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Ledergerb-Workshop in Umbwe Onana

Ledergerb-Workshop in Umbwe Onana,vom 8. bis 10. Jänner 2015, unter der Leitung von Waldläufer Gernot Mühlberger

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Go together well – Anamed und Permakultur treffen in Tansania aufeinander

Go together well – Anamed und Permakultur treffen in Tansania aufeinander
Ein Bericht von Susanne Kathrin Hoff

Am Hof der Familie Massawe fand bereits im Oktober 2010 ein Permakultur-Designkurs statt
Am Hof der Familie Massawe fand bereits im Oktober 2010 ein Permakultur-Designkurs statt

In dem kleinen Bergdorf Umwe Onana nähe Moschi mit Sicht auf den Kilimanjaro hat vor zwei Wochen (29.11.- 03.12.2011) ein Permakultur-Seminar von Perma-Norikum stattgefunden. Direkt im Anschluss daran ging es in ein einwöchiges Anamed (Aktion für natürliche Medizin) Seminar über. Insgesamt waren es gute 20 Teilnehmer, die mit ihrem Arrangement gezeigt haben, dass diese zwei Bereiche nicht nur nebeneinander stehen, sondern ganz hervorragend ineinander greifen und sich ergänzen.

Permakultur-Training für Fortgeschrittene - für Teilnehmer vom letzten Jahr wurde ein praktisches Training abgehalten
Permakultur-Training für Fortgeschrittene - für Teilnehmer vom letzten Jahr wurde ein praktisches Training abgehalten

Sowohl Permakultur als auch Anamed richten den Blick auf die Ressourcen, die bereits vorhanden sind. Es geht darum, diese zunächst einmal zu erkennen und anschließend nachhaltig zu verwenden, angepasst an das jeweilige Klima und die Kultur. Dies soll dazu führen, dass die Menschen sich ihre Lebensgrundlage selbst schaffen können und somit auch finanzieller unabhängiger werden können. Permakultur lehrt den Menschen ein Zuhause aufzubauen, das fast alle Grundbedürfnisse erfüllt. Sie zeigt unzählige Wege auf Wasser-, Wind und Energieressourcen so zu lenken, dass Nutzpflanzen in Fülle gedeihen und das Zuhause in ein natureingebundene Grundstück verwandelt wird.

Dr. Feleshi von ANAMED hielt im Anschluss an das Permakultur-Training einen Workshop über Naturheilkunde in den Tropen
Dr. Feleshi von ANAMED hielt im Anschluss an das Permakultur-Training einen Workshop über Naturheilkunde in den Tropen

Fast alle Grundbedürfnisse deswegen, weil sich die Nutzpflanzen bisher hauptsächlich auf Nahrungs- und Industriepflanzen konzentriert haben. Genau hier befindet die Schnittstelle zu Anamed, deren Ziel es ist, den Menschen in tropischen Ländern ihre vorhandenen Heilpflanzenressourcen aufzuzeigen und ihnen beizubringen diese zu verwenden.
In dem Seminar wurde unter anderem Wissen über Primary Health Care, verschiedene Krankheiten und viele Heilpflanzen gelehrt. Im Anschluss an drei Tage Theorie, wurden die letzten zwei Tage aus den vorgesellten Pflanzen medizinische Produkte hergestellt. Die Palette reichte von Seifen, Salben und Zahnpastapulver bis zu „black stones“ – „Steine“ die aus Knochen hergestellt werden und mit denen sich Gift aus Schlagen-, Insekten- oder Skorpionstichen ziehen lässt. Des Weiteren zog der Anbau und die Verwendung der sehr wirkstoffreichen Pflanze Artemisia annua anamed (A-3) besonders viel Aufmerksamkeit auf sich. Sie ist besonders hilfreich bei Malaria, HIV+/Aids, Magenprobleme aber auch bei Krebs und vielen weiteren Krankheiten. Die Seminarteilnehmer haben am letzten Tag Keimlinge von A-3 bekommen und wollen diese in ihre Farmen integrieren. Aber auch Moringa Olifera oder Mlongelonge wie man in kiswahili sagt, hat bei den Seminarteilnehmern zu Diskussionen geführt. Diese ist ebenfalls eine sehr starke Heil- und vor allem nährstoffreiche Pflanze und wird ebenfalls bei HIV+/Aids und bei Unter- bzw. Mangelernährung und vielem mehr eingesetzt.

