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Vortrag: Humusaufbau

Humusaufbau: Chance für Landwirtschaft und Klima
Samstag, 19.1.2013, 13:00 – 16:00 Uhr
Altes Rathaus, Hauptplatz 1, 4020 Linz, Pressezentrum
Eintritt frei!
Um Anmeldung bis 16.1. wird gebeten
per Email oder Tel: 0732 / 73 94 00–524 oder 0699 10 59 30 23

Unsere Böden sind enorm wichtig für die Erzeugung gesunder Lebensmittel,
sauberen Wassers und den Schutz des Weltklimas – am Acker, im Grünland und im
Hausgarten! Der weltweite Boden speichert etwa doppelt so viel Kohlenstoff als sich
insgesamt in der Atmosphäre befindet. Aber die aktuell weit verbreitete Form der
industriellen Landbewirtschaftung ist Mitverursacher von Klimagasen und der Boden
emittiert dabei mehr Kohlenstoff, als er bindet. Deshalb bietet sich vor allem für
Bäuerinnen und Bauern die Chance, CO2 in hochwertige und langfristig stabile
Humusformen umzuwandeln.
Vortragende: Gerald Dunst und Wolfgang Pirklhuber
Veranstalter: Grüne Bäuerinnen und Bauern

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Fragmentiertes Zweigholz zur Förderung der biologischen Vielfalt

Fragmentiertes Zweigholz zur Förderung der biologischen Vielfalt
Ein Bericht von Angelika Gasparin-Bammer aus Gmunden / Oberösterreich

Eine visuelle Bodenprobe wird gemacht
Eine visuelle Bodenprobe wird gemacht

Allein die Lebendigkeit des Bodens beeinflusst die Fruchtbarkeit: Fragmentiertes Zweigholz (bois raméaI fragmenté) bietet hierzu einen entscheidenden Schlüssel. Seit Jahren sieht sich die Menschheit trotz massiven Einsatzes mineralischer Dünger mit einer Stagnation und sogar mit einem Rückgang der Erträge in der Landwirtschaft konfrontiert. Virus- und Pilzerkrankungen der Pflanzen sind im Zunehmen begriffen.

Die biologische Vielfalt nimmt stark ab, wohingegen die Verödung und Verwüstung ganzer Landstriche in vielen Ländern zu beobachten sind. Professor Gilles Lemieux von der Universität Laval, Québec, Kanada und sein Forschungsteam beschäftigen sich seit den 80er Jahren mit einer von forst- und landwirtschaftlichen Böden. Es handelt sich dabei um so genanntes Fragmentiertes Zweigholz (FZH). Zweige mit einem maximalen Durchmesser von 7 cm – in den meisten Ländern ein Abfallprodukt in der Forstwirtschaft – werden zu Spänen von 2 – 10 mm Dicke und bis zu 10 cm Länge zerkleinert. Wichtig hierbei ist, dass mindestens 80% der Zweige Laubholz sind, da die Harze und Terpenen der Nadelhölzer eine starke Bakterizidenwirkung ausüben.

Permakultur Landschaft mit Hecken eingefasste Schafweide
Permakultur Landschaft mit Hecken eingefasste Schafweide

Die ersten Versuche wurden in minderwertigen Forsten durchgeführt, um wieder funktionierende Ökosysteme auf zu bauen. Dabei wurden je Hektar zwischen 150 und 300 m³ FZH von gut entwickelten forstlichen Ökosystemen auf ärmere Böden in Form eines ‚sheet mulching’ aufgebracht. Nach drei bis fünf Jahren konnten erstaunliche Ergebnisse beobachtet werden: Die Ansiedlung von Forstpflanzen wurde so auf natürlichem Weg gefördert, die mikrobiologische Aktivität im Humus nahm stark zu und aus einer degradierten Umgebung bildete sich wieder ein intaktes Ökosystem. Nun stellt sich dem Forschungsteam die Frage, ob diese Anwendung der Fruchtbarmachung nicht auch auf landwirtschaftlich genutzte Böden übertragbar wäre. Wie Versuche nicht nur in Kanada, sondern auch in der Ukraine, auf den Antillen und in Afrika zeigten, kam es zu einer enormen Ertragssteigerung. Hierbei wurden pro Hektar zwischen 150 bis 200 m³ FZH mit den oberen 5 cm des Bodens gemischt, jedoch nicht eingepflügt, da dies zu unerwünschten anaeroben Prozessen geführt hätte.

