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Zu Gast bei Familie Masawe am Kilimanjaro

Zu Gast bei Familie Masawe in Umbwe Onana am Kilimanjaro

Familie Masawe vor ihrem Wohnhaus

In der Mitte des massiven Tisches steht ein Tablett mit einem Krug Wasser und einigen Trinkgläsern, daneben eine Schale mit grünen Bananen, Avocados und zwei großen Papajas. Am Nebentisch ist ein kleines Buffet aufgebaut, ein Topf mit gekochten Bohnen, einer mit Maissterz und ein weiterer, jedoch erheblich kleinerer, mit einer Sauce mit Rindfleischstücken, klein geschnittenem Paprika und Karotten. Der aromatische Geruch breitet sich über den Tisch aus, bis hin zu den Tellern und dem Essbesteck. Karibu Sana – wir werden höflich eingeladen uns zu bedienen, uns folgt der Hausherr, die Kinder und Ehefrau.

Homegarden der Familie Masawe in Umbwe Onana

Wir sitzen jetzt alle um den großen Tisch und warten auf das gemeinsame Tischgebet, die beiden 40 Watt Lampen können kaum den ganzen Raum ausleuchten, doch aus den schon müden Gesichtern der Kinder, funkeln die Augen fröhlich hervor. Jedes der 5 Kinder hat seine Geschichte hinter sich gelassen und wurde in der Familie Masawe aufgenommen.

Küche der Familie Masawe

Aloisi und Agnes Masawe haben es mit viel Fleiß und Offenheit zu einem bescheidenen Wohlstand gebracht. Als Aloisi mit 14 Jahren Fleischhauer werden sollte, verkaufte er sein Huhn und schlug sich von der Kiboscho Region bis nach Nairobi / Kenia durch, wo er die Highschool besuchte, bis er wegen des fehlenden Schulgeldes raus geschmissen wurde. Wieder zurück in Tansania verdiente er sein Geld in einem kleinen Laden und schaffte schließlich die Aufnahmeprüfung für einen Job in einem von Kanada finanzierten Imkerei-Projekt.

Festo beim Schneiden von Viehfutter

Nebenbei absolvierte er die Highschool und konnte dann auch einige Zeit in Kanada und Australien verbringen. Zwischendurch kaufte er ein kleines Stück Land unweit seines Elternhauses und gründete mit seiner Frau Agnes eine Familie. Da er einerseits genau kalkuliert und auch Imker mit Leib und Seele ist, fühlt er sich dem organischen Landbau verbunden und verzichtet in seiner Landwirtschaft auf Herbizide, Pestizide und Industriedünger.

Blüte einer Passionsfrucht

Um den Innenhof befinden sich einzelne Gebäude wie das Wohnhaus mit Speisezimmer, Büro, Vorratsraum, Badezimmer und den Schlafzimmern. Die Außenküche stellt ein separates kleines Gebäude dar. Zudem gibt es noch ein Stallgebäude und ein Guesthouse, welches wir bezogen haben.
Durch einen glücklichen Zufall konnte Aloisi kürzlich ein Nachbargrundstück erwerben. Seine zwei Hektar Farm ist im Vergleich zu andern Mikrofarmen, im Gebiet von Umbwe Onana gross. Ein durchschittliche Farm am Kilimanjaro verfügt über 6.000 bis 10.000 m2.

Ben Law – leben im Wald, von den Überschüssen der Natur

Innovativer Permakulturist geht neue Wege und entwickelt für sich eine nachhaltige Wirtschaftsweise und einen wahrhaft ökologischen Lebensstil
Beat Rölli (dipl. Biologe und dipl. Permakulturdesigner)
berichtet über seinen Besuch in Prickly Nut, England Juli 2009

Der Begriff der Nachhaltigkeit stammt in seinem Ursprung aus der Forstwirtschaft, es wurde nie mehr Holz entnommen als nachwachsen konnte. So ist der Wald ein wunderbares System welches in vielen Kulturen als Vorbild für einen Lebensstil diente. Der Wald in sich produziert mehr als er selbst verbrauchen kann, obwohl er kein exponentielles Wachstum kennt und sich einem Klimax annähert.

