auf den Stock gesetzt. Stämme werden knapp über der Erde abgesägt, das grosse, noch vorhandene Wurzelwerk erlaubt ein starkes Wachstum der neuen Stockausschläge, die schnell zu langen geraden Trieben und Stämmen heranwachsen. Pflanzt man im Hochwald eine kleine Fichte, muss diese das ganze Wurzelwerk entwickeln. Das braucht Energie und Zeit. Deshalb ist die Primärproduktion im Niederwald mit schnell wachsenden Bäumen und Sträuchern wesentlich höher als im Fichten-Hochwald. So verfügt der Niederwald von Ben Law vor allem über Edelkastanie, Haselnuss und Eschen.

Ein Niederwald kann grösstenteils mit Handarbeit bewirtschaftet werden. So kommen auch die meisten Woodmen in England ohne teure Geräte aus. Auch Ben Law arbeitet wenn möglich mit Hand-Werkzeugen. So vermindert er den fürchterlichen Lärm im Wald beträchtlich, was einen grössern Gewinn für Waldarbeiter und Natur darstellt.

Aus dem Niederwald kann bereits nach 5, 6, 7 Jahren Holz für wertvolle Produkte entnommen werden. Beim Hochwald dauert es 50 und mehr Jahre bis ein gesetzter Baum gross und wertvoll ist. Der wertvollste Baum bei Ben Law ist die Edelkastanie, die er auf den Stock setzt. Der Edelkastanien-Niederwald wurde vor 150 Jahren für die Stangen-Produktion, die vor allem für den Hopfenanbau verwendet wurden, angelegt. Edelkastanie entpuppt sich als der ideale Baum für die Niederwaldbewirtschaftung. Da Edelkastanie wie Eiche viel Tannin enthält, zersetzt sich der Witterung ausgesetztes Edelkastanienholz viel langsamer als Fichtenholz. Gefälltes Edelkastanienholz kann über Jahre im Wald gelagert werden, ohne dass es abgedeckt wird. Zu dem enthält es wenig Splintholz mit tiefem Tanningehalt und viel Kernholz mit hohem Tanningehalt. Deshalb können dünne Edelkastanienstämme ohne chemische Behandlung als dauerhafte Pfosten oder Zäune dienen. Edelkastanien wachsen schnell und bei dichtem Bewuchs sind die Stämme erstaunlich gerade. Niederwald-Edelkastanien in Südengland können heutzutage bereits nach dem fünften Jahr (Klimaerwärmung lässt grüssen) oder traditionell nach dem siebten Jahr geerntet, das heisst wieder auf den Stock gesetzt werden. Ein Vorteil der Edelkastanien gegenüber andern Niederwaldpflanzen wie Hasel ist, dass man Niederwald-Edelkastanien auch 10, 20 oder mehr Jahre im Wald stehen lassen und jederzeit eine wertvolle Ernte einfahren kann. Im Verlaufe der Jahre reduzieren sich bei jedem Stock die Anzahl Stämme und ebenfalls die Stöcke, bis nur noch einzelne Edelkastanienbäume im Wald stehen. Ben Law’s Niederwald-Kastanien produzieren kaum Früchte, diese produziert er auf veredelten Kastanienbäumen.

Ökologische Artenvielfalt im Niederwald

Waldwirtschaft von Ben Law
Waldwirtschaft von Ben Law

Um ökonomisch arbeiten zu können, dominieren meist eine oder zwei Arten den Baumbestand eines Niederwalds. Niederwald kann aber auch grosse Bäume enthalten und somit mit einem sehr lockeren Hochwald kombiniert werden. Ben Law legt kleinflächige Parzellen (maximal 0.5ha) an und rodet diese. Roden als auch Monokultur-ähnliche Bestände hören sich nicht ökologisch an, aber Ben Law’s Wald als Gesamtes enthält eine grosse Artenvielfalt und auch seine einzelnen Niederwaldparzellen erweisen sich als erstaunlich artenreich. Allerdings muss man genau hinschauen, da die Hauptarten in den Kulturen sehr dominant sind. Nach der Rodung gedeihen sehr viele Krautpflanzen, was vielen verschiedenen Schmetterlingsarten einen Lebensraum bietet. In seinem Niederwald wurde sogar eine sehr seltene Orchidee gesichtet, die sich nach der Rodung vermehren konnte. Um die 50 Vogelarten brüten in seinem Wald. Der Niederwald wirkte sich auch sehr positiv auf die Moos- und Farnvielfalt aus, so gibt es auf seinen Parzellen ein Forschungsprojekt der Universität.