Wie die Versuche zeigten, kam es zu einer verbesserten Wasserverfügbarkeit für die Pflanzen, einer Zunahme der Biodiversität und der Produktivität, sowie einer erhöhten Fruchtbarkeit des Bodens durch eine Vermehrung der organischen Substanz. Außerdem stellt sich ein pH-Wert von 7 ein. Wie lassen sich nun diese positiven Ergebnisse erklären? Der Grundprozess des Humusaufbaus, der laut Lemieux in Wirklichkeit die Mineralisierung und Fruchtbarkeit steuert. und die Freisetzung der in den FZH zahlreich vorkommenden Nährstoffen (Zuckerarten, Zellulosen, Vitamine, Proteine, Enzyme, Lignine etc.) gehen von Basidiomyceten (Weißfäule-Pilzen) aus, welche Lignin entpolymerisieren, Pflanzensymbiosen eingehen und den Bakterien, die im Bodenleben eine wichtige Rolle spielen, nützlich werden. Mit seinen Untersuchungsreihen möchte das Forschungsteam anregen, das in vielen Ländern ungenutzte Zweigholz für eine ,grüne Revolution’, wie Lemieux es ausdrückt, nutzbringend zu verwenden und damit ausgelaugte Böden wieder zu beleben. Ein Aspekt, der hierbei immer wieder angesprochen wird, ist das vernetzte Denken von Land- und Forstwirtschaft.

Interessant ist die These, die Lemieux aus seinen Forschungsergebnissen formuliert. Davon ausgehend, dass jeder landwirtschaftliche Boden aus Wäldern hervor gegangen ist, lässt sich eine Verbindung zwischen der Bestandsqualität und der biologischen Qualität des Humus vermuten. (…) Kennen wir die chemische Zusammensetzung der Bestandteile des Bodens und die Verbindung zwischen der Verfügbarkeit dieser Bestandteile und der Bedürfnisse der Pflanzen für ein maximales Wachstum, so sind uns jedoch die regulativen Mechanismen weitgehend unbekannt. Es lässt sich nicht bestreiten, dass die Chemische Industrie viel zu einer Sicherung der Lebensmittelversorgung beigetragen hat, dafür aber im Gegenzug bewirkt hat, dass kaum über die Mechanismen und Zusammenhänge für ein biologisches Gleichgewicht geforscht wird. Wie wird es nun möglich, bessere Qualität und höhere Qualität zu produzieren, ohne eine entsprechende Zufuhr von Stickstoff, Phosphor und Kali? Wir sind zu der Ansicht gelangt, dass FZH einen entscheidenden Beitrag zum Aufbau der Humusschicht leistet und daher nicht mit einer Zufuhr chemischer Mineraldünger vergleichbar ist. Das heißt, dass FZH dem Boden alle notwendigen Materialien, um die bioiogische Entwicklung des Bodens pédogénèse) anzukurbeln, zuführen kann, mit anderen Worten die biologische Gesundung des Bodens fördert. Sofort nach Eintrag des Holzmaterials verändern sich die Bodenbedingungen, vorausgesetzt, dass die PiIze die Entpolymerisierung des Lignin aktiv betreiben.

