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Buchtip: Die Bienenkiste

Die Bienenkiste – Selbst Honigbienen halten – einfach und natürlich

Die Bienenkiste Selbst Honigbienen halten- einfach und natürlich von Erhard Maria Klein ISBN: 978-3-89566-309-3
Die Bienenkiste
Selbst Honigbienen halten-
einfach und natürlich
von Erhard Maria Klein
ISBN: 978-3-89566-309-3

Viele Garten- und Naturfreunde, die heute gerne Bienen halten würden, scheuen den Aufwand, um auf die herkömmliche Art Imker zu werden. Die Bienenkiste macht das Imkern einfacher und ist besonders für Anfänger und die Bienenhaltung im eigenen Garten geeignet.

Imker Erhard Maria Klein stellt dieses neue Konzept der artgerechten Bienenhaltung vor und informiert über die Lebensweise der Honigbienen. Mit den detaillierten Anleitungen und Materialempfehlungen im Buch gelingt der Bau der Bienenkiste ganz leicht.

Fachkundiger Rat und erprobte Praxistipps helfen bei der Wahl des passenden Standortes, beim Einlogieren und Betreuen des Bienenschwarms ebenso wie bei der Honigernte, der Bekämpfung der Varroamilbe und dem Überwintern des Bienenvolks.

Das Buch verhilft Naturfreunden, faszinierende Einblicke in die Welt der Honigbienen zu gewinnen. Die zeitgemäße Art des Imkerns macht es möglich, dass es im Garten und auf der Obstwiese, aber auch in der Stadt auf Balkon und Terrasse oder in Außenanlagen von Schulen und Firmen munter summt–zum Wohle der Menschen und der Natur.

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Fragmentiertes Zweigholz zur Förderung der biologischen Vielfalt

Fragmentiertes Zweigholz zur Förderung der biologischen Vielfalt
Ein Bericht von Angelika Gasparin-Bammer aus Gmunden / Oberösterreich

Eine visuelle Bodenprobe wird gemacht
Eine visuelle Bodenprobe wird gemacht

Allein die Lebendigkeit des Bodens beeinflusst die Fruchtbarkeit: Fragmentiertes Zweigholz (bois raméaI fragmenté) bietet hierzu einen entscheidenden Schlüssel. Seit Jahren sieht sich die Menschheit trotz massiven Einsatzes mineralischer Dünger mit einer Stagnation und sogar mit einem Rückgang der Erträge in der Landwirtschaft konfrontiert. Virus- und Pilzerkrankungen der Pflanzen sind im Zunehmen begriffen.

Die biologische Vielfalt nimmt stark ab, wohingegen die Verödung und Verwüstung ganzer Landstriche in vielen Ländern zu beobachten sind. Professor Gilles Lemieux von der Universität Laval, Québec, Kanada und sein Forschungsteam beschäftigen sich seit den 80er Jahren mit einer von forst- und landwirtschaftlichen Böden. Es handelt sich dabei um so genanntes Fragmentiertes Zweigholz (FZH). Zweige mit einem maximalen Durchmesser von 7 cm – in den meisten Ländern ein Abfallprodukt in der Forstwirtschaft – werden zu Spänen von 2 – 10 mm Dicke und bis zu 10 cm Länge zerkleinert. Wichtig hierbei ist, dass mindestens 80% der Zweige Laubholz sind, da die Harze und Terpenen der Nadelhölzer eine starke Bakterizidenwirkung ausüben.

