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Go together well – Anamed und Permakultur treffen in Tansania aufeinander

Go together well – Anamed und Permakultur treffen in Tansania aufeinander
Ein Bericht von Susanne Kathrin Hoff

Am Hof der Familie Massawe fand bereits im Oktober 2010 ein Permakultur-Designkurs statt
Am Hof der Familie Massawe fand bereits im Oktober 2010 ein Permakultur-Designkurs statt

In dem kleinen Bergdorf Umwe Onana nähe Moschi mit Sicht auf den Kilimanjaro hat vor zwei Wochen (29.11.- 03.12.2011) ein Permakultur-Seminar von Perma-Norikum stattgefunden. Direkt im Anschluss daran ging es in ein einwöchiges Anamed (Aktion für natürliche Medizin) Seminar über. Insgesamt waren es gute 20 Teilnehmer, die mit ihrem Arrangement gezeigt haben, dass diese zwei Bereiche nicht nur nebeneinander stehen, sondern ganz hervorragend ineinander greifen und sich ergänzen.

Permakultur-Training für Fortgeschrittene - für Teilnehmer vom letzten Jahr wurde ein praktisches Training abgehalten
Permakultur-Training für Fortgeschrittene - für Teilnehmer vom letzten Jahr wurde ein praktisches Training abgehalten

Sowohl Permakultur als auch Anamed richten den Blick auf die Ressourcen, die bereits vorhanden sind. Es geht darum, diese zunächst einmal zu erkennen und anschließend nachhaltig zu verwenden, angepasst an das jeweilige Klima und die Kultur. Dies soll dazu führen, dass die Menschen sich ihre Lebensgrundlage selbst schaffen können und somit auch finanzieller unabhängiger werden können. Permakultur lehrt den Menschen ein Zuhause aufzubauen, das fast alle Grundbedürfnisse erfüllt. Sie zeigt unzählige Wege auf Wasser-, Wind und Energieressourcen so zu lenken, dass Nutzpflanzen in Fülle gedeihen und das Zuhause in ein natureingebundene Grundstück verwandelt wird.

Dr. Feleshi von ANAMED hielt im Anschluss an das Permakultur-Training einen Workshop über Naturheilkunde in den Tropen
Dr. Feleshi von ANAMED hielt im Anschluss an das Permakultur-Training einen Workshop über Naturheilkunde in den Tropen

Fast alle Grundbedürfnisse deswegen, weil sich die Nutzpflanzen bisher hauptsächlich auf Nahrungs- und Industriepflanzen konzentriert haben. Genau hier befindet die Schnittstelle zu Anamed, deren Ziel es ist, den Menschen in tropischen Ländern ihre vorhandenen Heilpflanzenressourcen aufzuzeigen und ihnen beizubringen diese zu verwenden.
In dem Seminar wurde unter anderem Wissen über Primary Health Care, verschiedene Krankheiten und viele Heilpflanzen gelehrt. Im Anschluss an drei Tage Theorie, wurden die letzten zwei Tage aus den vorgesellten Pflanzen medizinische Produkte hergestellt. Die Palette reichte von Seifen, Salben und Zahnpastapulver bis zu „black stones“ – „Steine“ die aus Knochen hergestellt werden und mit denen sich Gift aus Schlagen-, Insekten- oder Skorpionstichen ziehen lässt. Des Weiteren zog der Anbau und die Verwendung der sehr wirkstoffreichen Pflanze Artemisia annua anamed (A-3) besonders viel Aufmerksamkeit auf sich. Sie ist besonders hilfreich bei Malaria, HIV+/Aids, Magenprobleme aber auch bei Krebs und vielen weiteren Krankheiten. Die Seminarteilnehmer haben am letzten Tag Keimlinge von A-3 bekommen und wollen diese in ihre Farmen integrieren. Aber auch Moringa Olifera oder Mlongelonge wie man in kiswahili sagt, hat bei den Seminarteilnehmern zu Diskussionen geführt. Diese ist ebenfalls eine sehr starke Heil- und vor allem nährstoffreiche Pflanze und wird ebenfalls bei HIV+/Aids und bei Unter- bzw. Mangelernährung und vielem mehr eingesetzt.

