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Fragmentiertes Zweigholz zur Förderung der biologischen Vielfalt

Fragmentiertes Zweigholz zur Förderung der biologischen Vielfalt
Ein Bericht von Angelika Gasparin-Bammer aus Gmunden / Oberösterreich

Eine visuelle Bodenprobe wird gemacht
Eine visuelle Bodenprobe wird gemacht

Allein die Lebendigkeit des Bodens beeinflusst die Fruchtbarkeit: Fragmentiertes Zweigholz (bois raméaI fragmenté) bietet hierzu einen entscheidenden Schlüssel. Seit Jahren sieht sich die Menschheit trotz massiven Einsatzes mineralischer Dünger mit einer Stagnation und sogar mit einem Rückgang der Erträge in der Landwirtschaft konfrontiert. Virus- und Pilzerkrankungen der Pflanzen sind im Zunehmen begriffen.

Die biologische Vielfalt nimmt stark ab, wohingegen die Verödung und Verwüstung ganzer Landstriche in vielen Ländern zu beobachten sind. Professor Gilles Lemieux von der Universität Laval, Québec, Kanada und sein Forschungsteam beschäftigen sich seit den 80er Jahren mit einer von forst- und landwirtschaftlichen Böden. Es handelt sich dabei um so genanntes Fragmentiertes Zweigholz (FZH). Zweige mit einem maximalen Durchmesser von 7 cm – in den meisten Ländern ein Abfallprodukt in der Forstwirtschaft – werden zu Spänen von 2 – 10 mm Dicke und bis zu 10 cm Länge zerkleinert. Wichtig hierbei ist, dass mindestens 80% der Zweige Laubholz sind, da die Harze und Terpenen der Nadelhölzer eine starke Bakterizidenwirkung ausüben.

Permakultur Landschaft mit Hecken eingefasste Schafweide
Permakultur Landschaft mit Hecken eingefasste Schafweide

Die ersten Versuche wurden in minderwertigen Forsten durchgeführt, um wieder funktionierende Ökosysteme auf zu bauen. Dabei wurden je Hektar zwischen 150 und 300 m³ FZH von gut entwickelten forstlichen Ökosystemen auf ärmere Böden in Form eines ‚sheet mulching’ aufgebracht. Nach drei bis fünf Jahren konnten erstaunliche Ergebnisse beobachtet werden: Die Ansiedlung von Forstpflanzen wurde so auf natürlichem Weg gefördert, die mikrobiologische Aktivität im Humus nahm stark zu und aus einer degradierten Umgebung bildete sich wieder ein intaktes Ökosystem. Nun stellt sich dem Forschungsteam die Frage, ob diese Anwendung der Fruchtbarmachung nicht auch auf landwirtschaftlich genutzte Böden übertragbar wäre. Wie Versuche nicht nur in Kanada, sondern auch in der Ukraine, auf den Antillen und in Afrika zeigten, kam es zu einer enormen Ertragssteigerung. Hierbei wurden pro Hektar zwischen 150 bis 200 m³ FZH mit den oberen 5 cm des Bodens gemischt, jedoch nicht eingepflügt, da dies zu unerwünschten anaeroben Prozessen geführt hätte.

Wie die Versuche zeigten, kam es zu einer verbesserten Wasserverfügbarkeit für die Pflanzen, einer Zunahme der Biodiversität und der Produktivität, sowie einer erhöhten Fruchtbarkeit des Bodens durch eine Vermehrung der organischen Substanz. Außerdem stellt sich ein pH-Wert von 7 ein. Wie lassen sich nun diese positiven Ergebnisse erklären? Der Grundprozess des Humusaufbaus, der laut Lemieux in Wirklichkeit die Mineralisierung und Fruchtbarkeit steuert. und die Freisetzung der in den FZH zahlreich vorkommenden Nährstoffen (Zuckerarten, Zellulosen, Vitamine, Proteine, Enzyme, Lignine etc.) gehen von Basidiomyceten (Weißfäule-Pilzen) aus, welche Lignin entpolymerisieren, Pflanzensymbiosen eingehen und den Bakterien, die im Bodenleben eine wichtige Rolle spielen, nützlich werden. Mit seinen Untersuchungsreihen möchte das Forschungsteam anregen, das in vielen Ländern ungenutzte Zweigholz für eine ,grüne Revolution’, wie Lemieux es ausdrückt, nutzbringend zu verwenden und damit ausgelaugte Böden wieder zu beleben. Ein Aspekt, der hierbei immer wieder angesprochen wird, ist das vernetzte Denken von Land- und Forstwirtschaft.