Konkretes Beispiel aus der Ukraine

In der Land- aber auch in der Forstwirtschaft wurde bisher das Hauptaugenmerk auf die Mineralisierung gerichtet. Dem Prozess des Humusaufbaus, der die Mineralisierung und die Fruchtbarkeit des Bodens reguliert, wurde kaum Beachtung geschenkt. Ein konkretes Projekt (1997-1998) in Boyarska, Ukraine, wo ein Klima herrscht, das dem österreichischen nicht unähnlich ist, brachte interessante Ergebnisse. Häckselgut soll nur aus Zweigen mit  einem Höchstdurchmesser von 7 cm gewonnen werden. Laubholz eignet sich auf Grund seiner Inhaltstoffe am Besten, höchstens 20% Nadelholz. Die Zweige sollten am Besten ohne Blätter, d. h. im Winter gesammelt werden. Das Fragmentierte Zweigholz wird nur in die obersten 5 cm des Bodens eingearbeitet. Menge: 150 bis 200 m³ Fragmentiertes Zweigholz pro Hektar. Die besten Ergebnisse werden erzielt, wenn noch zusätzlich pro m² zum FZH ein paar Gramm guter Walderde beigemengt wird, da sie eine Vielzahl an Mikroorganismen etc. enthält. Vor allem ab dem 2. Jahr zeigen sich merkliche Verbesserungen der Bodengüte welche bei einer einmaligen Gabe bis zu 5 Jahre anhält.

Beschreibung des Versuchsprojektes

Im März 1997 wurde ein erstes Versuchsfeld angelegt, in dem FZH aus Laubholz (Ahorn, Robinie, Eiche), das kaum Laubreste enthielt, in die oberste Bodenschicht eingearbeitet wurde. Im September wurde ein zweites Versuchsfeld mit FZH mit Laubresten angelegt. Als Kontrollfeld gab es zusätzlich einen Bereich ohne FZH. Die Ergebnisse wurden anhand der Versuchspflanze Roggen bewertet, die auf den Versuchsfeldern wuchs.

Ergebnisse

Die Ernte des Roggens im Versuchsfeld 1 war um 45% höher als die des Kontrollfeldes; das Versuchsfeld 2 lieferte etwas geringere Erträge, was auf die späte Ausbringung des FZH zurückzuführen ist. Was die Fruchtbarkeit des Bodens (Humusschicht, organische Stoffe, verfügbarer Stickstoff, Phosphor, Calcium. Magnesium etc.) anbelangt, stieg diese in den zwei Versuchsfeldern stark an, ebenso die Biodiversität. Erste „Siedler“ in FZH behandelten Böden  sind nachweislich Basidiomyceten (Weißfäule-Pilze), welche in kürzester Zeit Enzyme zur Entpolymerisierung von Lignin produzieren können, d. h., sie nehmen unverzüglich die Nährstoffe des FZH auf, dienen den Bodenlebewesen in der Folge als Nährstoffquelle und leiten als eine Art Boden-Pipeline Nährstoffe wie Phosphor und vor allem Wasser weiter. Daher ergibt sich die bessere Wasserverfügbarkeit für Pflanzen. Lemieux weist darauf hin, dass – im Gegensatz zur Kompostierung, wo Bakterien eine wichtige Rolle spielen – diese Pilze bei der Nährstoffaufschließung des FZH die wichtigste Rolle spielen. Analysen zeigten vor allem im ersten Versuchsfeld Verbesserungen yon Qualitätsindikatoren(Tausend-Korngewicht, Samenanlage, Proteingehalt). Doch wurde der Zunahme der Artenvielfalt als wichtigster Faktor für eine Bodenverbesserung große Beachtung geschenkt. Hier konnte im ersten Jahr vordergründig eine Zunahme von verschiedenen  Pilzarten beobachtet werden.

Verbindung von  Land- und Forstwirtschaft

Was ist nun so interessant an Lemieux‘ Arbeit? „Die FZH-Technologie ist ein effizienter Weg, Haupteigenschaften der Ökologie des Waldes in landwirtschaftliche Böden einzubringen,. um eine nachhaltige Wirkung auf die Stabilität des Bodens. Nährstoffverfügbarkeit und eine positive Beeinflussung auf Bodenlebewesen auf biologischem Weg zu erreichen. Es sollte ein ökonomisches und soziales Anliegen aller sein, eine geringe Bodenfruchtbarkeit nicht für gegeben anzusehen, sondern eine bessere Qualität zu fördern. Anstatt alle ‚biologischen Feinde’ zu bekämpfen, sollte die Menschheit ein harmonisches Zusammenleben anstreben.“

Literatur:
Gilles Lemieux: A new forested technology for agricultural purposes; The RCW Technology. 1998.
Anatolij Chervonyi: Researchproject  on RCW Technology an Rye (Secale cereale). 1999.
Gilles Lemieux: Les Germeseconomiques et scientifiques de la Revolution verte au Sahel. 1996.
Caron, Celine: Ramial Chipped Wood: A basic tool for Regenerating Soils. 1994.