Großes Interesse galt Pflanzen wie Artemisia, Neembaum, Baobab und Moringa
Großes Interesse galt Pflanzen wie Artemisia, Neembaum, Baobab und Moringa

Da die Seminarteilnehmer schon alle ein gewisses botanisches Vorwissen mitbrachten und die Motivation groß war dieses Wissen auch auf medizinisch verwendetete Pflanzen auszuweiten, führte das häufig zu tiefergehenden Fragen und Diskussionen. Da nicht alle Anwesenden sehr gut in kiswahili waren, wurden alle wichtigen Inhalte abwechselnd von den Seminarteilnehmern ins Englische übersetzt.

Teilnehmer des Permakultur-Training und ANAMED Workshop in Umbwe Onana, am Fuß des Kilimanjaro in Tansania
Teilnehmer des Permakultur-Training und ANAMED Workshop in Umbwe Onana, am Fuß des Kilimanjaro in Tansania

Das Seminar fand in dem Haus von Aloys J. Massawe statt, dessen Familie versorgte die Teilnehmer mit gesundem, meist aus dem Garten stammendem Essen. Er baut aber nicht nur Nahrungspflanzen an, sondern hat ebenfalls ein großes Wissen über Heilpflanzen. Wobei die Teilnehmer alle zusammen feststellten, dass man das im Grunde nicht exakt trennen kann, denn all unser Gemüse, Obst und so weiter, ist sowohl Essen als auch Medizin. Somit fand das Seminar in einem sehr passenden Ort statt und ein paar Teilnehmer kamen am Tag nach dem Seminar sogar dazu zu beobachten, wie Aloys einen Bienenstock teilte und Honig erntete. Aloys ist ein Spezialist auf diesem Gebiet und da man für die Salbenherstellung, nach dem Rezept von Anamed Wachs benötigt, empfahl Dr. Feleshi, der Leiter des Seminars und Chairman von Anamed Tanzania, sich eigene Bienen zu halten.

Insgesamt lässt sich zusammenfassen, dass in diesen zwei Wochen nicht nur separates Wissen von Permakultur und Anamed vermittelt wurde, sondern dass eine Grundlage für eine Zusammenarbeit zum gegenseitigen Vorteil geschaffen wurde. Das große Interesse und die Begeisterung der Teilnehmer lassen darauf schließen, dass es auch in Zukunft in diesem Bereich eine Zusammenarbeit geben könnte.

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Ben Law – leben im Wald, von den Überschüssen der Natur

Innovativer Permakulturist geht neue Wege und entwickelt für sich eine nachhaltige Wirtschaftsweise und einen wahrhaft ökologischen Lebensstil
Beat Rölli (dipl. Biologe und dipl. Permakulturdesigner)
berichtet über seinen Besuch in Prickly Nut, England Juli 2009

Der Begriff der Nachhaltigkeit stammt in seinem Ursprung aus der Forstwirtschaft, es wurde nie mehr Holz entnommen als nachwachsen konnte. So ist der Wald ein wunderbares System welches in vielen Kulturen als Vorbild für einen Lebensstil diente. Der Wald in sich produziert mehr als er selbst verbrauchen kann, obwohl er kein exponentielles Wachstum kennt und sich einem Klimax annähert.

Das Haus von Ben Law
Das Haus von Ben Law

Der ehemalige Schafhirte und Entwicklungshelfer Ben Law kaufte 1992 ein kleines Stück Wald im englischen West Sussex, wo er lebt und woraus er auch seinen und den Lebensunterhalt seiner Familie bestreitet. Diese scheinbare Utopie in einem Land, in welchem zur gleichen Zeit Grossbauern trotz Eu-Förderungen um ihre Existenz kämpfen. Doch 17 Jahre später hat Ben Law nicht nur seinen kühn anmutenden Traum, von einem ehrlichen, nachhaltigen Lebensstil verwirklicht, er hat sich auch wirtschaftlich etabliert und kann als Alleinverdiener seine Familie ernähren. So wurde Ben in den vergangenen Jahren bekannt, als eine herausragende Persönlichkeit in einer wachsenden Bewegung, welche wie er im Wald leben und die reichlichen Überschüsse der Natur konsumieren. Durch sein beachtenswertes Ökohaus und die von ihm verfassten Bücher, wurde er auch weit über die Grenzen von England hinaus bekannt. Dieser erste von zwei Artikeln soll einenen Überblick über sein Tun und Wirken im Wald von Lodworth, im englischen West Sussex geben.

