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Reise zu Permakultur-Projekten am Viktoria See



Reise zu Permakultur-Projekten am Viktoria See

Reise durch das Landesinnere, Trockenheit war hier schon immer ein großes Problem

In Musoma wurden wir von Saria, einer ehemaligen Mitarbeiterin von Franz am Busbahnhof abgeholt. Wir hatten Glück und konnten die NGO Global Ressource Alliance besuchen. Die Verantwortlichen freuten sich über unser Interesse und zeigten uns ihr neu angelegtes Permakultur-Projekt in Musoma, direkt neben ihrer Zentrale. Auf permanenten Hügeln wuchs eine bunte Mischung an Fruchtbäumen, Sträuchern, Stickstoffsammlern. Dazwischen waren gut gemulchte Beete mit Gemüse angelegt worden.

Mitarbeiter im Permakultur-Projekt der Global Ressource Alliance in Musoma

Kartoffel, Melanzani, Okra, Tomaten, Kohl, Amaranth und andere. Alles wird über ein Bewässerungssystem in Schuss gehalten und erspart viel Mühe. Es wird fleißig kompostiert, es gibt auch eine Urinseparation und zahlreiche Pflanzen werden in einer kleinen Baumschule selbst gezogen.

Im Jahr 2007 hielt der international anerkannte Permakultur-Designer Geoff Lawton mit 30 Teilnehmern einen Permakultur-Zertifikatskurs in Kinesi. Kinesi liegt auf der anderen Seite der Bucht, Musoma gegenüber. Bei diesem Kurs wurde das Permakultur-Projekt in Kinesi Village gestartet. Auf leicht abfallendem und stark sandigem Boden wurden mehrere Banana-Circles und mehrere Swales errichtet.

Zu Besuch im Permakultur-Projekt von Global Ressource Alliance

Wobei die Dämme der Swales immer mit permanenten Früchten und auch Stickstoffsammlern bepflanzt wurden. Parallel dazu sind Gemüsebeete angelegt worden. In einem großen Kunststofftank wird das Dachwasser vom Gebäude gesammelt und zum Bewässern verwendet, weiters muss Wasser vom Viktoria See geholt werden.

Interessierte am Permakultur-Projekt in Kinesi

Die vor zwei Jahren, teilweise aus Kernen gezogenen Pflanzen, haben sich sehr gut entwickelt. Auch die Permakultur hat sich etabliert, welche hier in der Grundschulbildung gelehrt wird. Auch in Musoma hat es die Permakultur zu einer gewissen Bekanntheit gebracht und so wurde unsere Tour von einigen Interessierten Brüdern des Epheta Centers, eine Einrichtung der Franziskaner am Ufer des Viktoria Sees begleitet.

Swales mit dauerhaft bepflanzten Dämmen

Franz und ich waren im Epheta Center untergebracht und konnten hier der Geschäftigkeit, der Hitze und dem Lärm einer typisch afrikanischen Stadt entkommen. Es ergaben sich immer wieder interessante Gespräche mit Bruder Sergio aus Mexiko, welcher Solarlampen und einfache Solarkocher für die Landbevölkerung organisiert. Zwischendurch besuchten wir auch den Waldgarten der Language-School in Musoma, wir hatten dort den Vergleich zwischen einem sehr gut gemulchten, etablierten Waldgarten und einer ebenfalls etablierten Bananenanpflanzung mit einer Untersaat an Buschbohnen, welche bewässert wird. Beide Teile sehen sehr gut aus, doch ist der Waldgarten viel produktiver und erfordert viel weniger Energieeinsatz.

Bananacircle im Permakultur-Projekt Kinesi

Um nicht wieder eine tagelange und beschwerliche Busfahrt auf uns nehmen zu müssen, beschlossen wir Montag morgen mit dem Bus quer durch die Serengeti zu fahren und den Aufpreis für Touristen, in der Höhe von USD 100 pro Person in Kauf zu nehmen. Bevor wir noch so richtig die Serengeti passierten, hatten wir bereits die erste Reifenpanne, wir freuten uns über eine Pause zum Füße vertreten.