Interessant ist die These, die Lemieux aus seinen Forschungsergebnissen formuliert. Davon ausgehend, dass jeder landwirtschaftliche Boden aus Wäldern hervor gegangen ist, lässt sich eine Verbindung zwischen der Bestandsqualität und der biologischen Qualität des Humus vermuten. (…) Kennen wir die chemische Zusammensetzung der Bestandteile des Bodens und die Verbindung zwischen der Verfügbarkeit dieser Bestandteile und der Bedürfnisse der Pflanzen für ein maximales Wachstum, so sind uns jedoch die regulativen Mechanismen weitgehend unbekannt. Es lässt sich nicht bestreiten, dass die Chemische Industrie viel zu einer Sicherung der Lebensmittelversorgung beigetragen hat, dafür aber im Gegenzug bewirkt hat, dass kaum über die Mechanismen und Zusammenhänge für ein biologisches Gleichgewicht geforscht wird. Wie wird es nun möglich, bessere Qualität und höhere Qualität zu produzieren, ohne eine entsprechende Zufuhr von Stickstoff, Phosphor und Kali? Wir sind zu der Ansicht gelangt, dass FZH einen entscheidenden Beitrag zum Aufbau der Humusschicht leistet und daher nicht mit einer Zufuhr chemischer Mineraldünger vergleichbar ist. Das heißt, dass FZH dem Boden alle notwendigen Materialien, um die bioiogische Entwicklung des Bodens pédogénèse) anzukurbeln, zuführen kann, mit anderen Worten die biologische Gesundung des Bodens fördert. Sofort nach Eintrag des Holzmaterials verändern sich die Bodenbedingungen, vorausgesetzt, dass die PiIze die Entpolymerisierung des Lignin aktiv betreiben.

Konkretes Beispiel aus der Ukraine

In der Land- aber auch in der Forstwirtschaft wurde bisher das Hauptaugenmerk auf die Mineralisierung gerichtet. Dem Prozess des Humusaufbaus, der die Mineralisierung und die Fruchtbarkeit des Bodens reguliert, wurde kaum Beachtung geschenkt. Ein konkretes Projekt (1997-1998) in Boyarska, Ukraine, wo ein Klima herrscht, das dem österreichischen nicht unähnlich ist, brachte interessante Ergebnisse. Häckselgut soll nur aus Zweigen mit  einem Höchstdurchmesser von 7 cm gewonnen werden. Laubholz eignet sich auf Grund seiner Inhaltstoffe am Besten, höchstens 20% Nadelholz. Die Zweige sollten am Besten ohne Blätter, d. h. im Winter gesammelt werden. Das Fragmentierte Zweigholz wird nur in die obersten 5 cm des Bodens eingearbeitet. Menge: 150 bis 200 m³ Fragmentiertes Zweigholz pro Hektar. Die besten Ergebnisse werden erzielt, wenn noch zusätzlich pro m² zum FZH ein paar Gramm guter Walderde beigemengt wird, da sie eine Vielzahl an Mikroorganismen etc. enthält. Vor allem ab dem 2. Jahr zeigen sich merkliche Verbesserungen der Bodengüte welche bei einer einmaligen Gabe bis zu 5 Jahre anhält.

Beschreibung des Versuchsprojektes

Im März 1997 wurde ein erstes Versuchsfeld angelegt, in dem FZH aus Laubholz (Ahorn, Robinie, Eiche), das kaum Laubreste enthielt, in die oberste Bodenschicht eingearbeitet wurde. Im September wurde ein zweites Versuchsfeld mit FZH mit Laubresten angelegt. Als Kontrollfeld gab es zusätzlich einen Bereich ohne FZH. Die Ergebnisse wurden anhand der Versuchspflanze Roggen bewertet, die auf den Versuchsfeldern wuchs.