Das Haus von Ben Law
Das Haus von Ben Law

Der ehemalige Schafhirte und Entwicklungshelfer Ben Law kaufte 1992 ein kleines Stück Wald im englischen West Sussex, wo er lebt und woraus er auch seinen und den Lebensunterhalt seiner Familie bestreitet. Diese scheinbare Utopie in einem Land, in welchem zur gleichen Zeit Grossbauern trotz Eu-Förderungen um ihre Existenz kämpfen. Doch 17 Jahre später hat Ben Law nicht nur seinen kühn anmutenden Traum, von einem ehrlichen, nachhaltigen Lebensstil verwirklicht, er hat sich auch wirtschaftlich etabliert und kann als Alleinverdiener seine Familie ernähren. So wurde Ben in den vergangenen Jahren bekannt, als eine herausragende Persönlichkeit in einer wachsenden Bewegung, welche wie er im Wald leben und die reichlichen Überschüsse der Natur konsumieren. Durch sein beachtenswertes Ökohaus und die von ihm verfassten Bücher, wurde er auch weit über die Grenzen von England hinaus bekannt. Dieser erste von zwei Artikeln soll einenen Überblick über sein Tun und Wirken im Wald von Lodworth, im englischen West Sussex geben.

Wie alles begann

1992 erwirbt Ben Law, ein ehemaliger Schafhirte und Entwicklungshelfer für 12’000 Pfund 3.2 ha Wald im Dorf Lodsworth im Englischen West Sussex, südlich von London. Da Ben Law über wenig Geld verfügt, zahlt er den Wald in Arbeitsleistung ab. Während der ersten 11 Jahre lebt Ben Law in einem Wohnwagen und unter einem Zeltdach, wo er unter den einfachsten Bedingungen lebt, arbeitet, kocht und schläft. Als Woodman (Waldmann) belebt Ben die uralte englische Tradition der Niederwald-Bewirtschaftung und verknüpft diese mit Permakultur Knowhow. Erst um 2001 erhält er eine Baubewilligung für ein Haus im Wald, was auch in England sehr schwierig und aussergewöhnlich ist. Das entscheidende Argument ist die Tatsache, dass er Holzkohle produziert und ein Köhler zur Holzkohleproduktion vor Ort leben muss.

Niederwald, eine uralte Waldwirtschaftsform mit Zukunft

1980 waren in England noch knapp 20’000 Hektaren Edelkastanien-Niederwald ausgewiesen. Dies zeigt, dass in England Niederwald noch im 20. Jahrhundert verbreitet war. Die von Ben Law bewirtschafteten Waldparzellen sind zu einem grossen Teil Niederwald, welcher vor über hundertfünfzig Jahren angelegt und seit dem zweiten Weltkrieg nicht mehr bewirtschaftet wurde. Durch den starken Bewuchs mit Rhododendron viel in den ersten Jahren viel „minderwertiges“ Holz an, dieses verarbeitet Ben zu Holzkohle. Köhlern ist zwar schmutzige Arbeit, doch können so Abfall- oder Brennholz veredelt und für gutes Geld verkauft werden. Die Holzkohleproduktion war in den ersten Jahren ein wichtiger Teil seines Einkommens.

Zur Zeit bewirtschaftet Ben Law gut 40 ha Wald, nicht weil er soviel Wald zum Leben brauchen würde, sondern weil es ihm ein Anliegen ist, den Niederwald in seiner Gegend aufzuwerten, da er seit Generationen nicht mehr fachmännisch unterhalten wurde. Diese vernachlässigten Niederwaldflächen will er kommenden Generationen als wertvollen Niederwald hinterlassen.

Der Niederwald hat im Vergleich zum Hochwald viele Vorteile:

Beim Niederwald werdenschnell wachsende Sträucher oder Bäume auf den Stock gesetzt. Stämme werden knapp über der Erde abgesägt, das grosse, noch vorhandene Wurzelwerk erlaubt ein starkes Wachstum der neuen Stockausschläge, die schnell zu langen geraden Trieben und Stämmen heranwachsen. Pflanzt man im Hochwald eine kleine Fichte, muss diese das ganze Wurzelwerk entwickeln. Das braucht Energie und Zeit. Deshalb ist die Primärproduktion im Niederwald mit schnell wachsenden Bäumen und Sträuchern wesentlich höher als im Fichten-Hochwald. So verfügt der Niederwald von Ben Law vor allem über Edelkastanie, Haselnuss und Eschen.