Angepasste Technologie, Transport vermeiden

Ben Law bewirtschaftet seinen Wald nach ökologischen aber auch ökonomischen Kriterien. Je nach Bedarf fällt er die entsprechenden Stämme. Sei es für Pfähle, Wildholzmöbel, Bretter oder gar als Rundholz-Balken für Häuser. Um Transportwege zu ersparen, wird das Holz möglichst vor Ort verarbeitet, zum Beispiel zu Pfählen oder Brettern. Dank seines mobilen Sägewerks, kann er vor Ort selber Balken und Bretter sägen. Das Gerät leiht er auch aus. Ein Teil des Abfallholzes der Verarbeitung trocknet er an Ort und Stelle. Einiges wird dort zu Holzkohle verarbeitet. Dazu verwendet er einen Köhlerofen, mit dem man in einem Tag Holzkohle herstellen kann. Auch hier wird der Transport minimiert, indem die Einrichtung zum Holz gebracht wird und nicht umgekehrt. Somit muss er nur noch das leichte Endprodukt Holzkohle abtransportieren. Ben hat eine Reihe von Gerätschaften, um schweres Holz manuell zu bewegen: Winden, aber auch das Hebe- und Fahrgerät „the mule“ (zu deutsch der Maulesel) erlauben ihm, erstaunlich schwere Stämme manuell zu transportieren.

Sein Projekt ist autark, resilient und nachhaltig

Die Arbeit im Niederwald hat Ben Law reich beschenkt. Seine tiefe Verbundenheit mit der Natur ist zu spüren und ich bestaune sein Wissen und sein vielfältiges, handwerkliches Können. Offensichtlich ist hier ein bescheidener Mensch mit Begabung und Fleiss am Werk. Sein Lebens- und Arbeitsort bietet eine überaus hohe Lebensqualität. Bei der Bewirtschaftung achtet Ben Law auf Ökologie und Ökonomie gleichermassen.

Sein Projekt ist in einem hohen Grad autark:

• Gemüse, Beeren und Obst wachsen im Garten, Wildfrüchte, Pilze und viele weitere Nahrungsmittel in seinem Wald.
• Er ist nicht ans Stromnetz angeschlossen. Der grösste Teil seiner Energie wird im Wald produziert: Brennholz, Sonnenkollektoren, Photovoltaik und ein Windrad. Benzin für Fahrzeuge und Maschinen machen hier die Ausnahme.
• Er besitzt Wald, hat ein eignes Haus, eine Werkstatt, eine eigene Quelle. eigentlich alles , was man zum Leben braucht.

Sein Projekt ist resilient:

Resilient bedeutet, dass ein System Rückschläge in mehreren Bereichen verkraftet kann, ohne dass als es Gesamtes in die Krise kommt. Dies ist in unserer Zeit mit ihren grossen Ungewissheiten entscheidend. Ben Law scheint gegen die Gefahren des 21. Jahrhunderts bestens gewappnet:
• Da er nur wenig Fremdenergie braucht, kann Peak oil – die sich abzeichnende Erdölknappheit – ihn nicht ruinieren.
• Da er kaum verschuldet ist, braucht er kein Wachstum um seine Schulden zurück zu bezahlen.
• Da er viele verschiedene und grundlegende Dinge für den Alltag lokal produziert, scheint er für die Wirtschaftskrise bestens gewappnet.
• Stürme, starke Regenfälle oder andere Naturkatastrophen können kaum zu einem Totalschaden in seinem Niederwald führen.
• Da er über sehr viele Fertigkeiten und Fähigkeiten verfügt, kann er verschiedenste Arbeiten und Aufgaben übernehmen.

Sein Projekt ist nachhaltig:
Nachhaltig im engeren Sinne bedeutet, dass die gegenwärtige Generation ihre Bedürfnisse befriedigt, ohne die Fähigkeit der zukünftigen Generation zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen zu können. Zur Nachhaltigkeit gehören insbesondere drei
Aspekte. Ökologie, Ökonomie und Soziales.