Ergebnisse

Die Ernte des Roggens im Versuchsfeld 1 war um 45% höher als die des Kontrollfeldes; das Versuchsfeld 2 lieferte etwas geringere Erträge, was auf die späte Ausbringung des FZH zurückzuführen ist. Was die Fruchtbarkeit des Bodens (Humusschicht, organische Stoffe, verfügbarer Stickstoff, Phosphor, Calcium. Magnesium etc.) anbelangt, stieg diese in den zwei Versuchsfeldern stark an, ebenso die Biodiversität. Erste „Siedler“ in FZH behandelten Böden  sind nachweislich Basidiomyceten (Weißfäule-Pilze), welche in kürzester Zeit Enzyme zur Entpolymerisierung von Lignin produzieren können, d. h., sie nehmen unverzüglich die Nährstoffe des FZH auf, dienen den Bodenlebewesen in der Folge als Nährstoffquelle und leiten als eine Art Boden-Pipeline Nährstoffe wie Phosphor und vor allem Wasser weiter. Daher ergibt sich die bessere Wasserverfügbarkeit für Pflanzen. Lemieux weist darauf hin, dass – im Gegensatz zur Kompostierung, wo Bakterien eine wichtige Rolle spielen – diese Pilze bei der Nährstoffaufschließung des FZH die wichtigste Rolle spielen. Analysen zeigten vor allem im ersten Versuchsfeld Verbesserungen yon Qualitätsindikatoren(Tausend-Korngewicht, Samenanlage, Proteingehalt). Doch wurde der Zunahme der Artenvielfalt als wichtigster Faktor für eine Bodenverbesserung große Beachtung geschenkt. Hier konnte im ersten Jahr vordergründig eine Zunahme von verschiedenen  Pilzarten beobachtet werden.

Verbindung von  Land- und Forstwirtschaft

Was ist nun so interessant an Lemieux‘ Arbeit? „Die FZH-Technologie ist ein effizienter Weg, Haupteigenschaften der Ökologie des Waldes in landwirtschaftliche Böden einzubringen,. um eine nachhaltige Wirkung auf die Stabilität des Bodens. Nährstoffverfügbarkeit und eine positive Beeinflussung auf Bodenlebewesen auf biologischem Weg zu erreichen. Es sollte ein ökonomisches und soziales Anliegen aller sein, eine geringe Bodenfruchtbarkeit nicht für gegeben anzusehen, sondern eine bessere Qualität zu fördern. Anstatt alle ‚biologischen Feinde’ zu bekämpfen, sollte die Menschheit ein harmonisches Zusammenleben anstreben.“

Literatur:
Gilles Lemieux: A new forested technology for agricultural purposes; The RCW Technology. 1998.
Anatolij Chervonyi: Researchproject  on RCW Technology an Rye (Secale cereale). 1999.
Gilles Lemieux: Les Germeseconomiques et scientifiques de la Revolution verte au Sahel. 1996.
Caron, Celine: Ramial Chipped Wood: A basic tool for Regenerating Soils. 1994.

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Zahlen und Fakten zum Thema Ernährungssicherheit

Notizen zum Kongress „Wie ernähren wir uns in Zukunft?“
(Dez. 2009, Spes-Akademie, Schlierbach/OÖ)

Globale Nahrungssicherung für eine wachsende Bevölkerung
(Karl von Koerber, TU München)

38% der Landflächen sind für die Landwirtschaft verwendbar
38% der Landflächen sind für die Landwirtschaft verwendbar

69% der landwirtschaftlichen Fläche wird als Weideland genutzt
28% der landwirtschaftlichen Fläche wird als Ackerland genutzt
3% der landwirtschaftlichen Fläche wird für Dauerkulturen verwendet

Das Ackerland wird bis 2030 auf kosten tropischer Regenwälder um 13% wachsen!

Flächenaufteilung nach Verwendung für Lebensmittel

29% Fleisch
17% Milch
24% Öle und Fette
11% Getränke (Cola, Fanta, Sprite, andere Limos, Bier, …)
5% Kartoffel, Gemüse und Obst
5% Brot

Die Anbauflächen von Kaffee und Tee sind größer als die von Gemüse!

Fleischverbrauch kg/Person/Jahr

Weltweit ø 37,4 kg
Industrienationen ø 90,2 kg

Im Jahr 2030 werden 60% der Weltbevölkerung in Städten leben.