Zahlen und Fakten zum Thema Ernährungssicherheit

Notizen zum Kongress „Wie ernähren wir uns in Zukunft?“
(Dez. 2009, Spes-Akademie, Schlierbach/OÖ)

Globale Nahrungssicherung für eine wachsende Bevölkerung
(Karl von Koerber, TU München)

38% der Landflächen sind für die Landwirtschaft verwendbar
38% der Landflächen sind für die Landwirtschaft verwendbar

69% der landwirtschaftlichen Fläche wird als Weideland genutzt
28% der landwirtschaftlichen Fläche wird als Ackerland genutzt
3% der landwirtschaftlichen Fläche wird für Dauerkulturen verwendet

Das Ackerland wird bis 2030 auf kosten tropischer Regenwälder um 13% wachsen!

Flächenaufteilung nach Verwendung für Lebensmittel

29% Fleisch
17% Milch
24% Öle und Fette
11% Getränke (Cola, Fanta, Sprite, andere Limos, Bier, …)
5% Kartoffel, Gemüse und Obst
5% Brot

Die Anbauflächen von Kaffee und Tee sind größer als die von Gemüse!

Fleischverbrauch kg/Person/Jahr

Weltweit ø 37,4 kg
Industrienationen ø 90,2 kg

Im Jahr 2030 werden 60% der Weltbevölkerung in Städten leben.

Von einer umweltverträglichen Landnutzung bis zum zukunftsfähigen Lebensstil
(Alois Heißenhuber, TU München)

Zur Zeit steigt der Fleischverbrauch in den Schwellenländern durch ein neues Konsumverhalten um das 2-3 Fache an. Landgraping bzw. Neokolonialismus sind aktuelles Thema in den Ländern des Südens. 80% des europäischen Proteinbedarfs wird importiert, was der Fläche von 30 Mio ha, beinahe das 3 Fache der Ackerfläche Deutschlands (12 Mio ha) entspricht.

Mehr und mehr Menschen dem Hunger preis geben?
Von Internationalen Versprechen und Antworten auf die Krise

(Gertrude Klaffenböck, FIAN-Food first Information and Action Network)

50% aller Lebensmittel weltweit werden von Kleinbauern unter 2 ha produziert lt World Food Report 2009
50% aller Lebensmittel weltweit werden von Kleinbauern unter 2 ha produziert lt World Food Report 2009

Hungernde Menschen Weltweit:

50% Kleinbauern
20% Landarbeiter
10% Fischer und Nomaden
20% Stadtbewohner
( 50% aller Lebensmittel weltweit werden von Kleinbauern unter 2 ha produziert lt World Food Report 2009)

Ursachen des Hungers:
Ernteausfälle oder Dürren
Energie und Rohstoffpreise
Agrotreibstoffe
Spekulation
Konsumverhalten der Schwellenländer (nach dem Vorbild der Industrienationen)
Hauptteil von Nahrungsmittelkrisenhilfe fließt in Verteilung von Saatgut und Düngemittel, das bedeutet, dass in Wirklichkeit wieder nur Großkonzerne unterstützt werden! (Ihr habt den Hunger, wir haben die Gewinne …!)