Permakultur Landschaft mit Hecken eingefasste Schafweide
Permakultur Landschaft mit Hecken eingefasste Schafweide

Die ersten Versuche wurden in minderwertigen Forsten durchgeführt, um wieder funktionierende Ökosysteme auf zu bauen. Dabei wurden je Hektar zwischen 150 und 300 m³ FZH von gut entwickelten forstlichen Ökosystemen auf ärmere Böden in Form eines ‚sheet mulching’ aufgebracht. Nach drei bis fünf Jahren konnten erstaunliche Ergebnisse beobachtet werden: Die Ansiedlung von Forstpflanzen wurde so auf natürlichem Weg gefördert, die mikrobiologische Aktivität im Humus nahm stark zu und aus einer degradierten Umgebung bildete sich wieder ein intaktes Ökosystem. Nun stellt sich dem Forschungsteam die Frage, ob diese Anwendung der Fruchtbarmachung nicht auch auf landwirtschaftlich genutzte Böden übertragbar wäre. Wie Versuche nicht nur in Kanada, sondern auch in der Ukraine, auf den Antillen und in Afrika zeigten, kam es zu einer enormen Ertragssteigerung. Hierbei wurden pro Hektar zwischen 150 bis 200 m³ FZH mit den oberen 5 cm des Bodens gemischt, jedoch nicht eingepflügt, da dies zu unerwünschten anaeroben Prozessen geführt hätte.

Wie die Versuche zeigten, kam es zu einer verbesserten Wasserverfügbarkeit für die Pflanzen, einer Zunahme der Biodiversität und der Produktivität, sowie einer erhöhten Fruchtbarkeit des Bodens durch eine Vermehrung der organischen Substanz. Außerdem stellt sich ein pH-Wert von 7 ein. Wie lassen sich nun diese positiven Ergebnisse erklären? Der Grundprozess des Humusaufbaus, der laut Lemieux in Wirklichkeit die Mineralisierung und Fruchtbarkeit steuert. und die Freisetzung der in den FZH zahlreich vorkommenden Nährstoffen (Zuckerarten, Zellulosen, Vitamine, Proteine, Enzyme, Lignine etc.) gehen von Basidiomyceten (Weißfäule-Pilzen) aus, welche Lignin entpolymerisieren, Pflanzensymbiosen eingehen und den Bakterien, die im Bodenleben eine wichtige Rolle spielen, nützlich werden. Mit seinen Untersuchungsreihen möchte das Forschungsteam anregen, das in vielen Ländern ungenutzte Zweigholz für eine ,grüne Revolution’, wie Lemieux es ausdrückt, nutzbringend zu verwenden und damit ausgelaugte Böden wieder zu beleben. Ein Aspekt, der hierbei immer wieder angesprochen wird, ist das vernetzte Denken von Land- und Forstwirtschaft.

Interessant ist die These, die Lemieux aus seinen Forschungsergebnissen formuliert. Davon ausgehend, dass jeder landwirtschaftliche Boden aus Wäldern hervor gegangen ist, lässt sich eine Verbindung zwischen der Bestandsqualität und der biologischen Qualität des Humus vermuten. (…) Kennen wir die chemische Zusammensetzung der Bestandteile des Bodens und die Verbindung zwischen der Verfügbarkeit dieser Bestandteile und der Bedürfnisse der Pflanzen für ein maximales Wachstum, so sind uns jedoch die regulativen Mechanismen weitgehend unbekannt. Es lässt sich nicht bestreiten, dass die Chemische Industrie viel zu einer Sicherung der Lebensmittelversorgung beigetragen hat, dafür aber im Gegenzug bewirkt hat, dass kaum über die Mechanismen und Zusammenhänge für ein biologisches Gleichgewicht geforscht wird. Wie wird es nun möglich, bessere Qualität und höhere Qualität zu produzieren, ohne eine entsprechende Zufuhr von Stickstoff, Phosphor und Kali? Wir sind zu der Ansicht gelangt, dass FZH einen entscheidenden Beitrag zum Aufbau der Humusschicht leistet und daher nicht mit einer Zufuhr chemischer Mineraldünger vergleichbar ist. Das heißt, dass FZH dem Boden alle notwendigen Materialien, um die bioiogische Entwicklung des Bodens pédogénèse) anzukurbeln, zuführen kann, mit anderen Worten die biologische Gesundung des Bodens fördert. Sofort nach Eintrag des Holzmaterials verändern sich die Bodenbedingungen, vorausgesetzt, dass die PiIze die Entpolymerisierung des Lignin aktiv betreiben.