Wie alles begann

1992 erwirbt Ben Law, ein ehemaliger Schafhirte und Entwicklungshelfer für 12’000 Pfund 3.2 ha Wald im Dorf Lodsworth im Englischen West Sussex, südlich von London. Da Ben Law über wenig Geld verfügt, zahlt er den Wald in Arbeitsleistung ab. Während der ersten 11 Jahre lebt Ben Law in einem Wohnwagen und unter einem Zeltdach, wo er unter den einfachsten Bedingungen lebt, arbeitet, kocht und schläft. Als Woodman (Waldmann) belebt Ben die uralte englische Tradition der Niederwald-Bewirtschaftung und verknüpft diese mit Permakultur Knowhow. Erst um 2001 erhält er eine Baubewilligung für ein Haus im Wald, was auch in England sehr schwierig und aussergewöhnlich ist. Das entscheidende Argument ist die Tatsache, dass er Holzkohle produziert und ein Köhler zur Holzkohleproduktion vor Ort leben muss.

Niederwald, eine uralte Waldwirtschaftsform mit Zukunft

1980 waren in England noch knapp 20’000 Hektaren Edelkastanien-Niederwald ausgewiesen. Dies zeigt, dass in England Niederwald noch im 20. Jahrhundert verbreitet war. Die von Ben Law bewirtschafteten Waldparzellen sind zu einem grossen Teil Niederwald, welcher vor über hundertfünfzig Jahren angelegt und seit dem zweiten Weltkrieg nicht mehr bewirtschaftet wurde. Durch den starken Bewuchs mit Rhododendron viel in den ersten Jahren viel „minderwertiges“ Holz an, dieses verarbeitet Ben zu Holzkohle. Köhlern ist zwar schmutzige Arbeit, doch können so Abfall- oder Brennholz veredelt und für gutes Geld verkauft werden. Die Holzkohleproduktion war in den ersten Jahren ein wichtiger Teil seines Einkommens.

Zur Zeit bewirtschaftet Ben Law gut 40 ha Wald, nicht weil er soviel Wald zum Leben brauchen würde, sondern weil es ihm ein Anliegen ist, den Niederwald in seiner Gegend aufzuwerten, da er seit Generationen nicht mehr fachmännisch unterhalten wurde. Diese vernachlässigten Niederwaldflächen will er kommenden Generationen als wertvollen Niederwald hinterlassen.

Der Niederwald hat im Vergleich zum Hochwald viele Vorteile:

Beim Niederwald werdenschnell wachsende Sträucher oder Bäume auf den Stock gesetzt. Stämme werden knapp über der Erde abgesägt, das grosse, noch vorhandene Wurzelwerk erlaubt ein starkes Wachstum der neuen Stockausschläge, die schnell zu langen geraden Trieben und Stämmen heranwachsen. Pflanzt man im Hochwald eine kleine Fichte, muss diese das ganze Wurzelwerk entwickeln. Das braucht Energie und Zeit. Deshalb ist die Primärproduktion im Niederwald mit schnell wachsenden Bäumen und Sträuchern wesentlich höher als im Fichten-Hochwald. So verfügt der Niederwald von Ben Law vor allem über Edelkastanie, Haselnuss und Eschen.

Ein Niederwald kann grösstenteils mit Handarbeit bewirtschaftet werden. So kommen auch die meisten Woodmen in England ohne teure Geräte aus. Auch Ben Law arbeitet wenn möglich mit Hand-Werkzeugen. So vermindert er den fürchterlichen Lärm im Wald beträchtlich, was einen grössern Gewinn für Waldarbeiter und Natur darstellt.