Technikphantasien versus Ökologie der kurzen Wege
(Franz-Theo Gottwald, Vorstand Schweisfurth-Stiftung)

Einsatz von gentechnisch verändertem Saatgut

Versprechen:
höhere Erträge
Reduktion von Herbiziden
Reduktion von Pestiziden

Realität:
höherer Pestizideinsatz
höherer Herbizideinsatz
Gefährdung der Biodiversität
enttäuschende Erträge
höhere Preise
Monopolisierung

Optimiertes Zuchtgut konventionell beim Tier

Auch in der Tierwelt haben wir speziell auch bei Haustierrassen einen so großen Genpool zur Verfügung, dass wir uns nicht auf fatale und irreperable Folgen von Gentechnik einlassen müssen
Auch in der Tierwelt haben wir speziell auch bei Haustierrassen einen so großen Genpool zur Verfügung, dass wir uns nicht auf fatale und irreperable Folgen von Gentechnik einlassen müssen

Versprechen:
schnelles Wachstum
hohe Leistung
hohe Erträge

Realität:
Erbfehler
Krankheiten
Verhaltensauffällig
Qualitäts- und Geschmackseinbußen

Transgene und gentechnisch veränderte Tiere

Lachs und Schwein sind mögliche Lieferanten zur Medikamentenherstellung und zur Organzüchtung. Es gibt eine verstärkte Forschung in der Genanalyse.

Kleinbäuerliche Strukturen in Asien verfügen über eine Rentabilität von 95% im Gegensatz zu den Strukturen der Industrienationen, mit 30% Rentabilität.

Armut im Überfluss
(Alexandra Strickner, Attac Austria und Frithjof Bergmann, Ann Abor)

Derzeitiges Behandeln der Finanzkriste ist: „Das Verbrennen der Geigen unter den Dampfkesseln der Wirtschaft!“ Frithjof Bergmann

Zusatzinfo zum Thema Boden und Humus
Wo liegen die Humusgehalte in Europa? (Quelle: http://www.bodenwelten.de/)

Detaillierte Informationen über die Humusgehalte europäischer Böden liegen nur sehr unvollständig vor, da Humusgehalte standortbedingt und durch die Nutzung beeinflusst sind. Daher ist es schwierig, sich ein umfassendes und genaues Bild zu machen.

Seit Mitte der 90er Jahre hat das Bewusstsein für Böden deutlich zugenommen. Mittlerweile gibt es Schätzungen, nach denen 45 Prozent der Böden in Europa einen geringen (1-2 Prozent) oder sehr geringen (<1 Prozent) Humusgehalt aufweisen. 40 Prozent der Böden zeigen einen mittleren Humusgehalt von 2-6 Prozent. Nur 15 Prozent der Flächen besitzen einen Humusgehalt von über 6 Prozent.

Kombination zum Humusaufbau und zur Energiegewinnung – der Biomeiler nach Jean Pain

Kombination zum Humusaufbau und zur Energiegewinnung – der Biomeiler nach Jean Pain

Biomeiler im Allgäu (Quelle: Jochen Koller)

Viele Technologien zur Erzeugung von Wärme oder Strom bezeichnen sich als nachhaltig, regenerativ oder Co 2-neutral. Oft werden bei den Berechnungen viele Dinge nicht berücksichtigt, z.B. die Energie die reingesteckt werden muss, um das Kraftwerk zu bauen, für die Kunstdüngerproduktion bei Biokraftstoffen oder Lachgas-Produktion beim Rapsanbau. Getreu dem Motto „ich traue nur der Statistik, die ich
selbst gefälscht habe“ ist den Aussagen der Befürworter oft nicht zu trauen. Ein anderer Aspekt ist der, dass die Humusschicht der Erde immer weniger wird bei gleichzeitig steigender Weltbevölkerung. Die Verbrennung von Biomasse zu Heizzwecken oder beim Roden ist dabei eine Ursache. Dabei könnte verrottendes gehäckseltes Astwerk, evtl. auch verrottende gehäckselte Bäume sowohl der Erzeugung von Humus, als auch zur Energiegewinnung dienen. Eindrucksvoll hat dies der Franzose Jean Pain schon vor über 30 Jahren in Südfrankreich bewiesen. Wir haben versucht mit mittlerweile 3 Biomeilern, die im letzten Jahr gebaut wurden, diese Möglichkeit des 1981 verstorbenen Jean Pain wieder aufzugreifen.