Ein Niederwald kann grösstenteils mit Handarbeit bewirtschaftet werden. So kommen auch die meisten Woodmen in England ohne teure Geräte aus. Auch Ben Law arbeitet wenn möglich mit Hand-Werkzeugen. So vermindert er den fürchterlichen Lärm im Wald beträchtlich, was einen grössern Gewinn für Waldarbeiter und Natur darstellt.

Aus dem Niederwald kann bereits nach 5, 6, 7 Jahren Holz für wertvolle Produkte entnommen werden. Beim Hochwald dauert es 50 und mehr Jahre bis ein gesetzter Baum gross und wertvoll ist. Der wertvollste Baum bei Ben Law ist die Edelkastanie, die er auf den Stock setzt. Der Edelkastanien-Niederwald wurde vor 150 Jahren für die Stangen-Produktion, die vor allem für den Hopfenanbau verwendet wurden, angelegt. Edelkastanie entpuppt sich als der ideale Baum für die Niederwaldbewirtschaftung. Da Edelkastanie wie Eiche viel Tannin enthält, zersetzt sich der Witterung ausgesetztes Edelkastanienholz viel langsamer als Fichtenholz. Gefälltes Edelkastanienholz kann über Jahre im Wald gelagert werden, ohne dass es abgedeckt wird. Zu dem enthält es wenig Splintholz mit tiefem Tanningehalt und viel Kernholz mit hohem Tanningehalt. Deshalb können dünne Edelkastanienstämme ohne chemische Behandlung als dauerhafte Pfosten oder Zäune dienen. Edelkastanien wachsen schnell und bei dichtem Bewuchs sind die Stämme erstaunlich gerade. Niederwald-Edelkastanien in Südengland können heutzutage bereits nach dem fünften Jahr (Klimaerwärmung lässt grüssen) oder traditionell nach dem siebten Jahr geerntet, das heisst wieder auf den Stock gesetzt werden. Ein Vorteil der Edelkastanien gegenüber andern Niederwaldpflanzen wie Hasel ist, dass man Niederwald-Edelkastanien auch 10, 20 oder mehr Jahre im Wald stehen lassen und jederzeit eine wertvolle Ernte einfahren kann. Im Verlaufe der Jahre reduzieren sich bei jedem Stock die Anzahl Stämme und ebenfalls die Stöcke, bis nur noch einzelne Edelkastanienbäume im Wald stehen. Ben Law’s Niederwald-Kastanien produzieren kaum Früchte, diese produziert er auf veredelten Kastanienbäumen.

Ökologische Artenvielfalt im Niederwald

Waldwirtschaft von Ben Law
Waldwirtschaft von Ben Law

Um ökonomisch arbeiten zu können, dominieren meist eine oder zwei Arten den Baumbestand eines Niederwalds. Niederwald kann aber auch grosse Bäume enthalten und somit mit einem sehr lockeren Hochwald kombiniert werden. Ben Law legt kleinflächige Parzellen (maximal 0.5ha) an und rodet diese. Roden als auch Monokultur-ähnliche Bestände hören sich nicht ökologisch an, aber Ben Law’s Wald als Gesamtes enthält eine grosse Artenvielfalt und auch seine einzelnen Niederwaldparzellen erweisen sich als erstaunlich artenreich. Allerdings muss man genau hinschauen, da die Hauptarten in den Kulturen sehr dominant sind. Nach der Rodung gedeihen sehr viele Krautpflanzen, was vielen verschiedenen Schmetterlingsarten einen Lebensraum bietet. In seinem Niederwald wurde sogar eine sehr seltene Orchidee gesichtet, die sich nach der Rodung vermehren konnte. Um die 50 Vogelarten brüten in seinem Wald. Der Niederwald wirkte sich auch sehr positiv auf die Moos- und Farnvielfalt aus, so gibt es auf seinen Parzellen ein Forschungsprojekt der Universität.

Angepasste Technologie, Transport vermeiden

Ben Law bewirtschaftet seinen Wald nach ökologischen aber auch ökonomischen Kriterien. Je nach Bedarf fällt er die entsprechenden Stämme. Sei es für Pfähle, Wildholzmöbel, Bretter oder gar als Rundholz-Balken für Häuser. Um Transportwege zu ersparen, wird das Holz möglichst vor Ort verarbeitet, zum Beispiel zu Pfählen oder Brettern. Dank seines mobilen Sägewerks, kann er vor Ort selber Balken und Bretter sägen. Das Gerät leiht er auch aus. Ein Teil des Abfallholzes der Verarbeitung trocknet er an Ort und Stelle. Einiges wird dort zu Holzkohle verarbeitet. Dazu verwendet er einen Köhlerofen, mit dem man in einem Tag Holzkohle herstellen kann. Auch hier wird der Transport minimiert, indem die Einrichtung zum Holz gebracht wird und nicht umgekehrt. Somit muss er nur noch das leichte Endprodukt Holzkohle abtransportieren. Ben hat eine Reihe von Gerätschaften, um schweres Holz manuell zu bewegen: Winden, aber auch das Hebe- und Fahrgerät „the mule“ (zu deutsch der Maulesel) erlauben ihm, erstaunlich schwere Stämme manuell zu transportieren.