Von einer umweltverträglichen Landnutzung bis zum zukunftsfähigen Lebensstil
(Alois Heißenhuber, TU München)

Zur Zeit steigt der Fleischverbrauch in den Schwellenländern durch ein neues Konsumverhalten um das 2-3 Fache an. Landgraping bzw. Neokolonialismus sind aktuelles Thema in den Ländern des Südens. 80% des europäischen Proteinbedarfs wird importiert, was der Fläche von 30 Mio ha, beinahe das 3 Fache der Ackerfläche Deutschlands (12 Mio ha) entspricht.

Mehr und mehr Menschen dem Hunger preis geben?
Von Internationalen Versprechen und Antworten auf die Krise

(Gertrude Klaffenböck, FIAN-Food first Information and Action Network)

50% aller Lebensmittel weltweit werden von Kleinbauern unter 2 ha produziert lt World Food Report 2009
50% aller Lebensmittel weltweit werden von Kleinbauern unter 2 ha produziert lt World Food Report 2009

Hungernde Menschen Weltweit:

50% Kleinbauern
20% Landarbeiter
10% Fischer und Nomaden
20% Stadtbewohner
( 50% aller Lebensmittel weltweit werden von Kleinbauern unter 2 ha produziert lt World Food Report 2009)

Ursachen des Hungers:
Ernteausfälle oder Dürren
Energie und Rohstoffpreise
Agrotreibstoffe
Spekulation
Konsumverhalten der Schwellenländer (nach dem Vorbild der Industrienationen)
Hauptteil von Nahrungsmittelkrisenhilfe fließt in Verteilung von Saatgut und Düngemittel, das bedeutet, dass in Wirklichkeit wieder nur Großkonzerne unterstützt werden! (Ihr habt den Hunger, wir haben die Gewinne …!)

Technikphantasien versus Ökologie der kurzen Wege
(Franz-Theo Gottwald, Vorstand Schweisfurth-Stiftung)

Einsatz von gentechnisch verändertem Saatgut

Versprechen:
höhere Erträge
Reduktion von Herbiziden
Reduktion von Pestiziden

Realität:
höherer Pestizideinsatz
höherer Herbizideinsatz
Gefährdung der Biodiversität
enttäuschende Erträge
höhere Preise
Monopolisierung

Optimiertes Zuchtgut konventionell beim Tier

Auch in der Tierwelt haben wir speziell auch bei Haustierrassen einen so großen Genpool zur Verfügung, dass wir uns nicht auf fatale und irreperable Folgen von Gentechnik einlassen müssen
Auch in der Tierwelt haben wir speziell auch bei Haustierrassen einen so großen Genpool zur Verfügung, dass wir uns nicht auf fatale und irreperable Folgen von Gentechnik einlassen müssen

Versprechen:
schnelles Wachstum
hohe Leistung
hohe Erträge

Realität:
Erbfehler
Krankheiten
Verhaltensauffällig
Qualitäts- und Geschmackseinbußen

Transgene und gentechnisch veränderte Tiere

Lachs und Schwein sind mögliche Lieferanten zur Medikamentenherstellung und zur Organzüchtung. Es gibt eine verstärkte Forschung in der Genanalyse.

Kleinbäuerliche Strukturen in Asien verfügen über eine Rentabilität von 95% im Gegensatz zu den Strukturen der Industrienationen, mit 30% Rentabilität.

Armut im Überfluss
(Alexandra Strickner, Attac Austria und Frithjof Bergmann, Ann Abor)

Derzeitiges Behandeln der Finanzkriste ist: „Das Verbrennen der Geigen unter den Dampfkesseln der Wirtschaft!“ Frithjof Bergmann

Zusatzinfo zum Thema Boden und Humus
Wo liegen die Humusgehalte in Europa? (Quelle: http://www.bodenwelten.de/)

Detaillierte Informationen über die Humusgehalte europäischer Böden liegen nur sehr unvollständig vor, da Humusgehalte standortbedingt und durch die Nutzung beeinflusst sind. Daher ist es schwierig, sich ein umfassendes und genaues Bild zu machen.

Seit Mitte der 90er Jahre hat das Bewusstsein für Böden deutlich zugenommen. Mittlerweile gibt es Schätzungen, nach denen 45 Prozent der Böden in Europa einen geringen (1-2 Prozent) oder sehr geringen (<1 Prozent) Humusgehalt aufweisen. 40 Prozent der Böden zeigen einen mittleren Humusgehalt von 2-6 Prozent. Nur 15 Prozent der Flächen besitzen einen Humusgehalt von über 6 Prozent.