Motivation und Ziele einen Biomeiler zu errichten

Meine Motivation zum Bau war zum einen, Helge zu unterstützen, zum anderen die Idee des 1981 verstorbenen Jean Pain weiterzutragen.
Das geniale am Biomeiler ist für mich die Einfachheit der Durchführung, die dezentralen kleinen Möglichkeiten der Energierzeugung und vor allem der Erhalt und Aufbau von Kompost/Humus anstatt Verbrennung mit Staubproduktion und Ascheproduktion wie bei Hackschnitzeln, Pellets oder Scheitzholzverbrennung. Faszinierend finde ich auch daran, dass dabei Materialien benutzt werden können, die sonst eher nicht genutzt oder für überflüssig gehalten werden. Für mich gibt es keine überflüssigen oder nicht sinnvoll zu nutzende Materialien, sondern lediglich fehlendes Wissen oder Ideen. Der Biomeiler ist für mich eine Grundidee, die jeder Mensch variieren kann, je nachdem was er will, kann und als Material zur Verfügung hat. Für mich war der Workshop auch eine Möglichkeit, als technisch nicht sehr verständiger Mensch ( der aber über viele Infos über die hier verwendete Technik und konkrete Erfahrungen beim Meilerbau bei Herbert Siegel verfügt), ein technisch-praktisches Projekt außerhalb meiner bisherigen Fähigkeiten durchzuführen. Dies war durch die Zusammenarbeit mit einem praktisch und technisch verständigen Menschen wie Helge Reiter möglich , der außerdem noch technische Hilfsmittel organisieren konnte.

Der Biomeiler soll ein Gewächshaus, das in den nächsten Wochen von Helge aufgestellt wird, beheizen und dadurch die Energiekosten niedrig halten. Was sollte da genau geschehen? Ende der 70 er des letzen Jahrhunderts entwickelte der Forstwart Jean Pain in Südfrankreich das Konzept des sogenannten Biomeiler. Er nutzte dazu die Biomasse von Astwerk, speziell auch den unteren Ästen der Wälder und herumliegende Äste, um dadurch die Gefahr von Waldbränden zu verringern. Die angefallene Biomasse verhäckselte er sehr fein und nutzte sie zur Erzeugung von Warmwasser, Biogas und Aufbau von Gärten (ein Film und Infos dazu gibt es unter http://www.biomeiler.at )
Biomeiler bei Herbert Siegel aus dem September 2008 in der Aufbauphase. Dieser Meiler aus gehäckselten Ästen hat ca. 35 m3 bei geringer Grundfläche und produziert seit 13 Monaten Warmwasser für Heiz- oder andere Zwecke. Ermöglicht wird dies durch 1-Zoll PE-Schläuche, die im Meiler spiralig verlegt wurden und von außen zeitweilig mit kaltem Wasser gefüllt werden, das nach einiger Zeit durch die Wärme im Inneren des Meilers (Verrottungswärme wie bei Komposthaufen) erwärmt wird und dann in den Heizkreislauf oder zu anderer Nutzung eingespeist wird.

Ressourcen

a. Menschliche:
Da ich selbst schon beim Bau des ersten Biomeiler bei Herbert Siegel in Missen im Allgäu aktiv dabei war (s. Bild oben) und die Idee des Biomeiler nach Jean Pain an andere Menschen weitergebe, bat mich Helge, dazu einen Workshop anlässlich der Öko-Erlebnistage durchzuführen. Die Öko-Erlebnistage werden von den Bio-Anbauverbänden jedes Jahr organisiert. Teilnehmen können alle Bio-Betriebe, die von ihnen angebotenen Aktivitäten werden veröffentlicht, im Internet gibt es eine Programmübersicht, in manchen Jahren gab es auch ein gedrucktes Programmheft. Gedacht war von Helge und mir, dass durch die Ausschreibung über die Öko-Erlebnistage und durch den Hinweis in mehreren Verteilern Interessierte und Helfer dazu stoßen könnten, die dadurch den Bau unterstützen und gleichzeitig Erfahrungen und Wissen bekommen. Die Ressourcen wie Material und Hilfsmittel wurden von Helge zur Verfügung gestellt, für das Know-How der Durchführung hatte ich in Zusammenarbeit mit Helge zu sorgen.