Konkretes Beispiel aus der Ukraine

In der Land- aber auch in der Forstwirtschaft wurde bisher das Hauptaugenmerk auf die Mineralisierung gerichtet. Dem Prozess des Humusaufbaus, der die Mineralisierung und die Fruchtbarkeit des Bodens reguliert, wurde kaum Beachtung geschenkt. Ein konkretes Projekt (1997-1998) in Boyarska, Ukraine, wo ein Klima herrscht, das dem österreichischen nicht unähnlich ist, brachte interessante Ergebnisse. Häckselgut soll nur aus Zweigen mit  einem Höchstdurchmesser von 7 cm gewonnen werden. Laubholz eignet sich auf Grund seiner Inhaltstoffe am Besten, höchstens 20% Nadelholz. Die Zweige sollten am Besten ohne Blätter, d. h. im Winter gesammelt werden. Das Fragmentierte Zweigholz wird nur in die obersten 5 cm des Bodens eingearbeitet. Menge: 150 bis 200 m³ Fragmentiertes Zweigholz pro Hektar. Die besten Ergebnisse werden erzielt, wenn noch zusätzlich pro m² zum FZH ein paar Gramm guter Walderde beigemengt wird, da sie eine Vielzahl an Mikroorganismen etc. enthält. Vor allem ab dem 2. Jahr zeigen sich merkliche Verbesserungen der Bodengüte welche bei einer einmaligen Gabe bis zu 5 Jahre anhält.

Beschreibung des Versuchsprojektes

Im März 1997 wurde ein erstes Versuchsfeld angelegt, in dem FZH aus Laubholz (Ahorn, Robinie, Eiche), das kaum Laubreste enthielt, in die oberste Bodenschicht eingearbeitet wurde. Im September wurde ein zweites Versuchsfeld mit FZH mit Laubresten angelegt. Als Kontrollfeld gab es zusätzlich einen Bereich ohne FZH. Die Ergebnisse wurden anhand der Versuchspflanze Roggen bewertet, die auf den Versuchsfeldern wuchs.

Ergebnisse

Die Ernte des Roggens im Versuchsfeld 1 war um 45% höher als die des Kontrollfeldes; das Versuchsfeld 2 lieferte etwas geringere Erträge, was auf die späte Ausbringung des FZH zurückzuführen ist. Was die Fruchtbarkeit des Bodens (Humusschicht, organische Stoffe, verfügbarer Stickstoff, Phosphor, Calcium. Magnesium etc.) anbelangt, stieg diese in den zwei Versuchsfeldern stark an, ebenso die Biodiversität. Erste „Siedler“ in FZH behandelten Böden  sind nachweislich Basidiomyceten (Weißfäule-Pilze), welche in kürzester Zeit Enzyme zur Entpolymerisierung von Lignin produzieren können, d. h., sie nehmen unverzüglich die Nährstoffe des FZH auf, dienen den Bodenlebewesen in der Folge als Nährstoffquelle und leiten als eine Art Boden-Pipeline Nährstoffe wie Phosphor und vor allem Wasser weiter. Daher ergibt sich die bessere Wasserverfügbarkeit für Pflanzen. Lemieux weist darauf hin, dass – im Gegensatz zur Kompostierung, wo Bakterien eine wichtige Rolle spielen – diese Pilze bei der Nährstoffaufschließung des FZH die wichtigste Rolle spielen. Analysen zeigten vor allem im ersten Versuchsfeld Verbesserungen yon Qualitätsindikatoren(Tausend-Korngewicht, Samenanlage, Proteingehalt). Doch wurde der Zunahme der Artenvielfalt als wichtigster Faktor für eine Bodenverbesserung große Beachtung geschenkt. Hier konnte im ersten Jahr vordergründig eine Zunahme von verschiedenen  Pilzarten beobachtet werden.