Aus dem Niederwald kann bereits nach 5, 6, 7 Jahren Holz für wertvolle Produkte entnommen werden. Beim Hochwald dauert es 50 und mehr Jahre bis ein gesetzter Baum gross und wertvoll ist. Der wertvollste Baum bei Ben Law ist die Edelkastanie, die er auf den Stock setzt. Der Edelkastanien-Niederwald wurde vor 150 Jahren für die Stangen-Produktion, die vor allem für den Hopfenanbau verwendet wurden, angelegt. Edelkastanie entpuppt sich als der ideale Baum für die Niederwaldbewirtschaftung. Da Edelkastanie wie Eiche viel Tannin enthält, zersetzt sich der Witterung ausgesetztes Edelkastanienholz viel langsamer als Fichtenholz. Gefälltes Edelkastanienholz kann über Jahre im Wald gelagert werden, ohne dass es abgedeckt wird. Zu dem enthält es wenig Splintholz mit tiefem Tanningehalt und viel Kernholz mit hohem Tanningehalt. Deshalb können dünne Edelkastanienstämme ohne chemische Behandlung als dauerhafte Pfosten oder Zäune dienen. Edelkastanien wachsen schnell und bei dichtem Bewuchs sind die Stämme erstaunlich gerade. Niederwald-Edelkastanien in Südengland können heutzutage bereits nach dem fünften Jahr (Klimaerwärmung lässt grüssen) oder traditionell nach dem siebten Jahr geerntet, das heisst wieder auf den Stock gesetzt werden. Ein Vorteil der Edelkastanien gegenüber andern Niederwaldpflanzen wie Hasel ist, dass man Niederwald-Edelkastanien auch 10, 20 oder mehr Jahre im Wald stehen lassen und jederzeit eine wertvolle Ernte einfahren kann. Im Verlaufe der Jahre reduzieren sich bei jedem Stock die Anzahl Stämme und ebenfalls die Stöcke, bis nur noch einzelne Edelkastanienbäume im Wald stehen. Ben Law’s Niederwald-Kastanien produzieren kaum Früchte, diese produziert er auf veredelten Kastanienbäumen.

Ökologische Artenvielfalt im Niederwald

Waldwirtschaft von Ben Law
Waldwirtschaft von Ben Law

Um ökonomisch arbeiten zu können, dominieren meist eine oder zwei Arten den Baumbestand eines Niederwalds. Niederwald kann aber auch grosse Bäume enthalten und somit mit einem sehr lockeren Hochwald kombiniert werden. Ben Law legt kleinflächige Parzellen (maximal 0.5ha) an und rodet diese. Roden als auch Monokultur-ähnliche Bestände hören sich nicht ökologisch an, aber Ben Law’s Wald als Gesamtes enthält eine grosse Artenvielfalt und auch seine einzelnen Niederwaldparzellen erweisen sich als erstaunlich artenreich. Allerdings muss man genau hinschauen, da die Hauptarten in den Kulturen sehr dominant sind. Nach der Rodung gedeihen sehr viele Krautpflanzen, was vielen verschiedenen Schmetterlingsarten einen Lebensraum bietet. In seinem Niederwald wurde sogar eine sehr seltene Orchidee gesichtet, die sich nach der Rodung vermehren konnte. Um die 50 Vogelarten brüten in seinem Wald. Der Niederwald wirkte sich auch sehr positiv auf die Moos- und Farnvielfalt aus, so gibt es auf seinen Parzellen ein Forschungsprojekt der Universität.

Angepasste Technologie, Transport vermeiden

Ben Law bewirtschaftet seinen Wald nach ökologischen aber auch ökonomischen Kriterien. Je nach Bedarf fällt er die entsprechenden Stämme. Sei es für Pfähle, Wildholzmöbel, Bretter oder gar als Rundholz-Balken für Häuser. Um Transportwege zu ersparen, wird das Holz möglichst vor Ort verarbeitet, zum Beispiel zu Pfählen oder Brettern. Dank seines mobilen Sägewerks, kann er vor Ort selber Balken und Bretter sägen. Das Gerät leiht er auch aus. Ein Teil des Abfallholzes der Verarbeitung trocknet er an Ort und Stelle. Einiges wird dort zu Holzkohle verarbeitet. Dazu verwendet er einen Köhlerofen, mit dem man in einem Tag Holzkohle herstellen kann. Auch hier wird der Transport minimiert, indem die Einrichtung zum Holz gebracht wird und nicht umgekehrt. Somit muss er nur noch das leichte Endprodukt Holzkohle abtransportieren. Ben hat eine Reihe von Gerätschaften, um schweres Holz manuell zu bewegen: Winden, aber auch das Hebe- und Fahrgerät „the mule“ (zu deutsch der Maulesel) erlauben ihm, erstaunlich schwere Stämme manuell zu transportieren.