Sein Projekt ist autark, resilient und nachhaltig

Die Arbeit im Niederwald hat Ben Law reich beschenkt. Seine tiefe Verbundenheit mit der Natur ist zu spüren und ich bestaune sein Wissen und sein vielfältiges, handwerkliches Können. Offensichtlich ist hier ein bescheidener Mensch mit Begabung und Fleiss am Werk. Sein Lebens- und Arbeitsort bietet eine überaus hohe Lebensqualität. Bei der Bewirtschaftung achtet Ben Law auf Ökologie und Ökonomie gleichermassen.

Sein Projekt ist in einem hohen Grad autark:

• Gemüse, Beeren und Obst wachsen im Garten, Wildfrüchte, Pilze und viele weitere Nahrungsmittel in seinem Wald.
• Er ist nicht ans Stromnetz angeschlossen. Der grösste Teil seiner Energie wird im Wald produziert: Brennholz, Sonnenkollektoren, Photovoltaik und ein Windrad. Benzin für Fahrzeuge und Maschinen machen hier die Ausnahme.
• Er besitzt Wald, hat ein eignes Haus, eine Werkstatt, eine eigene Quelle. eigentlich alles , was man zum Leben braucht.

Sein Projekt ist resilient:

Resilient bedeutet, dass ein System Rückschläge in mehreren Bereichen verkraftet kann, ohne dass als es Gesamtes in die Krise kommt. Dies ist in unserer Zeit mit ihren grossen Ungewissheiten entscheidend. Ben Law scheint gegen die Gefahren des 21. Jahrhunderts bestens gewappnet:
• Da er nur wenig Fremdenergie braucht, kann Peak oil – die sich abzeichnende Erdölknappheit – ihn nicht ruinieren.
• Da er kaum verschuldet ist, braucht er kein Wachstum um seine Schulden zurück zu bezahlen.
• Da er viele verschiedene und grundlegende Dinge für den Alltag lokal produziert, scheint er für die Wirtschaftskrise bestens gewappnet.
• Stürme, starke Regenfälle oder andere Naturkatastrophen können kaum zu einem Totalschaden in seinem Niederwald führen.
• Da er über sehr viele Fertigkeiten und Fähigkeiten verfügt, kann er verschiedenste Arbeiten und Aufgaben übernehmen.

Sein Projekt ist nachhaltig:
Nachhaltig im engeren Sinne bedeutet, dass die gegenwärtige Generation ihre Bedürfnisse befriedigt, ohne die Fähigkeit der zukünftigen Generation zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen zu können. Zur Nachhaltigkeit gehören insbesondere drei
Aspekte. Ökologie, Ökonomie und Soziales.

Sein Projekt ist ökologisch:
Sein Wald weist eine grosse Biodiversität auf. Die Bodenfruchtbarkeit wird langfristig erhalten. Es wachsen mehr Ressourcen nach als er braucht. Er benutzt kaum Gifte.

Es ist sozial:

Ben Law ist Mitbegründer des FSC-Siegels. Seit 2000 arbeiten und lernen mit Ben Law jeweils für ein Jahr zwei junge Leute als Praktikanten. Er unterstützt viele Woodmen and Woodwomen mit Rat und setzt sich für ihre Interessen ein. Seit vielen Jahren gab es in Lodsworth keinen Dorfladen mehr. Da Dorfläden ein entscheidendes Element der Relokalisierung der Wirtschaft und somit der nachhaltigen Entwicklung sind, schlug Ben der Dorfgemeinschaft vor einen Dorfladen aus Rundholz zu bauen. Im Sommer 2009 setzt Ben Law mit Freiwilligen und Dorfbewohnern dieses Projekt um.