Verbindung von  Land- und Forstwirtschaft

Was ist nun so interessant an Lemieux‘ Arbeit? „Die FZH-Technologie ist ein effizienter Weg, Haupteigenschaften der Ökologie des Waldes in landwirtschaftliche Böden einzubringen,. um eine nachhaltige Wirkung auf die Stabilität des Bodens. Nährstoffverfügbarkeit und eine positive Beeinflussung auf Bodenlebewesen auf biologischem Weg zu erreichen. Es sollte ein ökonomisches und soziales Anliegen aller sein, eine geringe Bodenfruchtbarkeit nicht für gegeben anzusehen, sondern eine bessere Qualität zu fördern. Anstatt alle ‚biologischen Feinde’ zu bekämpfen, sollte die Menschheit ein harmonisches Zusammenleben anstreben.“

Literatur:
Gilles Lemieux: A new forested technology for agricultural purposes; The RCW Technology. 1998.
Anatolij Chervonyi: Researchproject  on RCW Technology an Rye (Secale cereale). 1999.
Gilles Lemieux: Les Germeseconomiques et scientifiques de la Revolution verte au Sahel. 1996.
Caron, Celine: Ramial Chipped Wood: A basic tool for Regenerating Soils. 1994.

Saatgut: Umsetzung der EU-Erhaltungssortenrichtlinie privatisiert freie Sorten

Saatgut:  Umsetzung der EU-Erhaltungssortenrichtlinie privatisiert freie Sorten

Ein Bericht von Florian Walter, Bergbauer in Pöls und Erhalter zahlreicher Sorten

Saatguttauschmärkte könnten bald der Vergangenheit angehören, die Jagd auf exklusive Rechte von attraktiven Erhaltungssorten hat begonnen
Saatguttauschmärkte könnten bald der Vergangenheit angehören, die Jagd auf exklusive Rechte von attraktiven Erhaltungssorten hat begonnen

Kommt die Umsetzung der „Erhaltungssortenrichtlinie“ so wie sie das Österreichische „Lebensministerium“ bereits verordnet hat, droht ein Kahlschlag im Sortenhandbuch der Arche Noah! Auch Saatguttauschmärkte könnten bald der Vergangenheit angehören. Die Jagd auf exklusive Rechte von attraktiven Erhaltungssorten hat schon begonnen! Bereits seit Jänner 2010 können Sorten in einem beschleunigten und vereinfachten Zulassungsverfahren als Erhaltungssorten, bzw. als Amateursorten zur Anmeldung gebracht werden. Das wurde bei einer offiziellen Infoveranstaltung des Ministeriums vorletzte Woche bekannt gegeben, die ich besucht habe. Es sind bereits 70 Sorten im Zulassungsverfahren, darunter so bekannte wie „Green Zebra“, „Gelbe Dattelweintomate“ und „Roter Augsburger“!

Im Juni 2008 hat die EU-Kommission die Richtlinie 2008/62/EG erlassen. Sie regelt die Zulassung von Landsorten und seltenen Sorten, die von genetischer Erosion bedroht sind und bis jetzt noch nicht registriert waren sowie das „Inverkehrbringen“ dieser Sorten. Bei einer Informationsveranstaltung des Lebensministeriums wurden nun die Durchführungsbestimmungen für Österreich vorgestellt. Die anwesenden ErhalterInnen von seltenen und bedrohten Sorten reagierten entsetzt: „Unsere schlimmsten Befürchtungen wurden übertroffen“, so Florian Walter, Bergbauer in Pöls und Erhalter zahlreicher Sorten. „Dies ist das Aus für die so beliebten Pflanzentauschmärkte! Das mühsam aufgebaute Netzwerk von ErhalterInnen in Österreich wird mit diesen Regelungen in Frage gestellt.“

70 Sorten sind bereits im Zulassungsverfahren, darunter so bekannte wie "Green Zebra", "Gelbe Dattelweintomate" und "Roter Augsburger"
70 Sorten sind bereits im Zulassungsverfahren, darunter so bekannte wie "Green Zebra", "Gelbe Dattelweintomate" und "Roter Augsburger"