b. Materielle Ressourcen
Als Ressourcen standen die Fläche, Materialien wie Wasserschläuche und Zubehör, ein Bagger, eine Schubraupe, Mistgabeln, Schaufeln, Werkzeuge und vor allem diverse Bio-Materialien. Diese waren beim Biomeiler von Helge vor allem der Schnitt von Feuchtwiesen , der früher als Einstreu in den Ställen genutzt wurde und heute durch die Laufställe mit Spaltenböden nicht mehr benötigt wird. Außerdem hatte Helge mit Mitarbeitern Astwerk gehäckselt und es kam unreifer Kompost zum Einsatz.

Grenzen:
Begrenzt war der Bau in erster Linie durch die Menge an Material bzw. Kapital. Ursprünglich waren es über 120 Kubik Streu und einige Kubik Häckselgut, es stellte sich aber heraus, dass dies durch das Verdichten beim Erstellen doch nicht die gedachten 80 Kubik ergab, sondern ca. 58 Kubikmeter. Der Biomeiler ist aber immer noch der vermutlich größte bisher in Bayern gebaute , da der in Missen gebaute ca. 35
Kubik und der bei Lucia Hiemer ca. 10 Kubikmeter hatte. Die Form ist durch das fehlende Material verändert, positive oder negative Auswirkungen werden wir sehen. Räumliche Grenzen gab es keine. Der Bau fand auf der Fläche der Gärtnerei von Helge Reiter statt, neben einem Platz, auf dem ein Gewächshaus aufgebaut wird, dass dann die Wärmeenergie über eine Umwandlung des Warmwassers in eine Belüftung nutzt. Durch einen von der Fahrbahn abgekommenen LKW wurden Helge Reiter mehrere Gewächshäuser zerstört und sind die finanziellen Möglichkeiten z.B. für den Zukauf von Hackschnitzel nicht vorhanden, aber auch von der Idee her nicht gewünscht.
Die Materialien kosteten Helge nur die Spritkosten (Euro 100,- für die Bringung der Streu), ein wenig Diesel für den Traktor mit Häcksler und 20 l Diesel für Bagger und Schubraupe, sowie ca. 100,- für 130 m 1 -Zoll Wasserschlauch + Kupplungen, sowie KG-Rohre zum Schutz der Schläuche im Boden. Für Bagger und Schubraupe musste Helge wenig geben, da sie von Freunden sind (eher Tauschgeschäft)

Planung /Entwurf eines Biomeilers
Der Bau wurde vor fast einem Jahr von Helge beschlossen. Es fanden Gespräche zwischen Helge Reiter, Herbert Siegel, Erwin Zachl, Lucia Hiemer und mir statt. Bei Herbert Siegel war der erste Meiler im Allgäu gebaut worden, Erwin Zachl hatte die Idee des Meilers bei einem von mir organisierten Permakultur-Zertifikatskurs ins Allgäu gebracht und den Workshop bei Herbert Siegel durchgeführt , Lucia Hiemer
hatte den zweiten Biomeiler im Allgäu im Oktober letzten Jahres nach Besichtigung von Herberts Meiler gebaut . Das besondere an Lucias Biomeiler war, dass sie zu einem Großteil altes Gras + Holzspäne, sowie Grünabfälle verwendet hatte, um erfolgreich ihr Gewächshaus zu beheizen. Die Idee Helges Gewächshaus zu beheizen war zwar schon vorher vorhanden, wurde dadurch aber genährt. Die Verwendung anderer Materialien als gehäckseltem Astwerk erweiterte durch Lucia Hiemers erfolgreichen Versuch mit altem Gras unsere Möglichkeiten.
Die Erfahrung, dass der Biomeiler bei Herbert Siegel nach einem Jahr immer noch Wärme produziert und mein Wissen vom Bau, an dem ich selbst beteiligt war, prädestinierten mich dafür den Bau als Workshopleiter zu begleiten. Die Planung vom Ort, der Anwendung und der Organisation der Ressourcen wurden von Helge nach Absprache organisiert. Der Termin wurde gemeinsam festgelegt und auf die Öko-
Erlebnistage gelegt, um möglichst viele Menschen zu erreichen.