Sein Projekt ist autark, resilient und nachhaltig

Die Arbeit im Niederwald hat Ben Law reich beschenkt. Seine tiefe Verbundenheit mit der Natur ist zu spüren und ich bestaune sein Wissen und sein vielfältiges, handwerkliches Können. Offensichtlich ist hier ein bescheidener Mensch mit Begabung und Fleiss am Werk. Sein Lebens- und Arbeitsort bietet eine überaus hohe Lebensqualität. Bei der Bewirtschaftung achtet Ben Law auf Ökologie und Ökonomie gleichermassen.

Sein Projekt ist in einem hohen Grad autark:

• Gemüse, Beeren und Obst wachsen im Garten, Wildfrüchte, Pilze und viele weitere Nahrungsmittel in seinem Wald.
• Er ist nicht ans Stromnetz angeschlossen. Der grösste Teil seiner Energie wird im Wald produziert: Brennholz, Sonnenkollektoren, Photovoltaik und ein Windrad. Benzin für Fahrzeuge und Maschinen machen hier die Ausnahme.
• Er besitzt Wald, hat ein eignes Haus, eine Werkstatt, eine eigene Quelle. eigentlich alles , was man zum Leben braucht.

Sein Projekt ist resilient:

Resilient bedeutet, dass ein System Rückschläge in mehreren Bereichen verkraftet kann, ohne dass als es Gesamtes in die Krise kommt. Dies ist in unserer Zeit mit ihren grossen Ungewissheiten entscheidend. Ben Law scheint gegen die Gefahren des 21. Jahrhunderts bestens gewappnet:
• Da er nur wenig Fremdenergie braucht, kann Peak oil – die sich abzeichnende Erdölknappheit – ihn nicht ruinieren.
• Da er kaum verschuldet ist, braucht er kein Wachstum um seine Schulden zurück zu bezahlen.
• Da er viele verschiedene und grundlegende Dinge für den Alltag lokal produziert, scheint er für die Wirtschaftskrise bestens gewappnet.
• Stürme, starke Regenfälle oder andere Naturkatastrophen können kaum zu einem Totalschaden in seinem Niederwald führen.
• Da er über sehr viele Fertigkeiten und Fähigkeiten verfügt, kann er verschiedenste Arbeiten und Aufgaben übernehmen.

Sein Projekt ist nachhaltig:
Nachhaltig im engeren Sinne bedeutet, dass die gegenwärtige Generation ihre Bedürfnisse befriedigt, ohne die Fähigkeit der zukünftigen Generation zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen zu können. Zur Nachhaltigkeit gehören insbesondere drei
Aspekte. Ökologie, Ökonomie und Soziales.

Sein Projekt ist ökologisch:
Sein Wald weist eine grosse Biodiversität auf. Die Bodenfruchtbarkeit wird langfristig erhalten. Es wachsen mehr Ressourcen nach als er braucht. Er benutzt kaum Gifte.

Es ist sozial:

Ben Law ist Mitbegründer des FSC-Siegels. Seit 2000 arbeiten und lernen mit Ben Law jeweils für ein Jahr zwei junge Leute als Praktikanten. Er unterstützt viele Woodmen and Woodwomen mit Rat und setzt sich für ihre Interessen ein. Seit vielen Jahren gab es in Lodsworth keinen Dorfladen mehr. Da Dorfläden ein entscheidendes Element der Relokalisierung der Wirtschaft und somit der nachhaltigen Entwicklung sind, schlug Ben der Dorfgemeinschaft vor einen Dorfladen aus Rundholz zu bauen. Im Sommer 2009 setzt Ben Law mit Freiwilligen und Dorfbewohnern dieses Projekt um.

