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Errichtung eines geflochtenen Spelten-Zauns

Workshop im Rahmen des Permakultur-Zertifikatskurs des Ökozentrums Klosterneustift, am Schüsslerhof im Ahrntal in Südtirol.

Ein Bericht von Bernhard Gruber, Oberösterreich

Permakultur 2005 081Rudl, ein begeisterter Permakulturist aus Südtirol absolvierte selbst den Permakulturdesigner in der Ökowerkstatt von Klosterneustift unter Joe Polaischer im Jahr 2003 und ging auch sogleich ans Werk seinen auf 1200 m gelegenen Hof, den Schüsslerhof, mit Hilfe des Permakulturplanungssystems neu zu organisieren. Er legte eine terassierten Kräuter- und Gemüsegarten an, fasste Quellen für zwei Forellenteiche und baut auf einer beachtlichen Fläche wie in früheren Zeiten wieder Roggen an. Diese Anlage und Kuhgatter begrenzte er mit für die Region typischen Zäunen aus Lärchenholz. Die Teilnehmer des Kurses 2005 hatten Gelegenheit einen Ausflug dorthin zu machen und auch selbst Hand anzulegen.

Zur Begrüßung wurden wir durchs Gelände geführt und Rudl erzählte uns über seinen Hof, die Umstellung auf Permakultur und was er noch alles vorhat. Die Landwirtschaft der Familie Obermair umfasst 5,5 ha Wiese und 16 ha Wald. Der Permakulturgarten mit den Teichen ist ca. 0,5 ha groß. Getreide (Roggen, Weizen und Gerste) wird zu Versuchszwecken und Saatgutvermehrung auf ca. 300 m² angebaut. Ein zusätzliches Standbein der mehrköpfigen Familie sind ihre beiden Ferienwohnungen. Die Gäste sollen in Zukunft mit Kost aus dem Permakulturgarten versorgt werden sollen.

Nach der Einführung ging es dann zum praktischen Teil über, wir sollten unter der Anleitung des Hausherren, seiner Frau Monika und dem älteren Sohn ein Gatter für die Kühe errichten. Rudl zeigte uns, wie er 2 Meter lange, geschälte Lärchenholzstämme mit einem hydraulischen Holzspalter der Länge nach in schmale Latten teilt. Beim Spalten wird das Holz der Faser nach geteilt, wie es auch bei Dachschindeln geschieht, welche auf Grund der Haltbarkeit nicht geschnitten, sondern eben auch gespalten werden. Das Wasser läuft entlang der Faser und rinnt ab, bei geschnittenen Brettern dringt das Wasser in die Poren ein, die Feuchtigkeit bleibt im Holz. Zum Schutz gegen die Nässe im Übergangsbereich zwischen Luft und Boden, werden die unten zugespitzten Zaunlatten auf der doppelten Einschlaglänge von ca. 60 cm angebrannt.

Gut hundert Stück so vorbereiteter Latten transportierten wir zur nahe liegenden Baustelle. Rudl hatte auf einer Länge von 20 Meter Pfähle eingeschlagen und bereits auch zur Querverbindung Stangen eingezapft. Monika entfachte in einem halbierten, alten Ölfass ein Holzfeuer, darin wurden am Vortag geschnittene, fingerdicke Tannenäste so lange geröstet, bis diese schön biegsam waren. In der Zwischenzeit schlugen Rudl und sein Sohn eine Latte 30 Zentimeter in den Boden ein, mit dicken Arbeitshandschuhen an den Händen wurde die erste noch sehr heiße Rute übers Kreuz um Latte und Querstange geschlungen und straff gespannt. Zu diesem Zweck wird auf der anderen Seite des Zaunes ein Helfer, der die Rute dicht ans Holz drückt  und wieder zurück biegt gebraucht.

Nach den ersten in einer Rekordzeit vorgelegten Metern, durften auch wir unser Geschick zeigen. Paarweise und unter Rudls Anleitung errichteten wir mit sehr viel Freude am Werk einige Laufmeter eines sehr stabilen, zweckmäßigen und auch sehr schönen Zaunes. In der gleichen Zeit hätten wir nicht einmal einen herkömmlichen verzinkten Maschenzaun mit einbetonierten Stehern errichten können. Das Holz für den Zaun hatte Rudl aus seinem eigenen Wald.

Neben dem geflochtenen Speltenzaun findet man am Hof der Obermairs noch den Ringzaun, den Ranggen- oder auch Schärenzaun, den Stangenzaun und den Schrankzaun.
Für Interessierte hält Rudl gelegentlich auf Sepp Brunners Hof in Osttirol einen Workshop ab. Infos unter www.permakulturwerkstatt.net/
oder Sepp und Margit Brunner , A – 9951 Ainet, Glanz 21, Osttirol
Tel: 04853/5509  montags, mittwochs  17 -20 Uhr

Obermair Rudolf u.Monika
Schüsslerhof
Michelreiserweg 15
I – 39032 Sand in Taufers
Tel: 0039 / 0474-678772
schuesslerhof@web.de

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Wer ist Bill Mollison?

Bill Mollison, 1928 in Tasmanien / Australien geboren, gilt gemeinsam mit David Holmgren als Begründer der Permakultur. Er selbst lebte Jahre lang mit dem indigenen Volk Australiens im Busch, studierte Tier und Pflanzenwelt. Im Jahr 1978 wurde von Bill Mollison das international anerkannte Institut für Permakultur (Permaculture Institute / http://www.tagari.com) gegründet. Das Institut hat als Ziel die Verbreitung der Permkultur in Bildung, Forschung und konkreter Umsetzung gesetzt. Im Jahr 1981 wurde Bill Mollison mit dem Alternativ-Nobelpreis für seine Ideen und sein Schaffen ausgezeichnet. So ist auch in den letzten Jahrzehnten eine Reihe an Büchern erschienen.

▪ Bill Mollison, David Holmgren: Permakultur: Landwirtschaft und Siedlungen in Harmonie mit der Natur
pala-verlag, 1984,
ISBN 3-923176-04-X

▪ Bill Mollison: „Permaculture: A Designers‘ Manual“
Tagari Publications, 1988,
ISBN 0-908228-01-5 (engl.)

▪ Bill Mollison, David Holmgren: „Permaculture One: A Perennial Agricultural System for Human Settlements“
Eco-Logic Books / Worldly Goods, 1990
ISBN 0-908228-03-1 (engl.)

▪ Bill Mollison: „Permaculture: A Practical Guide for a Sustainable Future“
Island Press, 1990,
ISBN 1-559630-48-5 (engl.)

▪ Bill Mollison: „Introduction to Permaculture“
Tagari Publications, 1994,
ISBN 0-908228-08-2 (engl.)

▪ Bill Mollison: Permakultur II. Praktische Anwendungen
pala-verlag, 1994,
ISBN 3-923176-05-8

▪   Bill Mollison: „Permakultur konkret“
pala-Verlag, 2005
ISBN 3-923176-60-0