Bau eines Biomeilers
Der Bau sollte sich als ziemlich einfach erweisen, da die Ressourcen im Bereich der Maschinen sehr gut waren. Dadurch war gewährleistet, dass auch bei geringer Teilnehmerzahl die Erstellung funktionieren würde. Die Teilnehmerzahl war im Vorfeld nicht einzuschätzen , da auf konkrete Anmeldungen verzichtet wurde, was möglicherweise ein Fehler war. Helge hatte im Vorfeld Bagger und Schubraupe, Schläuche und Werkzeug, sowie fertiges Biomasse-Material besorgt, was eine Garantie für eine zeitlich passende Durchführung war. Dementsprechend funktionierte der Bau auch mit nur 3 Personen (Helge, Heribert und ich), sowie in der Küche zur Versorgung Angelika und ihre Tochter Martina. Die Verpflegung trug wesentlich zur guten Stimmung beim Bau bei. Der Bau selbst dauerte lediglich 13 Stunden, verteilt auf 2 Tage
Es ist sicher immer Geschmacksache, ob Bagger, Häcksler + Traktor und Schubraupe zum Einsatz kommen. Sind diese Geräte vorhanden oder günstig zu besorgen, halte ich den Einsatz für sinnvoll. Wenn nicht vorhanden, benötigt es mehr (wo)manpower.

Zum Vergleich:
Bagger + Schubraupe haben ca. 20 l Diesel für ihre ganze Arbeit beim Bau verbraucht. Ich selbst kam mit dem VW-Bus an zwei Tagen angereist und habe für die Hin- und Rückfahrten 40 l Diesel verbraucht. Hinzu kamen noch meine verbrauchten und wieder zugeführten Energien in Form von Essen und Trinken (Arbeitsumsatz durch körperliche Aktivität, vermutlich eher gering)

Erhaltung/Entwicklung
Helge muss noch die Pumpe anschließen und das Gewächshaus aufbauen, dann kann das Gewächshaus erwärmt werden.
Für den Erhalt, die Entwicklung und Nutzung ist Helge zuständig. Helge wird den Meiler vermutlich auch u.a. mit Zucchini und Kürbissen bepflanzen, so dass keine Anbaufläche verloren geht, im Gegenteil eine beträchtliche Vertikale Fläche hinzukommt, die sowohl Nährstoffe, als auch Wärme bietet.

Schlußbemerkung:
Die Schritte Planung/Entwurf und Erstellung wurden erfolgreich vollzogen, die Inbetriebnahme als Wärmespender, die weitere Nutzung als Anbaufläche und nach dem Zerfall als Humus müssen von Helge und seiner Mitarbeiterin Angelika durchgeführt werden. Da ich mit beiden Kontakt halte und auch Erwin Zachl und Herbert Siegel als Ansprechpartner zur Verfügung stehen, sehe ich die Nutzung und Zukunft des Meilers rosig. Durch die spezielle, z.T. auch zufällige Form (großer Durchmesser, geringe Höhe) erhöht sich die nutzbare Anbaufläche, da sowohl die horizontale Fläche, als auch die vertikale Fläche bepflanzt werden kann und gleichzeitig auch gut mit Nährstoffen versorgt ist und es wird auch noch Energie und Humus produziert. Im Gegensatz zu den schon genannten Heizsystemen wie die diversen Holzheizungen (die als ausschließliches Heizsystem mit dem geeigneten Material sicher effizienter sind, aber Biomasse nur einseitig nutzen und vernichten) erfüllt dieses Element wie in der Permakultur gefordert, mehrere Funktionen (Heizung, Anbaufläche, Dünger, Boden, Sichtschutz, Lebensraum…)

Anschrift d. Verfassers und Details vom Bau:
Jochen Koller, Hofenerstr. 5, 87527 Sonthofen/Allgäu
koller-wiggensbach@t-online.de