Es ist wirtschaftlich:
Das Dorfladenprojekt zeigt, wie grosszügig Ben Law ist und wie gut es ihm wirtschaftlich geht. Er schenkt dem Dorf das Bauholz und arbeitet als Bauleiter mehrere Monate gratis. Die Aufbauphase einer solchen Existenz und Lebensweise dauert seine Zeit. Ben Law sagt, dass er vor 10 Jahren dieses Geschenk dem Dorf noch nicht hätte machen können. Die Arbeit im Wald, wie sie Ben Law macht, ist physisch anstrengend und der Stundenlohn für viele Arbeiten bescheiden, dennoch ernährt er als Alleinverdiener eine Familie mit drei kleinen Kindern.
• In seinem Wald hat er schnell nachwachsenden Rohstoff für die verschiedensten Produkte wie Balken, Bretter, Wildholzmöbel, Pilzzucht oder Rundholzbauten. In den letzten Jahren war er als Baumeister für Rundholzbauten sehr gefragt und beschäftigt.
• Seine Kurse und Besuchertage sind sehr beliebt. Seine Bücher verkaufen sich gut. Somit hat Ben Law viele Einkommensquellen und verschiedenste Möglichkeiten, Geld zu verdienen.
• Seine Lebenskosten sind tief, denn Ben Law hat sein Haus für nur 28’000£ gebaut und hält so die Verschuldung minimal.
• Selbst seine Pension entnimmt er dem Wald. Seit einiger Zeit hebt er besonders wertvolle Stämme auf und trocknet sie langsam. Er will sie später als „Pensionierter“ verarbeiten oder verkaufen.

Ben Law inspiriert
Ben Law hat Ende der 90 Jahre das vielfältige Handwerk der Niederwaldbewirtschaftung von Bill Hogarth, einem der damals letzten woodmen in England gelernt. Zur Zeit ist er selber der bekannteste und herausragendste Woodman in ganz England. Er hat diese uralte und sinnvolle Wirtschaftsform unserer Zeit angepasst und gibt sein Wissen grosszügig weiter. Seit 10 Jahren kommen junge Menschen in seinen Wald und arbeiten mit ihm mindestens 4 Monate, oder auch ein ganzes Jahr. So lernen sie das vielfältigen Handwerk von Waldwirtschaft und Holzverarbeitung. Ben hofft natürlich, dass sie anschliessend selbst diese ökologische, permakulturmässige Waldwirtschaftsmethode anwenden und weiter entwickeln. Ben macht Führungen und gibt wenige, spezialisierte Kurse. Dass sein Know how begehrt ist, zeigt die Tatsache, dass die zwei kommenden Besuchertage bereits ausgebucht sind. In seinen informativen und inspirierenden Büchern „The Woodland Way“ und „The Woodland Year“beschreibt Ben ausführlich seine Bewirtschaftungsmethoden. Ich schätze die Bücher sehr, weil er über sein erprobtes Wissen schreibt.

Weitere Infos unter www.ben-law.co.uk

Download Bericht „Ben Law – Leben im Wald“, von Beat Rölli
Download Bericht „Ben Lawś Rundholzbau“, von Beat Rölli

Wwoof-Abenteuer der Familie Hummer in England

Liebe Perma-Norikum-Freunde!
Wir schicken mit einiger Verspätung ganz herzliche Grüße von unserem Wwoof-Abenteuer in England!
Es ist schon ein Zeiterl her, dass wir bei Euch waren am Perma-Zertifikats-Kurs, und wir haben inzwischen oft an Euch und an die gute Zeit miteinander gedacht. Wir sind planmäßig 10 Tage später in Wien gestartet(Nachtzug Wien-Düsseldorf mit Auto am Zug), hatten am ersten Tag mittags eine gute Überfahrt von Calais nach Dover mit der Fähre, und mit dem Auto noch bis Brighton. Die Zeitverschiebung (eine Stunde früher) war weniger beeindruckend als der Wechsel der Fahrbahnseite (Linksverkehr – mit
rechtsgesteuertem Auto ein besonderes Erlebnis!) Die Hinweistafeln
„Drive left“ waren anfangs häufig und hilfreich. Am zweiten Tag konnten wir
Nach einer langen Auto-Stau-Fahrt gegen Abend EXETER und unseren ersten
Wwoof-Gastgeber Andrew erreichen, der uns mit einem guten Dinner
begrüßte.Hat unsere Erwartungen an die englische Küche völlig übertroffen, mit organisch gewachsenem Gemüse-Curry, Salaten, Basmati-Reis, Kartoffeln
und Kichererbsen…Unsere Zelte haben wir allerdings bei strömendem Regen aufgestellt! (Wir fanden eine Möglichkeit, sie trotzdem innen trocken zu halten).