Bisher waren Erhaltungssorten freie Sorten, die genutzt, vermehrt und weitergegeben werden durften. Nach Inkrafttreten der Umsetzungsbestimmungen können diese Sorten in einem – im Vergleich zum regulären Zulassungsverfahren – vereinfachten und billigeren Verfahren zugelassen werden. Bis jetzt gab es diese Möglichkeit nicht. Sobald jedoch eine Sorte als Erhaltungssorte zugelassen ist, darf sie nur mehr von den jeweiligen Zulassungsinhabern vermehrt und verkauft werden. Die Sorte, die bisher allen frei zu Verfügung stand, wird somit privatisiert.

Genau dieser Punkt löst Empörung auf Seiten der ErhalterInnen aus. „Diese traditionellen und seltenen Sorten werden seit Jahren von zahlreichen Bauern und Bäuerinnen sowie GärtnerInnen vermehrt, betreut und züchterisch verbessert. Nun sollen wir sie nicht mehr verkaufen, ja nicht einmal mehr tauschen dürfen! Für uns ErhalterInnen bedeutet das ein ständiges Leben in Ungewissheit, ob nicht morgen auch die geschätzte und gehütete Lieblingssorte privatisiert ist und nicht mehr weitergegeben werden darf. Wer wird sich dann noch die Mühe machen Sorten zu erhalten und weiter zu entwickeln?“ so Walter entrüstet. Derzeit befinden sich in Österreich fast 70 Gemüsesorten im Zulassungsverfahren, darunter so bekannte und beliebte Sorten wie die Tomaten „Green Zebra“ und „Auriga“ oder der Paprika „Roter Augsburger“. EU-weit sind bereits 100 Sorten zugelassen. Sobald ein EU-Mitgliedsland eine Region als „Ursprungsregion“ einer gewissen Sorte anerkennt, darf diese nur mehr in dieser Region angebaut werden. Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Mitgliedsstaaten sind damit vorprogrammiert. Zusätzlich gelten strenge Mengenbeschränkungen.

„Die EU-Kommission hat vorgegeben, durch die Erhaltungssortenrichtlinie die Bewahrung und Weiterentwicklung von traditionellen und seltenen Sorten erleichtern zu wollen. Das Gegenteil ist der Fall! Die Richtlinie und insbesondere auch ihre Umsetzung in Österreich machen die Arbeit der ErhalterInnen zunichte. Im Internationalen UN-Vertrag über Pflanzengenetische Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft (ITPGR-FA) ist das bäuerliche Recht, Samen aus eigener Ernte zu gewinnen, zu tauschen und zu vermarkten, festgeschrieben. Dieser Vertrag wurde von der EU und allen Mitgliedsstaaten unterzeichnet. Durch die Erhaltungssortenrichtlinie wird dieses Recht verletzt. „Die Umsetzung der Saatgutrichtlinie legalisiert die Biopiraterie: Pflanzensorten, die über Jahrhunderte von unzähligen Generationen von Bäuerinnen und Bauern gezüchtet wurden, sollen nun zum Eigentum einzelner Zulassungsinhaber werden. Seltene Sorten, die zynisch als „Liebhabersorte ohne ökonomischen Nutzen“ bezeichnet werden, sind durch das teure Zulassungsverfahren und die restriktiven Anbaubestimmungen vom Aussterben bedroht.

Die Erhaltungssortenrichtlinie ist ein EU-Gesetz und wird wie folgt in Österreich umgesetzt werden:

In Zukunft ist der Handel und das Tauschen von Saatgut verboten. Reproduktion ist nur noch für privaten gebrau erlaubt.
In Zukunft ist der Handel und das Tauschen von Saatgut verboten. Reproduktion ist nur noch für privaten Gebrauch erlaubt.