Masaidorf in der Serengeti

Nach dem der Reifen gewechselt war, ging es im gleichen, rasanten Tempo weiter, vorbei an Giraffen, Elefanten, Gnus, Zebras und Impalas bis zum ersten Nationalparktor, wo wir dann die erste Gebühr entrichten mussten. Kurz nach dem zweiten Tor platzte die Dieselleitung, wir stoppten mitten in der Serengeti und wussten nicht ob die Reise fortgesetzt werden kann. Irgendwie haben es die Mechaniker dann doch wieder geschafft, den Bus flott zu bekommen. Der letzte Abschnitt der Strecke führte uns an den Rand des Ngorogoro-Kraters, einem wunderbaren Naturschauspiel. Kurz vor Arusha hatten wir eine neuerliche Reifenpanne und uns war klar, dass wir es nur noch bis Moshi schaffen würden.

Zu Gast bei Familie Masawe am Kilimanjaro

Zu Gast bei Familie Masawe in Umbwe Onana am Kilimanjaro

Familie Masawe vor ihrem Wohnhaus

In der Mitte des massiven Tisches steht ein Tablett mit einem Krug Wasser und einigen Trinkgläsern, daneben eine Schale mit grünen Bananen, Avocados und zwei großen Papajas. Am Nebentisch ist ein kleines Buffet aufgebaut, ein Topf mit gekochten Bohnen, einer mit Maissterz und ein weiterer, jedoch erheblich kleinerer, mit einer Sauce mit Rindfleischstücken, klein geschnittenem Paprika und Karotten. Der aromatische Geruch breitet sich über den Tisch aus, bis hin zu den Tellern und dem Essbesteck. Karibu Sana – wir werden höflich eingeladen uns zu bedienen, uns folgt der Hausherr, die Kinder und Ehefrau.

Homegarden der Familie Masawe in Umbwe Onana

Wir sitzen jetzt alle um den großen Tisch und warten auf das gemeinsame Tischgebet, die beiden 40 Watt Lampen können kaum den ganzen Raum ausleuchten, doch aus den schon müden Gesichtern der Kinder, funkeln die Augen fröhlich hervor. Jedes der 5 Kinder hat seine Geschichte hinter sich gelassen und wurde in der Familie Masawe aufgenommen.

Küche der Familie Masawe

Aloisi und Agnes Masawe haben es mit viel Fleiß und Offenheit zu einem bescheidenen Wohlstand gebracht. Als Aloisi mit 14 Jahren Fleischhauer werden sollte, verkaufte er sein Huhn und schlug sich von der Kiboscho Region bis nach Nairobi / Kenia durch, wo er die Highschool besuchte, bis er wegen des fehlenden Schulgeldes raus geschmissen wurde. Wieder zurück in Tansania verdiente er sein Geld in einem kleinen Laden und schaffte schließlich die Aufnahmeprüfung für einen Job in einem von Kanada finanzierten Imkerei-Projekt.

Festo beim Schneiden von Viehfutter

Nebenbei absolvierte er die Highschool und konnte dann auch einige Zeit in Kanada und Australien verbringen. Zwischendurch kaufte er ein kleines Stück Land unweit seines Elternhauses und gründete mit seiner Frau Agnes eine Familie. Da er einerseits genau kalkuliert und auch Imker mit Leib und Seele ist, fühlt er sich dem organischen Landbau verbunden und verzichtet in seiner Landwirtschaft auf Herbizide, Pestizide und Industriedünger.

Blüte einer Passionsfrucht

Um den Innenhof befinden sich einzelne Gebäude wie das Wohnhaus mit Speisezimmer, Büro, Vorratsraum, Badezimmer und den Schlafzimmern. Die Außenküche stellt ein separates kleines Gebäude dar. Zudem gibt es noch ein Stallgebäude und ein Guesthouse, welches wir bezogen haben.
Durch einen glücklichen Zufall konnte Aloisi kürzlich ein Nachbargrundstück erwerben. Seine zwei Hektar Farm ist im Vergleich zu andern Mikrofarmen, im Gebiet von Umbwe Onana gross. Ein durchschittliche Farm am Kilimanjaro verfügt über 6.000 bis 10.000 m2.

