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Die Benjes-Hecke – wo die Büsche tanzen wollen

Ein Bericht von Waltraud Gadermaier, Naturschutzberatung BIO AUSTRIA OÖ und Bernhard Gruber, Perma-Norikum

Die Hecke als Lebensraum zu entdecken, diesen Anstoß gab Heinrich Benjes bei seinem Besuch in Oberösterreich. Herr Benjes, ein mittlerweile pensionierter Mittelschulleiter aus Niedersachsen ist auch bei uns als der „Vater“ der Benjeshecke bekannt. Nun widmet er sich neuen Aufgaben – der kindgerechten Gestaltung von Schulhöfen und Kindergärten.

Dass dabei die Natur eine große Rolle spielt, wurde in seinen Vorträgen mit anschaulichen Bildern deutlich. Da gibt es statt Rasen richtige Wiesen, wo noch Blumen blühen und auf denen Kinder laufen dürfen, Bäume zum Klettern und Sandhügel, die nicht in „Kästen“ gesperrt sind. Vor allem aber Büsche und heimische Gehölze, in großer Zahl gepflanzt, geben diesen „neuen“ Schulhöfen das Flair eines Abenteuerspielplatzes.

Zitat Heinrich Benjes: „ Das Wichtigste aber, das, was unserem Schulgelände Strukturen, Räume, Farben, Leben und Schönheit gibt – ist das Gebüsch! Hier, in der bunten Welt unserer heimischen Sträucher, zwischen Hasel und Holunder, liegt ein wahres Zaubermittel der Erziehung!“

Vom Anlegen einer Benjes-Hecke

Unter fachkundiger Anleitung von Heinrich Benjes, dem Mitbegründer der Benjes-Hecke, wurde am 13. März 08 am Bio-Hof der Familie Edlmayr in Niederneukirchen, südlich von Linz eine ca. 180 Meter lange Hecke angelegt. Mehrere Hecken, nach herkömmlicher Methode, wurden bereits vor 12 Jahren angelegt, so konnte aus den bereits ausgewachsenen Hecken Baumaterial für die Benjes-Hecke entnommen werden. An diesem windigen, verregneten Tag, begriffen die Teilnehmer des Workshops sehr schnell, welche wichtigen Funktionen so eine Hecke übernimmt. Nach der ersten, gut geschlichteten Gestrüppzeile, war auf der Wind abgewandten Seite, das feuchte März-Wetter schon viel leichter zu ertragen und das Pflanzen der eigentlichen Hecke konnte rasch geschehen. Einen Großteil der Jungpflanzen konnte Franz Edlmayr, Mitglied bei Permakultur-Austria, aus seinen bestehenden Hecken entnehmen. So war gewährleistet, dass das Pflanzmaterial auch für den Boden geeignet ist und es musste kein Transport über große Distanzen hingenommen werden. Nach dem Pflanzen von Haseln, Wolliger-Schneeball, Hartriegel, Pfaffenkapperl, Heckenkirsche, Traubenkirsche, Weißdorn, Wildrosen und anderen heimischen Heckenpflanzen, wurde die zweite Gestrüppzeile errichtet.

Die Benjes-Hecke im Querschnitt

Den Übergang von Feld auf Hecke sollte ein metriger Heckensaum, welcher nicht bearbeitet wird bilden. Auf den Heckensaum folgt die erste 1,5 Meter breite und 1,5 Meter hohe Gestrüppzeile. Als Baumaterial kann alles vorhandene Laubgehölz verwendet werden. Damit der Boden nicht versauert sollte von einer übermäßigen Verwendung von Nadelgehölz abgesehen werden. Am besten eignet sich Schnittmaterial von Weißdorn, Apfel- oder Birnbaum, denn es soll noch genug Licht zu den Pflanzen durchdringen können. Für die Heckenpflanzen sollte ein mindestens halben Meter breiter Streifen eingeplant werden, auf diesen folgt dann die zweite Gestrüppzeile mit außen liegendem Heckensaum.

Nutzen einer Benjes-Hecke

Der Nutzen einer Benjes-Hecke ist vielfältig, die Pflanzung wird vor Wildverbiss geschützt, es kann auf energieintensive Drahtzäune, welche später wieder entfernt werden müssen, verzichtet werden. Windschutz und Mikroklima ist mit Errichten der Gestrüppzeilen vorhanden. Der Boden ist vor Windverwehung und Austrocknung geschützt. Im Gestrüpp entsteht ein idealer Lebensraum für Vögel und anderes Kleingetier, die nach einem Sukzessionsprinzip der Permakultur für die weitere Artenvielfalt in der neuen Hecke sorgen.

Waltraud Gadermaier
Naturschutzberatung BIO AUSTRIA OÖ
Tel. 0676 / 842214-365
waltraud.gadermaier@bio-austria.at
http://www.bio-austria.at

Bernhard Gruber
Schriftführer Perma-Norikum
Tel. 0650 / 76 314 28
gruber_bernhard@aon.at
http://www.perma-norikum.net

Mehr zum Thema auf der Homepage www.holunderschule.de

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