HERMES Bank – nach 28 Jahren bankähnlicher Tätigkeit auf Vereinsbasis folgt großer Schritt

HERMES Bank – nach 28 Jahren bankähnlicher Tätigkeit auf Vereinsbasis folgt großer Schritt (Quelle: HERMES)

Eine Bank soll eine Einrichtung sein, die Einlagen entgegen nimmt, Kredite vermittelt, Menschen mit Geld versorgt und den Zahlungsverkehr abwickelt. Für viele Menschen ist allerdings in unserer Zeit das Motiv der Geldvermehrung, des Geldverdienens im Zusammenhang mit dem Bankwesen stark in den Vordergrund getreten. Im Sinne der bisherigen Arbeit von HERMES liegt es, Geldvorgänge in den Dienst der Menschen zu stellen.

Die Grundwerte der Gemeinschaftsbank HERMES stehen auf der Basis der Anthroposophie:
– durch eine umfassenden Beurteilung von Projekten und menschlichen Fähigkeiten verbunden mit einem Überblick über notwendige gesellschaftliche und  ökologische Entwicklungen.
– durch eine Unternehmensgestaltung, in der Geldbewegungen und die damit verbundene Verantwortung bewusst wahrgenommen werden.
– durch die Vermittlung zwischen Geldgebenden und Geldnehmenden in der Weise, dass Geben und Nehmen im Sinne von Solidarität geschehen.

Diese Anliegen unterscheiden sich vollkommen vom heute üblichen Verständnis einer Bank. Sie stellen den Menschen mit der ihn umgebenden Welt, für die er die Verantwortung trägt, in den Mittelpunkt. Gerade in der Zeit einer großen Finanzkrise, in der Geld der Realwirtschaft entzogen und zum Spekulationsobjekt wurde, wollen wir den Impuls setzen, eine Bank mit eigener Lizenz zu begründen, die auf der bisherigen Arbeit von HERMES mit seinen bestehenden Einlagen und Krediten aufbaut. Der Schenkgeldbereich des Vereins HERMES-Österreich wird als eigene organisatorische Einheit neben der Bank eng mit ihr zusammenarbeiten. Die Bank soll eine fördernde Wirkung entfalten.

Wer arbeitet in unserer Bank?
Menschen, die neben den gesetzlichen Voraussetzungen ein tiefes Interesse am Menschen und ihrer Arbeit haben und die Grundwerte und Kultur der Bank pflegen wollen.

Die zukünftige „Gemeinschaftsbank HERMES“ unterscheidet sich wesentlich von anderen Banken. Die Bank baut ihre Handlungen auf Vertrauen und Achtung vor der freien, sich entwickelnden Individualität des Menschen. Die in der Bank tätigen Menschen setzen sich mit verschiedenen Qualitäten des Geldes, Fragen der Solidarität, der Durchschaubarkeit von Geldprozessen, des Kapitals und Zinses, von Arbeit und Einkommen, Grund und Boden, Betriebsmittel und  Betriebsführung, Globalisierung und Nachhaltigkeit auseinander.

Vermittlung als zentrale Aufgabe

Die zu gründende Gemeinschaftsbank HERMES sieht ihre zentrale Aufgabe darin, zu vermitteln zwischen Menschen, welche die ihnen zur Verfügung stehenden Gelder sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen, umweltfördernden und die Würde des Menschen achtenden Initiativen zur Verfügung stellen wollen, und Menschen, die diese Mittel zur Erfüllung ihrer Aufgaben in Unternehmen, Einrichtungen und Projekten benötigen. Beide Gruppen betrachten die Ziele und die Tätigkeit der Bank als eine Zeitnotwendigkeit und wollen sie fördern.

Geld als Tauschmittel

Geld und Kapital werden nicht als Ware betrachtet, werden weder gehandelt noch verkauft oder gekauft.

Transparenz

Die Gemeinschaftsbank HERMES berichtet in ihren Veröffentlichungen über die mit Krediten finanzierten Projekte und veröffentlicht in ihrem Geschäftsbericht jeweils die Namen ihrer Kreditnehmer.