Die traditionellen Homegarden am Kilimanjaro

Die traditionellen Homegarden am Kilimanjaro

Gut erkennbare, ausgeprägte Ebenen eines Homegardens

Früher ernährte ein hoch produktiver Waldgarten mit einem Hektar Fläche eine große Familie. Heute schaffen dies die Bauern mit dem Anbau von Cash Crop wie Kaffee und Mais nicht mehr.
Das als Homegarden bekannte Bewirtschaftungssystem lieferte rund um das Jahr Lebensmittel, Futter für die Tiere, Medizin, Bauholz und Energieholz, Terrassen verhinderten Erosion.
Reste des ehemaligen florierenden Systems sind noch heute erkennbar.
So bilden Erdnüsse und Kartoffel die Knollenschicht, Buschbohnen und manchmal auch Kürbisse die Krautschicht.

Bananen mit Kaffeestauden dazwischen

Die nächste Ebene bilden verschiedene Arten an Yams, gefolgt von Kaffeestauden, zwischendurch Mais und immer wieder sind kleinere, Stickstoff sammelnde Bäume wie Leucena und Bohnenbaum zu finden. Auf dieser Ebene befinden sich auch Zitrusfrüchte, Granatapfel und Zimtbaum, eine weitere Ebenen bilden Bananen, Mango und Papaja, gefolgt von der Kronenebene, Bäume wie Avocado und verschiedene als Bauholz verwendete Stickstoffsammler. An Wasserkanälen findet man Zuckerrohr und verschiedene Kressen. Teilweise bis in die Kronenschicht rankt Queme, ein Ölkürbis, auf den niedrigeren Bäumen Passionsfrucht und Kajote. Oft sind die Grundstücke mit einer dicht verwachsenen blühenden Dornenhecke eingefasst, oder sind einfach nur mit starkwüchsigen Gräsern markiert.

Das Problem: Erosion und Nährstoffkonkurenz

Bewässerungssystem durch die Homegarden

Pflanzen wie Mais und Kaffee wurden auf Grund der Einführung von Steuern durch die wechselnden Kolonialmächte Deutschland und England als Cash Crop gepflanzt. Diese beiden Pflanzen verdrängen jetzt all zu oft in Monokulturfeldern die permanenten Waldgärten mit ihrer Biodiversität. Bananen und Mais sind Nährstoff- und Wasserkonkurrenten. Die Böden mit ihrer dünnen Humusschicht sind ohne eine Dauerkultur auf eine konstante Nährstoffzufuhr angewiesen.

Gut ausgeprägter Homegarden

Alle die sich den industriellen Dünger nicht leisten wollen, holen sich Dung von den Massai, einem typischen nomadisierenden Rinderzüchtervolk aus den Tiefebenen. Starke Regenfälle in den beiden Regenzeiten und heiße Winde in den Trockenzeiten verursachen erhebliche Erosionsschäden.

Auf zwei nebeneinander gelegenen Feldern, das eine durch Baumbewuchs geschützt und das andere nicht, hat sich am ungeschützten Feld das Niveau annähernd um 2 m in den letzten 40 Jahren gesenkt.

Von Erosion gezeichnete Straße

Von der ehemaligen Kolonialmacht Deutschland wurde zu Beginn des letzten Jahrhunderts ein Kanalsystem zur Bewässerung der Felder errichtet. Gespeist werden diese Kanäle vom Umbwe River. In Gemeinschaftsarbeit wurde das Kanalsystem von Einheimischen in den letzten Jahren ausgebaut, jedoch gibt es trotz Regelung immer wieder Streitigkeiten, wer wann wie viel Wasser entnehmen darf. In der Trockenzeit wird das Wasser zu wenig, da immer mehr Wald am Kilimanjaro gerodet wird und so der natürliche Wasserspeicher verschwindet.

Der selbst gebaute A-Frame wird zu einem wichtigen Werkzeug

In der Regenzeit kann der Boden die Wassermassen nicht aufnehmen und es kommt zu Überschwemmungen bis hin zu Muren. Ganze Straßen werden zu Wasserkanälen. Doch gerade hier wird das Problem zur Lösung, wenn die Straßenbäche auf die Felder geleitet und das Wasser dort gespeichert wird. Dies ist einfach mit waagrechten Wasserrückhaltegräben, welche die Bauern selber graben können, zu bewerkstelligen.