Großes Interesse galt Pflanzen wie Artemisia, Neembaum, Baobab und Moringa
Großes Interesse galt Pflanzen wie Artemisia, Neembaum, Baobab und Moringa

Da die Seminarteilnehmer schon alle ein gewisses botanisches Vorwissen mitbrachten und die Motivation groß war dieses Wissen auch auf medizinisch verwendetete Pflanzen auszuweiten, führte das häufig zu tiefergehenden Fragen und Diskussionen. Da nicht alle Anwesenden sehr gut in kiswahili waren, wurden alle wichtigen Inhalte abwechselnd von den Seminarteilnehmern ins Englische übersetzt.

Teilnehmer des Permakultur-Training und ANAMED Workshop in Umbwe Onana, am Fuß des Kilimanjaro in Tansania
Teilnehmer des Permakultur-Training und ANAMED Workshop in Umbwe Onana, am Fuß des Kilimanjaro in Tansania

Das Seminar fand in dem Haus von Aloys J. Massawe statt, dessen Familie versorgte die Teilnehmer mit gesundem, meist aus dem Garten stammendem Essen. Er baut aber nicht nur Nahrungspflanzen an, sondern hat ebenfalls ein großes Wissen über Heilpflanzen. Wobei die Teilnehmer alle zusammen feststellten, dass man das im Grunde nicht exakt trennen kann, denn all unser Gemüse, Obst und so weiter, ist sowohl Essen als auch Medizin. Somit fand das Seminar in einem sehr passenden Ort statt und ein paar Teilnehmer kamen am Tag nach dem Seminar sogar dazu zu beobachten, wie Aloys einen Bienenstock teilte und Honig erntete. Aloys ist ein Spezialist auf diesem Gebiet und da man für die Salbenherstellung, nach dem Rezept von Anamed Wachs benötigt, empfahl Dr. Feleshi, der Leiter des Seminars und Chairman von Anamed Tanzania, sich eigene Bienen zu halten.

Insgesamt lässt sich zusammenfassen, dass in diesen zwei Wochen nicht nur separates Wissen von Permakultur und Anamed vermittelt wurde, sondern dass eine Grundlage für eine Zusammenarbeit zum gegenseitigen Vorteil geschaffen wurde. Das große Interesse und die Begeisterung der Teilnehmer lassen darauf schließen, dass es auch in Zukunft in diesem Bereich eine Zusammenarbeit geben könnte.

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Zu Gast bei Familie Masawe am Kilimanjaro

Zu Gast bei Familie Masawe in Umbwe Onana am Kilimanjaro

Familie Masawe vor ihrem Wohnhaus

In der Mitte des massiven Tisches steht ein Tablett mit einem Krug Wasser und einigen Trinkgläsern, daneben eine Schale mit grünen Bananen, Avocados und zwei großen Papajas. Am Nebentisch ist ein kleines Buffet aufgebaut, ein Topf mit gekochten Bohnen, einer mit Maissterz und ein weiterer, jedoch erheblich kleinerer, mit einer Sauce mit Rindfleischstücken, klein geschnittenem Paprika und Karotten. Der aromatische Geruch breitet sich über den Tisch aus, bis hin zu den Tellern und dem Essbesteck. Karibu Sana – wir werden höflich eingeladen uns zu bedienen, uns folgt der Hausherr, die Kinder und Ehefrau.

Homegarden der Familie Masawe in Umbwe Onana

Wir sitzen jetzt alle um den großen Tisch und warten auf das gemeinsame Tischgebet, die beiden 40 Watt Lampen können kaum den ganzen Raum ausleuchten, doch aus den schon müden Gesichtern der Kinder, funkeln die Augen fröhlich hervor. Jedes der 5 Kinder hat seine Geschichte hinter sich gelassen und wurde in der Familie Masawe aufgenommen.

Küche der Familie Masawe

Aloisi und Agnes Masawe haben es mit viel Fleiß und Offenheit zu einem bescheidenen Wohlstand gebracht. Als Aloisi mit 14 Jahren Fleischhauer werden sollte, verkaufte er sein Huhn und schlug sich von der Kiboscho Region bis nach Nairobi / Kenia durch, wo er die Highschool besuchte, bis er wegen des fehlenden Schulgeldes raus geschmissen wurde. Wieder zurück in Tansania verdiente er sein Geld in einem kleinen Laden und schaffte schließlich die Aufnahmeprüfung für einen Job in einem von Kanada finanzierten Imkerei-Projekt.

Festo beim Schneiden von Viehfutter

Nebenbei absolvierte er die Highschool und konnte dann auch einige Zeit in Kanada und Australien verbringen. Zwischendurch kaufte er ein kleines Stück Land unweit seines Elternhauses und gründete mit seiner Frau Agnes eine Familie. Da er einerseits genau kalkuliert und auch Imker mit Leib und Seele ist, fühlt er sich dem organischen Landbau verbunden und verzichtet in seiner Landwirtschaft auf Herbizide, Pestizide und Industriedünger.