Solidarität zwischen Geldgebenden und Kreditnehmenden

Menschen, die der Bank Geld anvertrauen, erfahren, was mit ihrem Geld geschieht. Sie können die Entwicklung der finanzierten Projekte begleiten und den Ertrag einer Initiative für das Gemeinwohl erkennen. Durch das Vergeben eines Kredites an eine Initiative verbindet sich die Bank mit den Anliegen und begleitet die Weiterentwicklung.

Verantwortung für die Folgen

Ein Vorhaben, das durch die Bank finanziert werden soll, wird nicht nur nach ökonomischen, sondern auch nach sozialen und ökologischen Aspekten bewertet. Daher gehört es zu einer Hauptaufgabe der Kreditprüfung, jedes Projekt möglichst ganzheitlich in seinem sozialen und ökologischen Umfeld zu betrachten und zu beurteilen.

Kein einseitiges Gewinnstreben

Die Gemeinschaftsbank HERMES ist nicht gewinnorientiert, weder für sich selbst noch für ihre Geldgeber. Die Gemeinschaftsbank arbeitet kostendeckend. Ein entstehender Überschuss wird dazu verwendet, das Tätigkeitsfeld der Gemeinschaftsbank zu erweitern, Reserven zu bilden und Mittel für den Schenkgeldbereich zur Verfügung zu stellen. Es werden keine „erfolgs“abhängigen Bonuszahlungen an Mitarbeiter gewährt.

Verwendungsbereich

Der Einleger kann auf dem Kontovertrag angeben, für welchen Kreditbereich seine Einlage vornehmlich verwendet werden soll. Die Gemeinschaftsbank wird in ihrem Geschäftsbericht bekannt geben, wie sich das Kreditvolumen im abgelaufenen Geschäftsjahr auf die verschiedenen Verwendungsbereiche verteilte.

Freie Zinswahl

Jeder Kunde kann frei wählen, ober die jeweils marktüblichen Zinsen beanspruchen oder auf sie (auch teilweise) verzichten will, denn Zinsverzicht unterstützt eine solche Bank und ihre Förderanliegen.

Genossenschaft

Die Rechtsform der Genossenschaft bietet den Rahmen für eine Bank, die sich auf eine Gemeinschaft von Menschen gründet, die einen solidarischen, nicht auf Gewinn gerichteten Umgang mit Geld zum Wohle aller Beteiligten pflegen wollen. Menschen oder Institutionen werden durch die Zeichnung von Genossenschaftsanteilen zu Mitträgern, Mitgestaltern der Bank. Um die Substanz der Genossenschaft zu gewährleisten, werden die Anteile nicht zurückbezahlt. Sie können bei Beendigung der Mitgliedschaft nach vorheriger Einwilligung des Aufsichtsrates ganz oder teilweise an bisherige oder neue
Mitglieder der Genossenschaft übertragen werden. Das Genossenschaftskapital wird nicht verzinst, es ist auch nicht am Gewinn beteiligt. Es sind daher keine Erträge zu versteuern. Die Gemeinschaftsbank muss hiefür keinen Gewinn erwirtschaften. Die persönliche Haftung der Genossenschafterinnen und Genossenschafter für Verbindlichkeiten der Genossenschaft ist ausgeschlossen. Für diese Verbindlichkeiten haftet nur das Genossenschaftsvermögen.
Sollte die Bank nicht gegründet werden, wird das eingebrachte Eigenkapital an die Mitglieder zurückbezahlt.

HERMES-Österreich Geistgemäße Geldgebarung / Arbeitsgruppe Bank
Wiener Bundesstraße 63a, A-5300 Hallwang-Salzburg
Tel. 0043-662-664737, Fax 0043-662-664737-4
hermes@hermes-oesterreich.at
http://www.hermes-oesterreich.at

AGRAR-Investments – Kapitallenkung verstärkt in Zukunft lokale und globale Konflikte

AGRAR-Investments – Kapitallenkung verstärkt in Zukunft lokale und globale Konflikte
Finanzinteressen wider den nachhaltigen Umgang mit Erde und Menschen, ein Plädoyer und Aufruf von Georg Huber