Zusätzlich zum regulären Zulassungsverfahren (Kosten € 2943.-) gibt es jetzt die Zulassung als Erhaltungssorte (Kosten € 243.-). EU weit sind derzeit bereits 100 Sorten zugelassen, in Österreich sind fast 70 Gemüsesorten im Zulassungsverfahren. Die Sorte kann als Erhaltungssorte, eine traditionelle Sorte, bei strikter Anbaubeschränkung auf eine Region oder als Liebhabersorte bei Neuzüchtung, Abgabe nur Kleinstpackungen, zugelassen werden, jedoch niemals aber als Beides. Im Zweifel hat der schnellere die Zulassung. Wenn die Ursprungsregion einer Sorte in mehreren Ländern liegt, müssen sich „die betroffenen Länder bemühen in einem bilateralen Prozeß Einvernehmen herzustellen. Arche Noah und die Firma Reinsaat haben bereits einige Sorten aus dem Sortenhandbuch ins Zulassungsverfahren gebracht, so zum Beispiel die bekannten Sorten: Roter Augsburger, Auriga, Gelbe Dattelwein, Black Plum, sowie berühmte Sorte Green Zebra, die der Züchter eigentlich der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt hat. Ist eine Sorte zugelassen, gelten die Regeln für Nachbausaatgut!

In Österreich gibt es laut Ministerium noch keine Nachbaugebühren, aber ein Inverkehrbringen von Saatgut ist verboten. Als „Inverkehrbringen“ gilt der Verkauf, aber auch das „Anbieten von Nachbausaatgut“, das „Vorrätighalten zum Verkauf“ (abgefülltes Samensackerl), sowie „Tausch“, erlaubt ist nur die Verwendung zum eigenen Gebrauch. Einzige Ausnahme ist die Abgabe zu „nachweislich züchterischem Zweck“, oder zu Ausstellungszwecken. Die erlaubte Abgabemenge pro Sorte!!!! (nicht pro Züchter ) liegt hier bei bei Gemüse nur 0,2kg, sowie bei bei Getreide nur 2kg. Zum Vergleich: Die erlaubte Abgabemenge von nicht zugelassenen Getreidesorten liegt bei immerhin max. bei 200kg.

Seltene Sorten, die zynisch als „Liebhabersorte ohne ökonomischen Nutzen“ bezeichnet werden, sind durch das teure Zulassungsverfahren und die restriktiven Anbaubestimmungen vom Aussterben bedroht.
Seltene Sorten, die zynisch als „Liebhabersorte ohne ökonomischen Nutzen“ bezeichnet werden, sind durch das teure Zulassungsverfahren und die restriktiven Anbaubestimmungen vom Aussterben bedroht.

Es gibt die Möglichkeit, daß sich pro Sorte mehrere Erhaltungszüchter eintragen lassen (Kosten 110.-) die erlaubte Anbaumenge wird dann „proportional zugeteilt“. Die EU muß regelmäßig informiert werden, auf keinen Fall dürfen die maximalen Mengenbeschränkungen überschritten werden. Es haben sich bis heute keine Schlupflöcher aufgetan. Selbst wenn sich Arche Noah als weiterer Erhaltungszüchter registrieren ließe (Kosten!!!), dürfte nur Arche Noah das Saatgut anbieten, nicht aber die unzähligen ErhalterInnen aus dem Netzwerk.

Meinem Aufschrei, daß jede registrierte Sorte privatisiert, und für das ErhalterInnenetzwerk verloren sei, wurde vom Podium nicht widersprochen. Für unser Sortenhandbuch heißt das, daß sukzessive die attraktivsten Sorten verschwinden werden. Für uns ErhalterInnen heißt das zusätzlich ein ständiges Leben in Ungewissheit, ob nicht morgen auch die geschätzte und gehütete Lieblingssorte privatisiert ist und nicht mehr weitergegeben werden darf. Wer wird sich dann noch die Mühe machen Sorten zu erhalten und weiterzuentwicken?

Gerne kann dieser Text für ein Protestschreiben an Ministerialrat Zach vom Lebensministerium genutzt werden, in Kopie bitte an uns.

Rückfragen an: Florian Walter, 03579/8037 oder 0664/4165649;

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