Sein Projekt ist ökologisch:
Sein Wald weist eine grosse Biodiversität auf. Die Bodenfruchtbarkeit wird langfristig erhalten. Es wachsen mehr Ressourcen nach als er braucht. Er benutzt kaum Gifte.

Es ist sozial:

Ben Law ist Mitbegründer des FSC-Siegels. Seit 2000 arbeiten und lernen mit Ben Law jeweils für ein Jahr zwei junge Leute als Praktikanten. Er unterstützt viele Woodmen and Woodwomen mit Rat und setzt sich für ihre Interessen ein. Seit vielen Jahren gab es in Lodsworth keinen Dorfladen mehr. Da Dorfläden ein entscheidendes Element der Relokalisierung der Wirtschaft und somit der nachhaltigen Entwicklung sind, schlug Ben der Dorfgemeinschaft vor einen Dorfladen aus Rundholz zu bauen. Im Sommer 2009 setzt Ben Law mit Freiwilligen und Dorfbewohnern dieses Projekt um.

Es ist wirtschaftlich:
Das Dorfladenprojekt zeigt, wie grosszügig Ben Law ist und wie gut es ihm wirtschaftlich geht. Er schenkt dem Dorf das Bauholz und arbeitet als Bauleiter mehrere Monate gratis. Die Aufbauphase einer solchen Existenz und Lebensweise dauert seine Zeit. Ben Law sagt, dass er vor 10 Jahren dieses Geschenk dem Dorf noch nicht hätte machen können. Die Arbeit im Wald, wie sie Ben Law macht, ist physisch anstrengend und der Stundenlohn für viele Arbeiten bescheiden, dennoch ernährt er als Alleinverdiener eine Familie mit drei kleinen Kindern.
• In seinem Wald hat er schnell nachwachsenden Rohstoff für die verschiedensten Produkte wie Balken, Bretter, Wildholzmöbel, Pilzzucht oder Rundholzbauten. In den letzten Jahren war er als Baumeister für Rundholzbauten sehr gefragt und beschäftigt.
• Seine Kurse und Besuchertage sind sehr beliebt. Seine Bücher verkaufen sich gut. Somit hat Ben Law viele Einkommensquellen und verschiedenste Möglichkeiten, Geld zu verdienen.
• Seine Lebenskosten sind tief, denn Ben Law hat sein Haus für nur 28’000£ gebaut und hält so die Verschuldung minimal.
• Selbst seine Pension entnimmt er dem Wald. Seit einiger Zeit hebt er besonders wertvolle Stämme auf und trocknet sie langsam. Er will sie später als „Pensionierter“ verarbeiten oder verkaufen.

Ben Law inspiriert
Ben Law hat Ende der 90 Jahre das vielfältige Handwerk der Niederwaldbewirtschaftung von Bill Hogarth, einem der damals letzten woodmen in England gelernt. Zur Zeit ist er selber der bekannteste und herausragendste Woodman in ganz England. Er hat diese uralte und sinnvolle Wirtschaftsform unserer Zeit angepasst und gibt sein Wissen grosszügig weiter. Seit 10 Jahren kommen junge Menschen in seinen Wald und arbeiten mit ihm mindestens 4 Monate, oder auch ein ganzes Jahr. So lernen sie das vielfältigen Handwerk von Waldwirtschaft und Holzverarbeitung. Ben hofft natürlich, dass sie anschliessend selbst diese ökologische, permakulturmässige Waldwirtschaftsmethode anwenden und weiter entwickeln. Ben macht Führungen und gibt wenige, spezialisierte Kurse. Dass sein Know how begehrt ist, zeigt die Tatsache, dass die zwei kommenden Besuchertage bereits ausgebucht sind. In seinen informativen und inspirierenden Büchern „The Woodland Way“ und „The Woodland Year“beschreibt Ben ausführlich seine Bewirtschaftungsmethoden. Ich schätze die Bücher sehr, weil er über sein erprobtes Wissen schreibt.

Weitere Infos unter www.ben-law.co.uk

Download Bericht „Ben Law – Leben im Wald“, von Beat Rölli
Download Bericht „Ben Lawś Rundholzbau“, von Beat Rölli