Was haben Agrarinvestments und Permakultur miteinander zu tun? Für viele Permakulturaktive dürften andere als reine Renditeinteressen der Grund für die Zuwendung zu Grund und Boden sein.
Dass sich seit Jahren immer mehr renditehungriges Kapital geradezu auf landwirtschaftlich nutzbare Flächen stürzt, sollte alle, besonders Permakulturaktive und solche, die es werden wollen, aufhorchen lassen. Gründe dafür gibt es genug:

1.) Der Trend, wie er von Investoren und ihren Beratern gezeichnet wird, geht von einem steigenden Pro-Kopf-Flächenverbrauch aus, der sich weniger aus dem Anstieg der Weltbevölkerung ergibt (quantitativ), sondern aus geänderten Ernährungsgewohnheiten weltweit (z.B. höherer Fleisch- und Milchkonsum, siehe „Fokus: Agrartrends, Allianz Global Investors, Februar 2010“)

2.) Der westliche Lebensstil prägt den Konsumhunger aufstrebender Nationen nicht nur in puncto Auto, sondern auch bei den Ernährungsgewohnheiten. So gehen Eigentümer und Investoren industriell geführter Agrarbetriebe in Australien und Neuseeland von einem zuverlässig ansteigenden Milch- und Milchprodukte-Konsum in Asien aus. (z.B. im Beteiligungsangebot „Aquila AgrarINVEST II – Neuseeland“). Ein gefundenes „Fressen“ für mittelfristig agierende Private Equity-Investoren.

3.) Das Nord-Süd-Konfliktthema „Teller oder Tank“ wird derzeit auf Kosten von Natur und Bevölkerungen der südlichen Hemisphäre gespielt. Kann es nachhaltig sein, wenn wir verheizen, was woanders auf den Teller gehört?

4.) Auf unseren Äckern findet ein skurriler Wettstreit zwischen Strom aus Biogas und Strom aus Photovoltaik-Freiflächenanlagen statt. So ist es für Bauern inzwischen wirtschaftlicher, die eigenen Flächen langfristig Betreibern von Photovoltaik-Anlagen zu verpachten, als darauf Mais für die Biogasanlagen im Umkreis von 50 km anzubauen. Trendbezogen steht schon heute Nahrungsmittelerzeugung erst an dritter Stelle.

5.) Die Folgen, mit denen wir nüchtern „rechnen“ sollten, werden meines Erachtens jedoch ganz andere sein, als es die Hochglanzversprechen der Prospektherausgeber vermuten lassen. Und diese betreffen nicht nur die Investoren. (a) Agrarinvestoren werden einerseits, beschleunigt durch Konzentration von Kapital auf Agrarflächen, internationale und nationale Konflikte verstärken. (b) Andererseits wird die weltpolitische „Großwetterlage“ für die Erfüllung der Renditeerwartungen dieser Investoren langfristig nicht stabil genug bleiben können. Werden sich alle Betroffenen vom Landhunger des Kapitals ihre Bodenenteignung gefallen lassen, nur damit andere auf der Nordhalbkugel jeden Tag mit dem eigenen Auto in die Stadt fahren oder statt Gemüse Steak essen können? (c) Schon heute haben die Regionen mit dem höchsten Pro-Kopf-Ressourcenverbrauch (USA, EU) mit einer Zuwanderung zu kämpfen, die sie kaum mehr steuern können. In der EU-Öffentlichkeit wird das Migrationsthema weitgehend verdrängt. In allein gelassenen Ländern wie Italien (Lampedusa und Sizilien) und Spanien führt dies zu Überreaktionen der Behörden wie der Bevölkerung. (d) Nach dem Ende des billigen Erdöls (Peak Oil) müssen wir unumkehrbar mit ständig steigenden Ölpreisen rechnen. Das wird unser aller Alltagsleben erheblich verändern.  Der irrwitzige Versuch, billigen Biotreibstoff aus der Dritten Welt zu verschiffen, wird scheitern. Wann werden wir endlich begreifen, daß wir Erdöl zwar verbrauchen, aber nicht ersetzen können? (e) Ein weicher und von den meisten unbemerkter Faktor ist m. E. die fortschreitende Urbanisierung, die neben der geographischen vor allem die soziokulturelle Trennung von Mensch und Natur fortführt und verstärkt.