Beim 2-Mann Zelt (Harald und Helene) mussten wir allerdings feststellen,
dass uns die Stangen fürs Vorzelt abhanden gekommen sind… könnte sein,
dass wir sie am Stadlhof in der Wiese vergessen haben? 2×2 ca. 1/2m
lange Alu-Steckstangen, jeweils 2 mit Bodenkappe und 2 mit Spitze? Falls ihr sie gefunden habt (oder vielleicht einer der anderen Teilnehmer, z.B.
Klaus?)könntet ihr sie bitte für uns reservieren?! Wäre fein!

Anfangs war es also etwas feucht auf unserem Camping“field“, aber wir Hatten auch genügend schönes Wetter um wieder durch und durch trocken zu werden.WEST-TOWN-FARM bedeutete zuerst einmal warm werden mit der englischen Sprache, und die Gastgeberfamilie und viele ihrer Freunde haben uns ganz herzlich aufgenommen. Äpfel pflücken, Kartoffel klauben, Kürbis ernten und Holz-Schuppen aufräumen haben uns die Zeit kurz gemacht. Mit der uns eigenen österreichischen Gründlichkeit sind wir recht gut angenommen worden, haben Freunde gewonnen und eine Einladung zum Wiederkommen.
Nach zwei Wochen sind wir etwas weiter in den Süden gefahren, zu unserer
nächsten Gastgeberfamilie in einem „Permakulturgarten“ (stand im
Wwoof-Buch). Vorgefunden haben wir eine große Dichte an Ressourcen, kaum
Bis keine Struktur und Null Planung. Und mehr Permakultur wollten sie auch nicht, war ihnen genug, so wie sie‘s hatten. Aber sonst waren die Leute nett. Die Woche war nicht allzu lang, nach dem Roden von diversen Unkräutern und einigen Teichgrabungen sind wir frohen Herzens wieder abgefahren.

Dann ging es ca. 100 Meilen nach Norden, zur nächsten Farm, MIDDLE
CAMPSCOTT, nahe ILFRACOMBE, Norddevon. 4 Hunde (Border-Collies
„Schafhunde“), 5 Katzen, 180 Schafe (davon 56 zu melken) und einige
Ziegen, ca. 60 Weidekühe (nicht zu melken, sondern für Beef), diverse Hühner (verschiedene, die grüne und blaue Eier legen), Enten, Gänse, … und vier wunderschöne Hähne. Hier hatten wir 2 Doppelzimmer, echt Luxus, und – ein eigenes Badezimmer mit Innentoilette! Nach 6 Wochen Zelt in diesem Sommer war das wie im Paradies. Harald und Helene waren täglich im Melkstand, ich durfte jede Woche mittwochs beim Käsemachen dabei sein, mal Ziegen- mal Schaf-Cheddar. Und den aßen wir auch gerne! Helmut war am Heumachen, Heckenschneiden,…Wir kochten gemeinsam mit den Farmleuten, und Lunch sowie Supper wurde im Dining-Room mit Silberbesteck serviert…
War eine sehr schöne Zeit, wir hatten viel Gelegenheit, englisch zu
sprechen. Und das schönste war die Landschaft! Aussicht über die
„Rolling Hills of Devon“ bis zum Meer, wunderschöne Küstenlandschaft, viele
wunderschöne Sandbuchten, Klippenwaderungen,… Wir wollten gar nicht so
gerne wieder wegfahren.

Dann kamen wir wieder ein Stück weiter nach Süden, Nähe Great
Torrington, zu einem neu gepflanztem Waldland: HEMBURY ORCHARD. Die Besitzerin hat seit dem Jahr 2000 ca. 1300 Bäume gepflanzt, Eichen, Buchen, Birken, Weiden, Eschen, Pappeln,… alles, was hier so im ursprünglichen moorähnlichen Waldland wächst. Wir haben mit ANNE einen alten Weidezaun wieder aufgestellt, und 70 Eichen und Eschen (ca. 1,5m hohe Containerpflanzen) gesetzt. Wir wohnten in einem geräumigen „Mobile Home“ mit eigener Kochecke und hatten zu jedem Frühstück frische Himbeeren. Auch von Anne haben wir eine Einladung, wiederzukommen, die Woche verging recht schnell. Planungsgemäß fuhren wir wieder weiter, diesmal tief nach Cornwall hinunter (also wieder Richtung Süden), Nähe TRURO.