Es ist wirtschaftlich:
Das Dorfladenprojekt zeigt, wie grosszügig Ben Law ist und wie gut es ihm wirtschaftlich geht. Er schenkt dem Dorf das Bauholz und arbeitet als Bauleiter mehrere Monate gratis. Die Aufbauphase einer solchen Existenz und Lebensweise dauert seine Zeit. Ben Law sagt, dass er vor 10 Jahren dieses Geschenk dem Dorf noch nicht hätte machen können. Die Arbeit im Wald, wie sie Ben Law macht, ist physisch anstrengend und der Stundenlohn für viele Arbeiten bescheiden, dennoch ernährt er als Alleinverdiener eine Familie mit drei kleinen Kindern.
• In seinem Wald hat er schnell nachwachsenden Rohstoff für die verschiedensten Produkte wie Balken, Bretter, Wildholzmöbel, Pilzzucht oder Rundholzbauten. In den letzten Jahren war er als Baumeister für Rundholzbauten sehr gefragt und beschäftigt.
• Seine Kurse und Besuchertage sind sehr beliebt. Seine Bücher verkaufen sich gut. Somit hat Ben Law viele Einkommensquellen und verschiedenste Möglichkeiten, Geld zu verdienen.
• Seine Lebenskosten sind tief, denn Ben Law hat sein Haus für nur 28’000£ gebaut und hält so die Verschuldung minimal.
• Selbst seine Pension entnimmt er dem Wald. Seit einiger Zeit hebt er besonders wertvolle Stämme auf und trocknet sie langsam. Er will sie später als „Pensionierter“ verarbeiten oder verkaufen.

Ben Law inspiriert
Ben Law hat Ende der 90 Jahre das vielfältige Handwerk der Niederwaldbewirtschaftung von Bill Hogarth, einem der damals letzten woodmen in England gelernt. Zur Zeit ist er selber der bekannteste und herausragendste Woodman in ganz England. Er hat diese uralte und sinnvolle Wirtschaftsform unserer Zeit angepasst und gibt sein Wissen grosszügig weiter. Seit 10 Jahren kommen junge Menschen in seinen Wald und arbeiten mit ihm mindestens 4 Monate, oder auch ein ganzes Jahr. So lernen sie das vielfältigen Handwerk von Waldwirtschaft und Holzverarbeitung. Ben hofft natürlich, dass sie anschliessend selbst diese ökologische, permakulturmässige Waldwirtschaftsmethode anwenden und weiter entwickeln. Ben macht Führungen und gibt wenige, spezialisierte Kurse. Dass sein Know how begehrt ist, zeigt die Tatsache, dass die zwei kommenden Besuchertage bereits ausgebucht sind. In seinen informativen und inspirierenden Büchern „The Woodland Way“ und „The Woodland Year“beschreibt Ben ausführlich seine Bewirtschaftungsmethoden. Ich schätze die Bücher sehr, weil er über sein erprobtes Wissen schreibt.

Weitere Infos unter www.ben-law.co.uk

Download Bericht „Ben Law – Leben im Wald“, von Beat Rölli
Download Bericht „Ben Lawś Rundholzbau“, von Beat Rölli

Permakultur bringt Hoffnung für Kleinbauern am Kilimanjaro



Permakultur bringt Hoffnung für Kleinbauern am Kilimanjaro

Mount Kilimanjaro über dem Homegarden der Familie Masawe in Umbwe Onana

Ein grundsätzliches Bestreben der Natur ist die Rückkehr zum Wald. Ein gut organisierter Wald kann uns alles bieten was wir zum Leben brauchen: frisches sauberes Wasser, Nahrung, Medizin,  Futter für Tiere, Baustoffe und Energie. Beinahe auf allen Kontinenten sind Völker bekannt, welche nach den Beispielen der Natur ihre Gärten organisiert hatten. So auch die Homegarden der Chagga am Kilimanjaro in Tansania, welche seit einigen Jahrzehnten in ihrer Existenz sehr bedroht sind und immer mehr verdrängt werden. Die Ideen der Permakultur bieten den Menschen neue Möglichkeiten.

Geographische Übersicht Tansania

Im ersten Teil unseres Tansania-Aufenthaltes bereisten Franz Hörmannseder und ich das Land und besuchten zwei Permakultur-Projekte am Viktoria See. Mit Franz zu reisen bedeutet nicht nur einen kompetenten Ansprechpartner in Sachen Permakultur zu haben, er ist auch Tansania-Experte, er lebte hier über drei Jahre und spricht perfekt Kiswaheli und kennt die Mentalität der Menschen hier sehr gut. Über Arusha reisten wir mit dem Bus durch die Massaisteppe quer durch das sehr trockene Landesinnere. Franz und ich passierten Städte wie Singida, Nzega, Shinyanga, Mwanza und erreichten, kräftig durchgeschüttelt am dritten Tag Musoma, unser angestrebtes Reiseziel.

Reise durch das Landesinnere, Trockenheit war hier schon immer ein großes Problem