FAZIT EINS für Permakulturaktive: Die Folgen kapitalorientierten Wirtschaftens auf die Biosphäre (z.B. Beschränkung von Zugangsrechten zu sauberem Trinkwasser, Abfallwirtschaft anstatt Kreislaufwirtschaft, Überfischung der Meere und Bodennutzung durch industrielle, wohnortferne industrielle Landwirtschaft) werden viel schneller spürbar, als es sich Bill Mollison und David Holmgren vor 40 Jahren wohl haben vorstellen können.

FAZIT ZWEI: Immer mehr Leute wollen, sofern sie das erforderliche Kapital und den eigenen Mut zum Um- und Aussteigen aufbringen, eigenen Boden erwerben und nach Permakultur-Prinzipien bewirtschaften.

FAZIT DREI: Verbalausfälle gegen Hartz-IV-Empfänger (denen FDP-Chef und Bundesaußenminister Guido Westerwelle „anstrengungslosen Wohlstand“ und „spätrömische Dekadenz“ unterstellt) und Warnungen vor „Rentnerfallen“ (so Roman Herzog)  in der deutschen Partitokratie zeugen mehr von Hilflosigkeit denn von zielführender Fantasie.

Was bleibt ist, tätiges Beispiel zu geben für Auswege. Permakultur heißt, praktisch verbunden mit der nährenden Natur zu sein und zu bleiben. Permakultur ist eine neue Kultur der Aufmerksamkeit für die Lebenszusammenhänge, in die wir ausnahmslos alle eingewoben sind, und für deren Erhalt und Stärkung wir verantwortlich sind. Permakultur führt zu nachhaltigem Frieden aus neuem Denken und Handeln und zu gemeinschaftlichen Aktionen à la Transition-Town-Bewegung.

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es

Statt nach dem Motto „Boden für Kapital“ in eine Sackgasse zu investieren, d.h mit Kapitaleinsatz Böden weiter auszulaugen und Menschen zu bloßen Konsumwesen abzuwerten, sollte es doch umgekehrt sein. Doch zu „Kapital für Boden“, für gesunden, durch Lebensvielfalt geschützten und gestärkten Mutterboden, bedarf es persönlichen, aktiven, auch finanziellen Engagements. Es braucht Umkehr in den Köpfen und im Alltag. Möglich, daß dann auch Geld investiert wird für „ein Land, in dem Milch und Honig für alle Menschen fließen“.
Der Autor Georg Huber ist seit mehr als zwei Jahrzehnten als Finanzvermittler (Investmentfonds, Beteiligungen) selbständig tätig –siehe http://www.gruenewerte.de -, seit 2009 PDC-Zertifikatsinhaber und mit seiner Partnerin am Anfang eines eigenen Permakultur-Projektes in der Oberpfalz, namens PermaHaus

Äugeln von Kartoffeln

Das Äugeln der Kartoffel ist eine Technik, die gleich mehrere Vorteile
beim Kartoffelanbau beinhaltet. Zum Einen stellt sich beim langjährigen
Anbau aus der Knolle der gleichen Sorte ein Ertragsverlust und
Degenerationen ein, und andererseits können durch erworbene
Saatkartoffeln Krankheiten von fremden Böden eingeschleppt werden. Dies
kann durch das Äugeln vermieden werden – die Kartoffeln werden wieder
verjüngt. Die angetriebenen Augen werden mit einem scharfen und schmalen
Küchenmesser kegelförmig ausgeschnitten und in Urgesteinsmehl getaucht.
Mittels Setzdorn wird im Boden ein 5cm tiefes Loch gemacht und das Auge
nach oben gerichtet eingesetzt. Die junge Pflanze kann die Nährstoffe
nicht aus der Mutterknolle entnehmen und ist gezwungen, sofort Wurzeln
auszutreiben und die Nährstoffe aus dem Boden aufzunehmen, wodurch sie
sich selbst regeneriert. Die Farbe und Geschmackseigenschaft wird dabei
enorm verbessert. Jedes einzelne Auge ergibt so eine Kartoffelpflanze,
die im weiteren Verlauf wieder angehäufelt wird und zu einem normalen
Ertrag führt. Dies ist der letzte und für uns entscheidende Vorteil.
Jede Saatkartoffel hat zwischen 4 und 12 Augen ,je nach Größe der
Kartoffel, und so können wir mit einer viel geringeren Menge an Saatgut
eine große Menge an Kartoffeln ernten.

(Quelle: Walter Krieger, Permakultur-Designer / SonnenAlmGarten)