KENNAL VALE MILL ist eine ehemalige Mühle (das Mühlrad gibt es noch), und
hier leben mehr 2- als 4-Beiner: Großeltern, Eltern, 2 Kinder und eine
Katze. Wir haben hier 2 Wochen lang Unkraut gerodet und Fenster gestrichen,
und geholfen, dass zumindest ein Teil des Gartens wieder seinen Namen
verdient, nach ca. 5 Jahren Verwilderung. Die Familie war froh, uns als
Helfer zu haben, und nachdem sie zuerst nicht so sicher waren, ob sie
wirklich gleich 4 Österreicher bei sich aufnehmen sollten, sind wir auch
hier eingeladen worden, wiederzukommen. Wir wohnten in einem aufgelassenen
Cottage, mit nur einem Nachtstrom-Heizofen und abends Kerzenlicht. Bad und Küchenbenützung im Cottage der Gastgeber. Die gemeinsamen Mahlzeiten mit
Der Familie waren ein gutes Sprachtraining. Helene machte meist 2x täglich Brot (mir dem Brotbackautomaten), das war recht gut zu essen, und morgens gab es täglich Porridge! Manchmal mit Haferflocken, manchmal mit Quinoa, das gibt ein gut wärmendes Frühstück, wenn‘s nächtens recht kühl ist!

In der Nähe von Truro haben wir eine neue Farm besucht, die seit einem Jahr auf Lama-Zucht umstellt (derzeit 40 – 60 Lamas?!). Wir haben die Menschen dort kennengelernt und werden ab ca. 8. November mit ihnen und den Lamas arbeiten. Wir freuen uns schon darauf. Seit Sonntag, 14. Oktober sind wir wieder in EXETER bei ANDREW, diesmal allerdings nicht im Zelt. Wir wohnen im umgebauten Hühnerstall, das ist ein neu isolierter Stallabschnitt, mit Holzofen beheizbar, offenem Halbstock mit Schlafplatz und nicht so gut beheizbarer Küche nebenan. Heute früh hatte es beim Frühstück 12°C, da darf der Tee und der Toast schon ordentlich heiß sein! Wir halfen, das Apfel- und Kürbisfest vorzubereiten, das am Wochenende hier stattfand. Zuerst haben wir einen großen Anhänger Kürbisse geerntet (würde gerne wissen, wie viele das waren!), und dann ging es ins Apfelpflückfinale. Gut, dass Helene und Harald schwindelfreie Baumkletterer sind! Das Apfel- und Kürbisfest war ein voller Erfolg! Am Samstag war das Wetter zwar trübe, und die Temperaturen mehr als „chilly“(würde eher frostig sagen, nach dem Raureif am Morgen), aber schon um 11 Uhr waren jede Menge Menschen da. Beim Kürbisschnitzen, Apfelschälen (wer schält die längste Apfelschalenschlange), Apfelverkosten und diversen anderen Aktivitäten, z.B.: zum Thema „Food-Miles“ war der Andrang groß. Wir halfen auch in Küche, Service und Verkauf, und der Tag verging wie im Flug. Sonntag war dann strahlend schönes Wetter, und noch mehr Besucher. Helmut war am Cider pressen (mit einer Handpresse), und wir hatten alle Hände voll zu tun und viel Spaß. Ein voller Erfolg für die Farm!

Die Frage, warum wir solange nichts von uns hören ließen, ist jetzt vielleicht beantwortet: Die Zeit vergeht so schnell, und es gibt soviel Abwechslung! An Dich – bzw. Euch im Stadlhof haben wir dennoch oft gedacht, nicht nur wegen der Zeltstangen. Wir haben viele Menschen kennengelernt, die alle mehr oder weniger schnell am Weg sind, nachhaltig und umweltbewusst ihre Lebensumstände zu gestalten, und das ist ein reiches Erfahrungsfeld. Wir wünschen Euch eine gute Zeit, viel Erfolg und gute Ideen und Fortschritte! Vielleicht lasst Du, Bernhard, auch mal was hören von zuhause…
Viele liebe Grüße von Helmut, Harald und Helene Barbara Hummer