Blüte einer Passionsfrucht

Um den Innenhof befinden sich einzelne Gebäude wie das Wohnhaus mit Speisezimmer, Büro, Vorratsraum, Badezimmer und den Schlafzimmern. Die Außenküche stellt ein separates kleines Gebäude dar. Zudem gibt es noch ein Stallgebäude und ein Guesthouse, welches wir bezogen haben.
Durch einen glücklichen Zufall konnte Aloisi kürzlich ein Nachbargrundstück erwerben. Seine zwei Hektar Farm ist im Vergleich zu andern Mikrofarmen, im Gebiet von Umbwe Onana gross. Ein durchschittliche Farm am Kilimanjaro verfügt über 6.000 bis 10.000 m2.

Stachellose Biene produziert Heilmittel

Stachellose Biene produziert Heilmittel

So einfach kann die Honigernte sein!

Eine kleine, stachellose Bienenart ist seine Spezialität, es gab in der Region nur noch zwei alte Männer mit je einem Bienenvolk. Aloisi holte sich einen Ableger und vermehrte diesen erfolgreich und gab dann weitere Ableger auch an Nachbarn und Interessierte weiter. Jetzt kommen Menschen aus ganz Tansania zu ihm und lassen sich in der Bienenhaltung und Honiggewinnung unterrichten. Er entwickelte auch im Laufe der Zeit eine spezielle Beute für diese Bienenart. Die Onana-Beute ist so im Größenverhältnis abgestimmt, dass das Brutnest im vorderen Bereich beim Flugloch angesiedelt ist und hinten der Honig in Wachstrauben eingelagert werden kann.

Beute mit Volk einer stachellosen Honigbiene am Mount Kilimanjaro

So wird bei der einfachen Honigernte auch das Brutnest nicht gestört. Dieses eigenartige kleine wunderbare Geschöpf kann ohne Probleme in Nahbereich von Mensch und Tier gehalten werden, so findet man auch im ganzen Innenhof unter den Dachvorsprüngen zahlreiche Bienenstöcke.

Swale – ein waagrechter Wasserrückhaltegraben als Erosionsbremse

Swale – ein waagrechter Wasserrückhaltegraben als Erosionsbremse

Der Swale, ein waagrechter Wasserrückhaltegraben

Schon zu Beginn unserer Reise erzählten wir Aloisi über Permakultur und hatten Filmmaterial über Watercatchment mitgebracht. Nach dem wir uns noch einmal mögliche Plätze auf Aloisis Farm angeschaut hatten, vereinbarten wir mit ihm, am neuen Feld einen waagrechten Wasserrückhaltegraben, einen so genannten Swale anzulegen. Vorbereitend dazu bauten wir aus drei halbwegs geraden Latten einen A-Frame. Dieser Rahmen aus Holz wird mit einem Senklot versehen. So kann man ganz einfach durch Abschlagen wie mit einem Zirkel, die Geländekontur heraus finden. Es ist wichtig genau die Mitte festzustellen um genau arbeiten zu können.

Fleißige Helfer aus der Nachbarschaft

Probeweise markierten wir mehrere Konturlinien und entschieden uns die letzte Konturlinie zu verwenden, da der künftige Swale nicht nur oberflächliches Hangwasser zum Versickern bringen soll, es kann bei dieser Konturlinie auch Regenwasser von der Straße eingeleitet werden.
An der Stelle, wo der Damm des Swales hinkommen sollte, zogen wir die Humusschicht ab und häuften die lockere Erde zu einem kleinen Damm, für beispielsweise einjähriges Gemüse an. Die frei gewordene Fläche bedeckten wir mit einer Schicht organischen Materials und errichteten darauf einen großen Damm mit dem Aushubmaterial des einen Meter breiten Grabens. Wir erhielten tatkräftige Unterstützung von einigen fleißigen, sehr interessierten Helfern aus der Nachbarschaft.

Franz kontrolliert den Graben

Wir arbeiteten uns Stück für Stück an den Markierungen entlang und kontrollierten immer wieder das Niveau des Grabens, um ein Gefälle zu verhindern. Da uns immer wieder neue fleißige Helfer unterstützten schafften wir es bis zum Abend den ganzen Swale auf gut 50 Meter Länge fertig zu stellen. Tags darauf sollte sogleich auch der Regen folgen und wir konnten klar die Funktion eines Swales erkennen. Wasser wird vor Ort zum Versickern gebracht. Wichtig ist, dass der Damm des Swales dauerhaft bepflanzt und zusätzlich gut gemulcht wird. Aloisi versicherte uns, er wolle nach der Maisernte im Februar das ganze Feld mit Swales durchziehen.